Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 75 (20.9.1894)
- Date
- 1894-09-20
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXXV. Jahrgang. Erste Beilage zu M 75 des „Israelit". Zeitrmgsrrachrichterr und Correspoudenzeu. Deutschland. Berlin, 10. September. Gestern Mittag ist der brühmte Aegyptologe, Legationsrath Professor Heinrich Brugsch-Pascha einem Herzleiden erlegen. Mit ihm hat die Aegyptologie ihren bedeutendsten Vertreter verloren. Er stand im 68. Lebensjahre. Neben Lepstus gebührt Brugsch-Pascha der Ruhm von deutschen Gelehrten am meisten für die weitere Erforschung der bildlichen und sprachlichen Denkmäler Egyptens, für Geschichte und Philologie gethan zu haben. Durch seine Forschungen haben viele biblische Angaben über ägyptische Verhältnisse die richtige Erklärung und Bestätigung gefunden. Der weltberühmte Naturforscher Helmholtz ist am 8. d. M. zu Berlin im Alter von 73 Jahren verschieden. Das vor mehr als einem Jahrzehnt erschienene Manifest der Notablen Berlins, welches gegen die antisemitische Bewegung gerichtet war, trug auch seinen Namen. In Halle hat sich eine orthodoxe Zweiggemeinde mit separatem Gottesdienst gebildet. Als Motive werden die zu weit gehenden Reformen des Rabbiners Dr. Feßler angegeben. Aus Bayer«, 11. Sept. Jüngst wurde aus Traunstein gemeldet, daß in einem dortigen Haute eine heimlich gelegte, mit Sprengpulver gefüllte Blechröhre explodirt sei. Die Zeitungen legten die That natürlich Anarchisten zur Last. Nun stellt sich aber heraus, daß die Thäter Antisemiten waren. Der Hausbesitzer sollte abgehalten werden, einem israelitischen Kaufmann einen Laden einzuräumen. Vor dem Attentat hatte der Hausbesitzer Drohbriefe erhalten. Usch. (Bromberg) Wieder um eine schöne Hoffnung und auch um eine schöne Summe Geldes sehen sich diejenigen Kultusbeamten ärmer, welche der in der pädagogischen Beilage der Nr. 41 dieses Blattes enthaltenen Warnung, sich nicht der Neugründung des Vereins „Ahwas Achim brüderliche Vereinigung israelitischer Kultusbeamten" anzuschließen, nicht haben Gehör schenken wollen. Nun fangen auch andere Blätter abzurathen an. So schreibt eines der Berliner jüdischen Blätter: „Von mehreren Seiten aufgefordert, über diese brüderliche Vereinigung israelitischer Kultusbeamtcn Auskunft zu geben, sehen wir uns veranlaßt, den Betroffenen mitzutheilen, daß das ganze Projekt sich als eine arge Mystifikation erweist, die sich ein einzelner Unberufener mit wackeren, stets hilfsbereiten Kultusbeamten erlaubt hat. Man erlaffe uns alle Darlegungen; nur ein Punkt sei besonders hervorgehoben: der Mann welcher sich als „Leiter" des Vereins aufspielt, ist — wie uns von glaubwürdiger Seite versichert wird — nicht berechtigt, diesen Titel zu führen, da er von der General-Versammlung in Breslau gar nicht zum Vorsitzenden gewählt ist. Er hat eigenmächtig das Scepter an sich gerissen, und seine Souveränität wie ein Roeder ätz drontztz stabiliert: — Aemter verteilt, Versammlungen einberufen, Beiträge erhoben nach seinem eigenen Gutdünken. Es fehlen uns die passenden Worte, um dieses unerhörte Gebühren nach Verdienst zu zeichnen; wir wollen daher den „Hineingrsallenen" nur noch rathen, sich die geleisteten Beiträge zurückzahlen zu lassen und den in Magdeburg ausgetüftelten Vereinsgedanken zu den übrigen zu legen. Rsvaed jaamod mimokom acher". Wir durchschauten s. Z. sofort die edle Absicht, als das, als was sie sich immer mehr herausgestellt, wollten jedoch in Rücksicht darauf, daß der „Leiter" des Vereins sich im Amte befindet, mit möglichster Schonung Vorgehen. — Jedenfalls dürfte der neue wiederholte Fall (der ähnliche Verein miy man stellte plötzlich seine Zahlungen ein) die be» dauernswerthen Geschädigten endlich belehrt haben, sich in Zukunft nur dann solch einer Gründung anzuschließen, wenn die Persönlichkeiten der Leitung für eine solide Basis des Unternehmens Gewähr bieten. G. Hopp. Wreschen, 17. September. Aus Anlaß der Abschiedspredigt deS nach fast elfjähriger Wirksamkeit aus unserer Gemeinde scheidenden Rabbiners Herrn Dr. Cohn war am Sonnabende, 15 d. M. unsere Synagoge bis auf den letzten Platz gefüllt. Die in der Form wie im Inhalte gleich meisterhafte, von feuriger Begeisterung durchglühte Rede übte auf alle Hörer einen mächtigen Eindruck. Zu Ehren des Scheidenden fand gestern im Rauer'schen Saale ein Festeffen statt, welches vom Vorstande und einigen Mitgliedern der Gemeinde angeregt war. An demselben nahmen viele Freunde und Gönner des von hier scheidenden Rabbiners sowie auch Herr Rabbiner Dr. Jaeobsohn-Gnesen theil. In warmen Worten gedachte Herr Vorsteher Jaffe des großen Interesses, welches Herr Dr. Cohn für seine Gemeinde stets bekundet. Hierauf folgten noch mehrere Ansprachen, in welchen die verdienstvolle Thätigkeit um die Hebung des Gottesdienstes , der unermüdliche treue Pflichteifer in der Religionsschule, sowie die allzeit liebenswürdige und herzliche Antheilnahme des Scheidenden an der Gemeinde Leid und Freude geschildert