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Der Israelit · 1894-09-20 · Heft 75 (20.9.1894) · page 22

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 75 (20.9.1894)
Date
1894-09-20
Page
– (sequence 22)
Language
German
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1414 Lehrer" erhielt. In Erwägung, daß die Bestrebungen der gesamten deutschen Lehrerschaft, zu der auch die Mitglieder unserer Conferenz gehören, inbezug auf Umgestaltung des LehrerbildungSwesenS auch von den israelitischen VolkSschullehrern getheilt werden, und daß in kleineren und größeren Lehrerversammlunaen angenommene diesbezügliche Beschlüsse bezw. Leitsätze auch von dem israelitischen Lehrer, soweit sie allgemeine Lehrgegenstände betreffen, unterschrieben werden können und müssen, hatte der Herr Referent seinen Ausführungen die von dem Hessischen Volksschullehrerverein vor einigen Jahren auf der Jahresversammlung zu Ziegenhain anginommenen Leitsätze zu Grunde gelegt und diese nur insoweit modificiert, als dies die eigenartigen Verhältnisse deS israelitischen LehrerstandeS erheischen. Die Versammlung lauschte dem interessanten Bortrage bis zum Schluffe mit gespannter Aufmerksamkeit; da die nachfolgenden Leitsätze ein klares und treues Bild deS VortrageS ergeben, kann auf dessen Inhaltsangabe Verzicht geleistet werden. In Vertretung des durch Krankheit am Besuche der Conferenz verhinderten Correferenten, Herrn Blach-Gudensberg, wurde das von demselben eingesandte Correferat von dem Unterzeichneten verlesen; dasselbe war in sehr schöner Sprache und edler Begeisterung für die in Frage stehende Angelegenheit ausgearbeitet, ergänzte in einigen Punkten die Ausführungen deS Referenten und vertrat in wieder anderen Punkten fz. B. bei Leitsätze 2) einen entgegengesetzten Standpunkt. Nachdem der Vorsitzende beiden Referenten für die gründliche erschöpfende Bearbeitung deS Themas seinen und der Versammlung Dank ausgesprochen und nachdem die unter dem Einflüsse der tropischen Hitze „müde und hungrig und durstig" gewordenen Conferenztheilnehmer sich durch eine viertelstündige Pause gestärkt und erholt hatten, wurde in die Debatte über die gehörten Vorschläge eingetreten, deren Lebhaftigkeit daS Interesse bezeugte, welches dem BerathungSgegenstande entgegengebracht wurde. Während die Leitsätze 1, 3, 5 u. 6 debattelos angenommen wurden, r'efen Nr. 2 und 4 einen die Frage klärenden, längeren Meinungsaustausch hervor, an dem sich die Herren Dr. Prager, Kares, Munk, Ehrenreich-Wehrda, Heiser-Neidenstein, Löwenstein-Fulda, Oppenheim-Barchfeld, Perlstein-Zwesten, Stahl-Falkenberg, Steinweg- Lasphe, Strauß-Gelnhausen und der Referent betheiligten. Das Ergebnis der Debatte war die unveränderte Annahme der von dem Referenten aufgestellten Leitsätze, nur bei Leitsatz 4 wurde der Wortlaut etwas geändert, sodaß dieselben folgendermaßen lauten: „1. Der erhöhten Bedeutung der Volksschule, den sich steigenden Anforderungen an die Volksschullehrer und der diesen gebührenden sozialen Stellung entsprechend, ist daS Lehrwesen zeitgemäßer zu gestalten. 2. Die private Vorbeitung für das Seminar ist zu verwerfen. Dagegen ist thunlichst bei jedem Seminar eine Präparanden-Anstalt zu errichten, die in dreijährigem Kursus das allgemeine Wissen etwa in dem Umsauge wie die siebenstufige Realschule zu vermitteln hat. Erstrebenswerth wäre allerdings die Vorbildung durch die Realschule. 3. Das-Sennnar soll vornehmlich Fachanstalt sein und in dreijährigem Kursus die Seminaristen in die Pädagogik und ihre Hilfswissenschaften Psychologie, Logik, Schulhygiene, Geschichte des Erziehungs- und Unterrichtswesens, Methodik u. s. w.) einsühren, durch den Unterricht in der Seminar- Uebungsschule praktisch tüchtig machen, für das Kultusamt ausreichend vorbilben und bei der Ergänzung des allgemeinen Wissens besonders die religiösen Wissenschaften und die Musik berücksichtigen. 4. Die Einführung der ExternatSerziehung ist anzustreben. Wo aus Zweckmäßigkeitsrücksichten die Beibehaltung des Internats sich empfiehlt, darf die Hausordnung nicht zu beengend wirken und muß den Zöglingen thunlichst Gelegenheit zum Verkehr in besseren Familien ermöglicht werden. 