Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 75 (20.9.1894)
- Date
- 1894-09-20
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1398 der Geschenkgeber sollen in erster Reihe verschämte Arme unterstützt und vorzugsweise Beihilfen gewährt werden zur Aushilfe oder Begründung wirthschaftlicher Existenz, zur Aussteuer bei der Verheiratung, zu ärztlicher Kur oder zur Ausbildung hervorragend Begabter in Kunst und Wisseuschafr. IZeiche« der Zeit Z Das Leipziger BuchhändlerBörsenblatt veröffentlicht in seinen Nummern vom 15. und 18. August, sowie vom 1. September folgende drei Anzeigen: 15. August 1894: „Die sich mehrende Verunstaltung meines Namens, die auch Unzuträglichkeiten in der Briefrc. Befördecug zur Folge hat, Zwingt mich zu der Erklärung, daß ich als geborener Schleswig-Holsteiner und einer alten lutherischen Pastorenfamilie e tstammend, nicht Jacobsohn oder Jacobson, sondern Jacobsen heiße, was ich bei Zuschriften rc. zu beachten bitte. Leipzig, August 1891. Carl Jacobsen." 18. August: „Die Verunstaltung von Namen und Firmen, die im Buchhändlerverkehr leider häufig vorkommt und mir schon öfters Grund zu privaten Auseinandersetzungen verschiedener Art geben mußte, veranlaßt mich (Herrn C. Jacobsen in Leipzig folgend) mitzutheilen, daß ich weder Conitzer noch Konitzer heiße, sondern daß ich einer altthüringer evangelischlutherischen Familie entstamme und Koenitzer heiße. Frankfurt a. M., Carl W. Koenitzer." 1. September: „Auch eine Erklärung! Die sich mehrende Verunstaltung meines Namens, die auch Unzuträglichkeiten in der Briefrc. Beförderung zur Folge hat, zwingt mich zu der Erklärung, daß ich nicht Kronbach, Crohnbach, Krombach oder Cronberg, sondern Cronbach heiße und meine Vorfahren Juden waren, die in D. Crone domizilirten, daß aber mein Vater, nachdem er in den Freiheitskriegen 1813—15 das eis. Kreuz und den russ. St. Georgsorden vor der Front erhalten hatte, trotz seiner jüdischen Abstammung kgl. pr. Beamter wurde und als solcher starb. Berlin Siegfr. Cronbach." Aus Ungarn wird folgende traurige Geschichte berichtet: Der Lehrer der jüdischen Gemeindeschule zu O-Liszka' Armin Stern, vermochte mit seinem von der Gemeinde bezogenen kärglichen Gehalte nur kümmerlich sein Dasein zu fristen. UeberdieS war der 60 jährige Mann seitens der Gemeinde vielen Chikanen ausgesetzt. Seit Jahr und Tag war man dort bemüht, Mittel und Wege zu finden, den alten Lehrer loS zu werden. Der Schulinspektor schützte aber den Bedauernswerthen gegen die Angriffe der Gemeinde. In Folge deffen nahm die hartnäckige Gemeinde zu einem drastischen Mittel ihre Zuflucht. Die Eltern schickten ihre Kinder nicht in die Schule, um auf diese Weise die Wirksamkeit des Lehrers unmöglich zu machen. Dieser nahm sich dies so sehr zu Herzen, datz in ihm der schreckliche Plan reifte, dem Kampfe mit seiner Gemeinde ein Ende zu machen und einen Selbstmord zu verüben. Er warf sich in der Nähe von O-Liszka vor die Lokomotive des heranbrausenden Zuges. Der Lokomotivführer bemerkte dies aber rechtzeitig und brachte den Zug zum Stehen, wodurch Stern gerettet wurde. Hierauf wandte sich der.Unglückeiche an einen Kollegen, der für ihn vor Allem beim israelitischen LandeS- Lehrerverein eine Geldunterstützung erwirkte und legte ihm dann ans Herz, dem Rathe des Schulinspektors Folge zu leisten und um seine Penstonirung anzusuchen. Da er aber nur eine Pension von 200 fl. zu erwarten hatte, konnte er sich mit dem Gedanken der Penstonirung nicht befreunden. Die einzige Hoffnung des bedauernswerthen Alten war zuletzt die Voraussetzung, es werde ihm vielleicht doch gelingen, seine Gemeinde umzustimmen. Als auch diese Hoffnung zunichte wurde — in einer Gemeindesttzung wurde beschlossen, behufs Entfernung, refp. Penstonirung des Lehrers sich direkt an den Kultusminister zu wenden — begann der vielgekränkte Lehrer bitterlich zu weinen. Es bemächtigte sich seiner eine tiefe Melancholie. Er stürzte sich in die Bodrog und fand seinen Tod in den Wellen. Heu ton. Esterka. Königin von Föten. Historische Erzählung von Hugo Freund. 31.) (Nachdruck verboten.) Sie wollte dem König sagen, daß sie ihn nicht ltebe! Obgleich ste ganz allein war in dem Gemache und Niemand anwesend, vor dem ste sich hätte schämen müssen, so erröthete sie dennoch bei diesem Gedanken. Wie sollte dieses Wort über ihre Lippen kommen, da es zu denken sich schon ihr Herz weigerte. War es denn wahr, was sie ihm sagen wollte, liebte sie ihn denn wirklich nicht? O, ste verehrte ihn, gewiß, ste sah zu ihm empor, wie man zu einem großen, unbegreiflichen, hoch über den Menschen stehenden Wesen emporsieht, aber Liebe war das nicht, nein, sie konnte es ihm sagen, ja, sie wollte ihn fußfällig bitten, sie ziehen zu laffen. Sie wollte ihm auf den Knieen danken, für all die großen Wohlihaten, die er ihr und ihrem Volke erwiesen, und dann wollte sie von hinnen gehen. Weit, weit weg von hier; je weiter desto beffer, in ein anderes, fremdes, unbekanntes Land. Doch, warum denn fort gehen in eine so weite Ferne, was war es. was sie von hinnen trieb aus dieser Stadt, aus diesem Lande? Hier in Polen hatten es die Juden so gut, wie nirgends sonst auf der Erde, warum wollte sie nicht dableiben, wo man sie gerne sah und warum das Elend der fremden Länder kosten? Nein, nein, nur nicht hier bleiben, nicht bleiben in der Nähe Kastmir's! Warum nur? Fürchtete sie sich vor ihm, wollte ste ihm nicht mehr begegnen? Ja, das war es, das mußte es sein! Aber, warum fürchtete ste sich? Und plötzlich begann sie zu weinen, schwer und bitterlich. Der Gedanke war mit gewaltiger Wucht über sie gekommen, daß ste fort ziehen müsse, und da wurde es ihr so weh und schmerzlich um's Herz. O, einmal mußte ste ihn noch sehen, einmal würde sie noch seines Blickes theilhafttg werden, ehe ste von dannen ging, und dann möge kommen, was da wolle! Ste aber mußte handeln, wie die klare Einsicht über die Dinge es ihr vorschricb. Ste mußte fort, fort von hier, und wenn sie darüber zu Grunde gehen sollte. Und plötzlich unterbrach sie sich in ihren Gedanken? Ste konnte nicht mehr fühlen, ste konnte nicht