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Der Israelit · 1894-09-20 · Heft 75 (20.9.1894) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 75 (20.9.1894)
Date
1894-09-20
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1400 große Glück dadurch erkaufen kann, Esther, daß Du mich liebst." Und er näherte sich ihr wieder und schlang seine Arme um sie und umfaßte sie heiß, und zog sie an sich, ganz nahe, ganz dicht heran und sie schaute in seine erglühenden Augen, und sie sah, wie seine Brust sich hob und senkte und sie fühlte den heißen Odem seines Mundes. Da war es um sie geschehen, und ehe sie selbst wußte, was geschah, ohne daß sie ahnte, was sie that, da hing sie schon an seinem Halse und er bedeckte sie mit Küssen. „Mein Weib, mein Lieb, mein Leben," rief er einüber das andere Mal, Sie aber dachte nichts mehr in diesem Augenblick, sie war ganz aufgegangen in dem gewaltigen unwiderstehlichen Gefühl, das über sie gekommen war. Sie hatte vergessen, daß es der König war, an deffen Hals sie hing und sie flüsterte nur leise: „O Du herrlicher Mannt Herzinnig liebe ich Dich!" Vergessen war der Unterschied des Ranges zwischen dem König und dem Mädchen, das einem so niedrigen Stande angehörte, vergessen der Unterschied zwischen dem christlichen Herrscher und der sonst so gesetzestreuen Jüdin, vergessen was sonst des Menschen Handeln zu bestimmen vermag in diesem einen großen Augenblick der erwachenden Liebe. Nur Mensch und Mensch, nur Mann und Weib lagen sie sich in den Armen. Die Welt um sie her war versunken, sie empfanden nichts anderes, als das Wonnegefühl ihrer berauschenden Liebe. Als ob sie hoch auf einem Berge stünden, und die ganze Welt unter ihnen bedeckt wäre mit einem dichten Wolkenschleter, und nichts sie umgäbe, als das azurne Blau des Himmels und die reine, frische, unentweihte Luft, so standen sie da, entrückt diesem Dasein. Die Welt aber lebt und wirkt und verlangt, was ihr gebührt. — Die andern großen Güter der Seele, die dem Menschen geworden sind, können aus einen Augenblick verschwinden in dem unendlichen Glück der reinen lohenden Liebe, von dem das Menschenherz, so gut es sein mag. wird fortgerissen, von dem Alles überfluthenden Strom der Leidenschaft. Sind wir doch ja alle Menschen, alle Sclaven unserer Triebe und unserer Empfindungen, und es pflegen nicht die Schlechtesten zu sein, die sich fort* reißen lassen von einer großen, edlen, Alles andere erdrückenden Leidenschaft. Erst später, wenn die thurmhohen Wogen des Gemüthes sich geglättet, wenn der gewaltige Sturm vorüber, der Alles in ein einziges Chaos verwirrt und vereint zu einer einzigen gewaltigen Macht, erst wenn dieserMlles erschütternde Sturm vorüber, dann kommt die Vernunft mit sanft mahnender Stimme wieder und fragt, „was hast Du gethan? Und wie wirst Du bestehen können vor dem ewigen Richter im Himmel, der alle Thaten wägt, und jedeWchuldIrichtet? „Wie konntest Du Dich selbst vergessen in diesem Augenblicke, wie konntest Du zu Schanden machen Alles, was Du sonst heilig hieltest, was Dir sonst unentweihbar war!" Und dann spricht wohl das schwache Menschenherz und spricht leise und zerknirscht: „Vater, ich habe gesündigt, Vater vergib mir!" (Fortsetzung folgt.) Der „I t v a 11 i erscheint wöchentlich zwei««!. Montag- und Donnerstags, jedermal in mindestens zwei Bogen Preis de» Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich Ist ReichS-Mark, für'S Ausland IS Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig »der vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. —> Durch den Duchhündri M bestehe« bei G. /. -Irtvuckrr. LrtpstS, Roßplatz 10. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene P:titzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut EourS. — Direete Franeozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland uud Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für'- Ausland IS Reichs-Mark, an die Expedition franco etnzusenden. Eine fHWfettbamg »»« «« die Redaktion eingesandte« Manuscripteu findet nicht statt, «an bittet deshalb sich von allen Einsendungen eine Eopie znriickznbe halte«. Inhalt (Hansttblatt): Leitender Artikel: Die religiösen Zustände in Baden und Württemberg. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Aus der Provinz Posen. Randegg in Baden. Aus dem badischen Oberlande. JtterSweiler. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Pest. — Vermischtes. — Feuilleton: Esterka, Königin von Polen. Historische Erzählung von Hugo Freund (Fortsetzung). Inhalt der ersten Beilage: Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Halle. Aus Bayern. Usch. Wreschen. Straßburg. — Vermischtes. — Feuilleton: Der Schadchen. Von H. Berger (Fortsetzung). Inhalt der zweiten Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen.- Deutschland: Frankfurt a. M. Plauen. — Palästina: Jerusalem. — Persien: Merw. Inhalt der Pädagogische« Beilage: Die 26. Jahresversammlung der isr. Lehrerkonferenz Hessens. — Der deutsche Reichsverband jüd. Religionslehrer. — Aus Stadt und Land: Berlin. Neustadt. Inhalt der Extra-Beilage: Spenden-Derzeichnisse. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbnchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu vier Beilagen.

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