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Der Israelit · 1894-09-20 · Heft 75 (20.9.1894) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 75 (20.9.1894)
Date
1894-09-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1397 Heute sind fast sämmtliche Mitglieder der Gemeinde zu mmpn «»min zurückgekehrt und keinem derselben fällt es mehr ein, eine der obengenannten Vorschriften zu übertreten. Freilich, nur ein ernster Wille und thatkräftiges Wirken können derartige Erfolge erzielen! — Wie mußte ich aber erst staunen, als sich am Abend die ganze Jugend und viele Erwachsene zu rm y"tto uvH einfanden, wie Jung und Alt die Worte aus dem Munde ihres allverehrten Lehrers, des Herrn Dr. Ehrmann »«förmlich aufsogen, wie jede Frage aus dem Munde der Kleinen und Großen eine freundliche Antwort fand! Nach beendetem nyn? verrichteten alle in innigster Andacht ihr v'iyv-Gebet, wobei einer der jüngeren Generation mit Verständniß und Gefühl vorbetete. Doch schreibe ich diese Zeilen nicht, um den Ruhm dieser Gemeinde, von Hirt und Herde, zu verbreiten, da solches denselben bei ihrer Bescheidenheit gar nicht erwünscht wäre, sondern vielmehr in der Absicht, daß bei den kommenden, ernsten Tagen des Mn, in der Zeit der o»m« ond», sich auch an anderen Orten Lehrer und Gemeinden zurufen möchten: »nni «n „Ich gehöre meinem Freunde, und mein Freund gehört mir." Wir wollen uns gegenseitig unterstützen, um unseren Kindern zu sagen: 'n rwT lyor cm M „Kommt, l. Kinder, hört mir zu, Gottesfurcht möchte ich Euch lehren," damit sich Gotteserkenntniß und Gottesglaube mehr und mehr verbreiten, viv Jttersweiler, 1. Sept. Gestern Nachmittag wurde die hiesige Synagoge von Herrn Rabbiner Dr. Staripolskt aus Oberehnhetm neu etngeweiht. An der Feierlichkeit betheiligten sich die Spitzen der Behörden. Auch Herr Kreisdirektor Pöhlmann aus Schlettstadt hatte sein Erscheinen zugesagt, wurde jedoch im letzten Augenblick daran gehindert. Die Festlichkeiten verliefen durchaus imposant und korrekt. Die Renovation ist seit Ostern im Gange und kostet nahe an 10,000 Mark, wozu die Regierung 2500 Mark beigesteuert hat. Der Rest wurde von der israelitischen Gemeinde aufgebracht. Nach dem Wethegebet und der Anrede des Rabbiners folgte das Gebet für Se. Majestät und das kaiserliche HauS, worauf die Nationalhymne angestimmt wurde. Hiermit schloß die erhebende Feierlichkeit. Die Einweihungsfeier war zugleich der erste Besuch, den der Herr Rabbiner dieser Gemeinde seines weitausgedehnten Rabbinatsbezirkes abstattete. Der Empfang gestaltete sich daher ebenso herzlich wie feierlich. Der Herr Bürgermeister ließ es sich nicht nehmen den Herrn Rabbiner persönlich vom Bahnhofe in seinem eignen Wagen abzuholen, was wohl der beste Beweis sein dürfte von dem confesstonellen Frieden, welcher unter den verschiedenen Religionen herrscht. Bei seinem Eintreffen in dem Orte zog ihm die Schule mit Musik, dem Lehrer an der Spitze entgegen und ein kleines Mädchen überreichte dem Herrn Rabbiner mit einer entsprechenden Anrede einen Blumenstrauß, worauf der Herr Rabbiner erwiederte, daß ihm der Willkommengruß aus dem Munde eines Kindes besondere Freude mache, da doch w NNO' D»pjn MM ’bo. In seiner Einweihungsrede entwickelte der Rabbiner anknüpfend an die Worte des Propheten »in bei Einweihung des zweiten Tempels )m nn oipoai •di oiM den Gedanken, daß die Synagoge nichts anders sein und bewirken will als den Frieden, den Frieden mit der ganzen Welt im Kreise der Menschenliebe. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Pest, 17. Sept. Aufsehen erregte der Umstand, daß die Deputation der Israeliten diesmal zum ersten Male in einer Reihe mit den christlichen Konfessionen vom König empfangen wurde. Das wird als die Folge des votirten Rezepttonsgesetzes betrachtet. Besonders huldvoll war die Antwort des Königs an die Juden. Der Herrscher sagte wörtlich: „Meinen Völkern gegenüber bildet ein Konfesstonsunterschied keine Scheidewand in meinem Herzen." — Ich hatte heute Abend eine Unterredung mit dem Minister des Innern Hieronymi, der über den Empfang der Deputation der Judengemeinde dezidirt und mir erklärt, daß der Empfang der Juden mit den übrigen Kofessionen aus der spontanen Entschließung des Königs erfolgte, ohne daß vorherige Vorverhandlungen zwischen der Regierung und den Hofämtern notwendig gewesen wären. (Fr. Zt.) Pest, 17. September. Die Antwort des Königs auf die Ansprache der jüdischen Deputation, daß die Konfession in seinem Herzen keine Schranken bilde zwischen den Völkern seines Reiches, erregt hier um so größere Befriedigung, als die seitherige stereotype Antwort an die Juden lautete: Sie können, so lange Sie Ihren patriotischen Gefühlen treu bleiben, meines Schutzes gewiß sein. In politischen Kreisen erwartet man von der königlichen Antwort einen günstigen Einfluß auf die Erledigung der Judenrezeptionsvorlage im Magnatenhaus. > vermischtes. < Berlin, 4. September. Der Magistrat theilt der Stadtverordnetenversammlung die von den Kindern deö verstorbenen Stadtv. Louis Liebermann erfolgte Begründung einer Louis Liebermann-Sliftung in Höhe von 100,000 M. mit. Die Zinsen der Stiftung sollen nach dem Ermessen der Stiftungsdeputation des Magistrats an hiesige Arme, ohne Rücksicht auf deren religiöses Bekenntniß, alljährlich am 29. April in Beträgen von 100 bis zu 1000 M. vertheilt werden. Dabei kann dieselbe Person drei Jahre hinter einander selbst mit dem Höchstbetrage berücksichtigt werden. Nach dem Wunsche

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