Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 75 (20.9.1894)
- Date
- 1894-09-20
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2448412-2448481--39321-2487467- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1403 -VÄ3 Aeirilleto». E Der Schadchen. Von H. Berger. (Alle Rechte Vorbehalten.) Nach einer kurzen Zeit machte sich Feiwel auf, um „in Geschäften" auszugehen. Man sah es seinem Rocke nicht an, daß er ihm schon dreißig Jahre diente. Er war sauber und hätte, wenn der veraltete Schnitt ihn nicht verrathen hätte, fast noch für neu gelten können. Würdevoll wie eine Respectsperson schritt Feiwel durch die Straßen, hie und da. wenn er einem Bekannten begegnete, einige Worte mit demselben wechselnd. Der Vorsteher erwartete Feiwel schon und hieß ihn freundlich willkommen. Feiwel mußte mit in sein Privatcomptoir gehen und sich neben ihn auf das Sopha setzen. Er erkundigte sich nach dem Befinden des alten Mannes, fragte nach seiner Tochter und brachte endlich das Gespräch auf den Gegenstand, der ihn veranlaßt hatte, Feiwel rufen zu lassen. „Wie ich höre," sagte er, „beschäftigen Sie sich auch mit Vermittelung von Hetrathsparthien und Sie sollen, wie man mir sagt, ein gewissenhafter Schadchen sein." „Ja, leider. Meine Gewissenhaftigkeit vereitelt mir manches Geschäft." „Wieso? Ich dächte, gerade in diesem Geschäfte käme es auf die größte Reellität am meisten an." „Wie man es nehmen will. Die heutige Zeit ist nicht darnach einem reellen Mann das Leben leicht zu machen. Die Welt ist auf Schwindel aus und will beschwindelt sein, und weil ich da nicht mitthue, geht mein Geschäft nicht so, wie es gehen könnte." „Welche Partien haben Sie denn schon zu Stande gebracht?" fragte der Vorsteher harmlos. Feiwel sah den Frager erstaunt an, dann sagte er: „Seid mirs mochel, wenn ich Euch auf diese Kaschje die Teschuwoh schuldig bleibe. Es sind die einzigen Schulden, die ich mache, denn ich kann die Discretion nicht brechen." „Pardon, ich habe nicht daran gedacht und es liegt mir fern, von Ihnen die Geheimnisse Anderer zu erfahren. Ich will von meinen Sachen mit Ihnen reden. Sie wissen, daß mein Sohn Albert jetzt in dem Alter ist, um heirathen zu können." „Soll Haschem jisborach ihn gesund lassen, daß Ihr noch viele Stmches an ihm erlebt. Ich weiß auch ein für ihn paffendes Mädchen." „So? Nun, macht Eure Vorschläge." Was beansprucht er?" „Ein hübsches, gesundes, gebildetes, tüchtiges, frommes Mädchen aus feiner Familie guten Characters. —" „Ist alles selbstredend. Aber die Hauptsache. Wie viel Vermögen beansprucht Ihr Albert?" „Was ich Ihnen gesagt habe, das beansprucht er.MDas Vermögen ist Nebensache, denn er hat es Gottlob nicht nöthig darauf zu sehen. Wenn ihm ein Mädchen gefällt und es hat die Eigenschaften, die ich Ihnen genannt habe, so darf es auch arm sein; ich habe nichts gegen ein solches aus guter Familie stammendes Mädchen einzuwenden." „Das ist ein goldenes Wort; aber, zu meiner Schande muß ich es gestehen, ich weiß kein armes Mädchen, denn an den guten Eigenschaften kann ich nichts verdienen, von ihnen kann man nicht leben und es wird nichts schaden, wenn die Schwiegertochter ihre sechzigtausend Mark mit in die Ehe bringt." „Eure Chochmoh in Ehren, diesesmal seid Ihr Euch tauoh; mein Sohn will keine Mitgift. —„ Feiwel starrte den Vorsteher verständnislos an. War der Mann meschuggo? Das wonach die ganze Welt bei einer Heirath im Allgemeinen zuerst fragt, das Vermögen, die Mitgift der Frau, danach fragte er gar nicht, im Gegentheil, darauf verzichtete er — ein solcher Fall war Feiwel noch nicht vorgekommen und er setzte ernstlich Zweifel an die Zurechnungsfähigkeit des Vorstehers. Er versuchte, ihm zu beweisen, daß ein schönes Vermögen doch eine schöne Sache sei und vermaß sich hoch und teuer, es nicht verantworten zu können, wenn der Vorsteher und sein Sohn um ein solches Vermögen betrogen würden, denn es wäre eine Aweroh an sich selbst, wenn er sich um so viel Geld bringen würde. Vergebens waren die Vorstellungen Feiwels; der Vorsteher blieb dabet, daß nur ein armes Mädchen seine Schwiegertochter werden könne und gab Feiwel den Auftrag, ihm ein solches zu nennen, eventuell sich nach einem solchen umzuseben. „Momentan weiß ich keines," sagte Feiwel ganz niedergeschlagen, da ihm eine solche Thorheit noch nicht vorgekommen war, „und ich glaube auch schwerlich, daß ich ein paffendes Mädchen finden werde. Ich müßte schon deshalb Reisen unternehmen. —" „Ach was, reisen! Wie sagt doch der Dichter: Warum in die Ferne schweifen, steh, das Gute ist so nah!" Feiwel sah den Vorsteher erstaunt an. Er verstand offenbar nicht, was derselbe meinte und war zu bescheiden nochmals zu fragen, jj!.Jn Her .nächsten Zeit sah man Feiwel ganz