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Der Israelit · 1894-09-20 · Heft 75 (20.9.1894) · page 21

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 75 (20.9.1894)
Date
1894-09-20
Page
– (sequence 21)
Language
German
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dasL^ MW a ne nj" -OAA BrthodoLe MuderrthumÄ Alätter für die israekit. Schule. ^O.f^tl894] lNr. S. Die 26. Jahresversammlung der israelitischen Lehrerkonferenz Hessens fand am 2. Juli d. I. in Marburg statt. War dieselbe auch, hauptsächlich infolge des nicht besondeis günstig gelegenen Conferenzortes, nicht so zahlreich besucht, wie in manchen früheren Jahren — die Präsenzliste weist ungefähr 60 Theilnehmer auf — so hatte sie dennoch einen anregenden Charakter und nahm einen allgemein befriedigenden Verlauf. Di« selbe begann um 10 Uhr durch Absingung eines von Herrn Gutkind- Cassel geleiteten Chorales; aldann folgte die Eröffnungsrede des Vorsitzenden, Herrn Dr. Stein-Cassel. In schwungvoller Sprache versuche er die Frage zu beantworten, ob auf dem Gebiete der Erziehung und des Unterrichts ein konstanter Fortschritt nachzuweisen sei. Diese Frage müsse leider verneint werden, meint der Redner, da gerade in der Gegenwart eine geistige Unaufgeklärtheit und sittliche Verrohung herrsche, obzwar man von Lessing gelernt habe und bei Pestalozzi in die Schule gegangen sei. Im Gegensätze zu dem während Lessings und Schillers Zeiten die Literatur beherrschenden Idealismus suche die nach Realismus strebende Literatur der Neuzeit uns wieder in die alte Barbarei hineinzustürzen. Nichr minder sei dies in der neueren Pädgogik der Fall. Wenn man nicht an das Axiom derselben anknüpfe, daß der Mensch im Ebenbilde Gottes geschaffen worden und daß darum alle Menschen zur Kindschaft Gottes berufen find — dann sei auch d.m kunstvollen Systeme die Spitze abgebrochen, dann bestätige sich das Wort der Schrift: „Gott hat die Menschen einfach geschaffen, sie aber suchen viele Berechnungen." Wir wollen darum bei unseren Jahresversammlungen, in denen Wir gleichsam den Puls der Zeit zu fühlen bestrebt sind, gegen jeden guten Fortschritt nicht taub, aber auch gegen jeden Rückschritt nicht unempfindlich sein. Wir wollen für die israelitische Schule freudig annehmen, wa8 die Zeit an wahrhaft ErstrebenSwerthem geboren hat; wir wollen jedoch zurückweisen, was wir nicht allein als einen Schaden für uns selbst, sondern für die geistige und sittliche Entwickelung der ganzen Menschheit ansehen müssen. Mit dem Wunsche, daß das zweite Vierteljahrhundert unserer Jahresversammlungen „an Kämpfen leicht, an Siegen reich, an Rückschritten gering, an Fortschritten groß" sein möge, schloß die gedankenreiche Eröffnungsrede. Sodann begrüßte der Vorsitzende die erschienenen Conferenzmitglieder und Gäste mit warmen Worten. Als Gäste hatten die Versammlung beehrt die Herren Landrabbiner Dr. Prager-Caffel, die Provinzialrabbiner Dr. Munk-Marburg und Dr. Koref- Hanau, Rabbiner Dr. Horovitz-Fankfurt a. M., Herr Provinzial« Vorsteher Eichelberg, die Herren Gemeindeältesten Strauß und Roseubusch-Marburg, Herr Justizrat Hirsch-Cassel, im Namen des Ausschusses des „Hessischen LehrervereinS" Herr Lehrer Brede-Eaffel, Herr Gmynasiallehrer Dr. Vogt-Marburg und einige Lehrer aus den angrenzenden LandeStheilen. Die Herren Proviiijialrabbiner Dr. Cahn-Fulda, Hauptlehrer Andorn-Crefeld sowie mehrere Collegen hatten ihr Fernbleiben, das bei Bielen leider durch Krankheit begründet war, entschuldigen lassen. Herr Dr. Munk hieß die Versammlung namens der Synagogengemeinde Marburg herzlich willkommen. Nachdem der Vorsitzende dem Herrn Redner für seine herzliche Begrüßung gedankt und mitgetheilt hatte, daß der D. I. G. B. zu den Kosten der Versammlung einen Zuschuß von 150 M. bewilligt habe, wurde das Bureau gebildet, indem Herr Gutkind zum stellvertretenden Vorsitzenden und der Unterzeichnete zum Schriftführer ernannt wurde. — Der nunmehr durch den Vorsitzenden zur Verlesung gelangende Jahresbericht deS Ausschusses enthielt die Mitiheilung von der bei Königl. Regierung nachgesuchten und auch erwirkten Abänderung der Ferienordnung (so daß jetzt die Sommerferien anstatt 14 Tage 3 Wochen dauern, und die seitherigen Chanukahferien in die Weihnachtszeit verlegt sind), von der Beglückwünschung des RealschuldirektvrS Dr. Bärwald- Frankfurt a. M. zu feinem 25jährigen Direktorjubiläum, von der Zusendung von Adressen an den Schriftsteller Haufe-Eisenach bei der Feier seines 80. Geburtstages und an den Lehrer Lion-Frielendorf bei seinem Eintritte in den Ruhestand. Worte wehmülhiger Erinnerung und dankbarer Anerkennung widmete der Jahresbericht dem wenige Tage vor der Conferenz plötzlich verstorbenen Collegen BrandeS-Witzenhaufen und dem langjährigen Vorsitzenden der Achawa, dem warmen Lehrerfreund Ad. Teblee-Frankfurt a. M. Nachdem nun noch Herrn Gutkind im Anschlüsse an den von ihnr vorgetragenen Kassenbericht Entlastung ertheilt worden war, trat man in die eigentliche Tagesordnung ein, indem Herr College Amram-Borken das Wort zu seinem Vortrage: „Die Vorbildung der israelitischen

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