5. Die Zabl der jährlich in die Seminare Aufznnehmenden soll sich nach dem vorliegenden Bedürfnisse richten und die Auswahl unter den zur Aufnahme Angemeldelen soll mit besonderer Sorgfalt vorgenommen werden. 6. Als Seminarorte empfehlen sich größere Städte. Zu Seminarlehrern sind in der Volksschulpraxis wohlerfahrene Schulmänner zu berufen, welche eine sichere Gewähr für ihre wissenschaftliche Befähigung bieten." Es folgte nunmehr die Berathung der gestellten Anträge. Herr Schwarzschild-Schlüchtern begründete den von ihm in Gemeinschaft mit mehreren College» des Vorsteheramtsbezirks Hanau eingebrachten Antrag: „Der Ausschuß der israelitischen Lehrerkonferenz Hessens möge bei König!. Regierung dahin wirken, daß die Religionslehrer im Regierungsbezirk Cassel den israelitischen Volksschullehrern vollständig gleichgestellt werden." Obschon die ganze Versammlung den in Betracht kommenden Lehrern in Bezug auf Besoldung, Anstellung und Pensionirung Gleichstellung mit den Volksschullehrern gönnt, wurde ihnen dennoch von vielen Seiten die Aussichtslosigkeit des Antrages nachgewiesen und der Rath gegeben, an maßgebender Stelle die Umwandlung der Religionsschulen in Volksschulen zu veranlassen. Die Antragsteller beschränkten denn auch ihren Antrag darauf, daß für sie wenigstens eine gesetzliche Regelung ihrer Pensionsverhältnisse herbeigeführt würde. Auf Anregung des Herrn Dr. Munk wurde deshalb eine Commission gewählt, die aus den Ausschußmitgliedern und den Herren Schwarzschild-Schlüchtern, Löwenstein-Fulda und Strauß-Gelnhausen besteht, welche die Angelegenheit weiter betreiben soll. Ein Antrag des Herrn Amram: „Die israel. Lehrerkonferenz Hessens möge beschließen, daß die Jahresversammlung nicht mehr wie seither am ersten Montag im Juli, sondern Pfingsten stattfinde", wurde von der Versammlung abgelehnt. Als dritter Berathnngsgcgenstand stand, wie aus allen diesjährigen Versammlungen der israelitischen Lehrer Deutschlands, die Bildung eines Deutsch-Israelitischen Lehrer-Verbands auf der Tagesordnung. Namens des Ausschusses hatte Herr Cornelius-Rotenburg ein Referat über die angestrebte Vereinebildung ausgearbeitet, in welchem zwar das Zustandekommen eines alle israelitischen Lehrer Deutschlands umfassenden Lehrerbundes als wünschenswerlh und nutzbringend dargestellt, aber auch davor gewarnt wurde, eine solche Bereinigung zu sehr auszudehnen. In der sich an die Verlesung anschließenden Debatte wußte Herr Gutkind-Cassel in überzeugender Weise nachzuweisen, daß bei den in den einzelnen deutschen Provinzen und Ländern bestehenden verschiedenartigen Lehrerverhältnissen die Gründung eines D. I. L. L. kaum möglich sei, daß ein solcher Verein nicht von Bestand sein könne, und daß die Ziele des anzustrebenden Vereines auf andere, einfachere und billigere Weise erreicht werden könnten. Die Conferenz beauftragte daraufhin ihre zu der constituierenden Versammlung zu delegierenden fünf Ausschußmitglieder, zu der beabsichtigen Vereinsbildung eine abwartende Stellung einzunehmen und diese den Delegierten der Brüdervereine gegenüber zu begründen. Von den hieraus erstatteten Mittheilungen, bei denen die Verfügung Königs. Regierung betr. der Ferienordnung und das Dankschreiben des Schriftstellers Hause zur Vorlesung kamen, waren die des Unterzeichneten und des College« Ehrenreich-Wehrda von besonderem Interesse. Erstere betraf die von König!. Regierung beabsichtigte Regulirung der Gehälter der israel. Lehrer, die denen ihrer christlichen College« ganz und gar entsprechen sollen, welche Verfügung im Kreise Ziegenhain bereits durchgeführt sei und allmählich auf den ganzen Regierungsbezirk ausgedehnt werden solle. College Chrenreich führte die von Herrn Hauptlehrer Eschwege-Höchbcrg herausgegebenen „kolorierten Zahlenbilder für gemeine Brüche" vor und zeigte an einigen Rechenoperationen in anschaulicher Weise, wie dieses praktische Lehrmittel — das einschließlich Begleitwort für 3 Mk. vom Verfasser zu beziehen ist — in der Schule verwendet werden kann. Herr Gutkind machte u. A. eine auf die diesjährige Jubiläumsversammlung des „Hess. VolksschullehrervereinS" bezügliche Miltheilung. Als Ort der nächstjährigen Versammlung wurde Cassel

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