Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1894-09-20 · Heft 75 (20.9.1894) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 75 (20.9.1894)
Date
1894-09-20
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
99% known words query
IRI
…/2446951-2448412-2448481--39322-2487468
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1404 gegen seine sonstige Gewohnheit viel in den Häusern armer, mit heirathsfähigen Töchtern gesegneter Leute verkehren. Er war auf der Suche nach einem Mädchen, wie es sich der Vorsteher als Schwiegertochter wünschte, und er war ärgerlich, daß es so schwer war, ein geeignetes Mädchen zu finden. Während so Feiwel den Auftrag des Vorstehers zu erfüllen suchte und dadurch täglich einige Stunden vom Hause wegblieb, benutzte Albert, der Sohn des Vorstehers diese Zeit, um Selma, deren Schönheit ihm aufgefallen war, näher kennen zu lernen. Er kam jeden Tag, wenn er den Vater fern wußte, mit irgend einer Ausrede in Begleitung seines Kommis Samuel zu der Tochter, unterhielt sich eine zeitlang mit ihr und gewann sie immer lieber. Auch Selma fand Gefallen an dem jungen Mann uud sah es gerne, wenn er kam, obschon eS ihr unangenehm war, daß er jedesmal in der Abwesenheit des Vaters erschien. Der Vorsteher, der um die Besuche seines Sohncs wußte und seine Wahl billigte, ließ nach einiger Zeit Feiwel wieder zu sich kommen und fragte ihn, wie es mit dem ihm gewordenen Aufträge sei. Feiwel kratzte sich am Kopfe und sagte: „Ich will lieber ein Mädchen mit viel Geld finden, das Euch paßt, als ein solches wie Ihr es wünscht. Ihr müßt schon selbst sehen —" „Ach was, Feiwel, Ihr seid kein rechter Schadchen! Ihr versteht Euer Geschäft schlecht." „Ihr möget Recht haben, aber ich habe auch noch so keinen Auftrag gehabt, wie Ihr mir einen gegeben habt." Feiwel machte ein so unsäglich trauriges komisches Gesicht, daß der Vorsteher laut auflachte. Er hätte so gerne gehabt, daß Feiwel einmal seine eigene Tochter erwähnt hätte, um von derselben sprechen zu können, aber dieser wich jeder Anspielung beharrlich aus und es schien, alb ob er geflissentlich jedes Gespräch über dieselbe meide. „A propos", sagte endlich der Vorsteher, „habt Ihr denn nicht eine heiratsfähige Tochter?" „Eine Tochter habe ich wohl, aber sie darf noch nicht heirathen." „Und warum nicht?" „Weil der Rechte noch nicht gekommen ist." „Ist sie hübsch?" „Das weiß ich nicht. Aber ansehnlich, fromm, tüchtig, bescheiden, kurz sie ist ein so gutes Kind, daß es mir mal schwer fallen wird, mich von ihr zu trennen." „Nun, so verheirathet sie am Platze." „Ihr habt gut reden. Meine Tochter ist arm und arme Mädchen finden nicht leicht einen passenden Mann." „Wir suchen ja für meinen Albert ein solches Mädchen! Sehen Sie, jetzt haben wir eines in allernächster Nähe gefunden." „Uzt Euch nicht mit mir; Euer Albert sucht was anderes, wie meine Selma." — „Würdet Ihr sie ihm denn zur Frau geben?" „Das muß ich mir erst überlegen. Ich muß mit meiner Tochter selbst darüber reden, wenn Eure Frage kein Uz ist." „Wie könnte ich über solche Dinge Scherz machen?" „Ist es wirklich Euer Ernst?" „Habt Ihr mich schon mit solchen Dingen scherzen hören? Würdet Ihr, wenn Eure Tochter meinem Sohne gefallen würde, sie demselben zur Frau geben?" Feiwel befand sich in einem furchtbaren Dilemma, da der Vorsteher auf eine bestimmte, unzweideutige Antwort drängte. Auf der einen Seite das große Glück, welches seine Tochter aller Voraussicht nach durch die Heirath des Sohnes machen würde, auf der anderen Seite der Verlust, den er erleiden würde, wenn Selma von ihm ginge und den er so hoch anschlug, daß er, wie der geschätzte Leser erfahren hat, in seinen Augen nur mit einer Krone ausgewogen werden konnte. Feiwel wandte sich hin und her. Endlich sagte er: „Ich will mir's überlegen, will mit Selma sprechen und Euch Antwort bringen." „Es ist recht so, aber laßt mich nicht zu lange warten." (Fortsetzung folgt.) Anzeigen. 'ü Für den folgenden Theil ist die Rcdaction nicht verantwortlich. 8.^Ü.I.v!VkHIIllKl..8i1d6rwLLi'6n. >7b> Frankfurt a. M., Zeil 25, Israel. Cultusgegenstände.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.