Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1894-09-20 · Heft 75 (20.9.1894) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 75 (20.9.1894)
Date
1894-09-20
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2448412-2448481--39314-2487460
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1396 Einkommen der Fürsten zu Staats- und Gemeindesteuern, Beseitigung aller Staats , Adels- und Ordenvorrechte, Ausmerzung des alten Testaments aus Kirche und Schule und Ersatz durch den Glauben unserer Väter, überhaupt gründliche Reform des Juden Christenthums, Verbot der Judentaufe und Namenänderung der Juden unter rückwirkender Kraft, Verbot der Ehe zwischen Juden und Deutschen und der Haltung deutscher Dienstboten und Arbeiterinnen, Wiederaufnahme der Ritualmordprozeffe und Behandlung des Israeliten als Talmud-Juden. Ausweisung sämmtlicher Hebräer nach entlegenen meerumspülten Colonien, staatliche Einziehung aller durch Lug und Trug ergaunerten Judenvermögen und Verwendung derselben zur Aufbesserung der socialen Lage der Arbeiter u. s. w. Wenn das kein schlechter Scherz ist, kann man auch nur sagen: „Du bist verrückt, mein Kind." Berlin, 13. Sept. Das Organ des Herrn Stöcker, „Das Volk", bringt in Nr. 206 vom 4. September wörtlich Folgendes: „Aus Leer schreibt man uns: „Ueber den Nachlaß des Juden Pohlmann, der sich erst zu vergiften versuchte und sich dann ertränkte, weil er wegen Betruges verhaftet werden sollte, ist der Konkurs eröffnet worden. Die Unterbilanz beträgt 800,000 Mark, großeniheils durch die verschwenderische Lebensweise Pohlmann's hervorgerufen. Viele kleine Leute sind um ihren Sparpfennig gebracht." Zu dieser Notiz deS „Volk" schreibt man der „Volksztg." von zuverlässiger Seite: Es ist eine Lüge, daß der Pohlmann Jude gewesen. Er wie seine Gattin entstammen alten, in Ostfriesland sehr angesehenen christlichen Familien. Einer seiner Schwiegersöhne ist königl. preuß. Landrath. Richtig ist nur, daß Pohlmann freiwillig den Tod gesucht hat.*) Aus der Provinz Posen. Am «man rva in Jnowrazlaw ist neben der von dem rühmltchst bekannten Herrn Rabbiner Dr. Ttctz innetzabenden Stelle eine neue creirt worden. Nachdem sich viele bedeutende Gelehrte um dieselbe beworben hatten, ist nunmehr der Rabbiner der Synagoge-Gemeinde Obornik Herr M. Broh welcher als hervorragender Talmudist bekannt ist. einstimmig gewählt worden. Derselbe hat bereits sein neues Amt angetreten und außer dem alltäglichen Typ einen Cyclus von populären talmudischen Vorträgen zwischen nruD und eingerichtet, welcher sich großen Beifalls erfreut und eine zahlreiche gelehrte und weniger gelehrte Zuhörerschaft vereinigt, wodurch das Interesse für den Talmud in weitere, demsel- *,) Inzwischen hat das „Volk" selbst die Nachricht, zum Gaudium seiner „Freunde" und Feinde ganz verschämt widerrufen. Spaßvögel seien auf die Leichtgläubigkeit deS Blättchens hiermit aufmerksam gemacht. Red. den zum Theil schon entfremdete Kreise getragen wird. Jnowrazlaw ist nunmehr durch seine drei hervorragenden Rabbiner (Hauptrabbtner der Synagogen - Gemeinde ist Herr Dr. Kohn eine Musterstadt in der Gelehrtenwelt. Da auch daselbst etn Gymnasium ist, finden junge Leute Gelegenheit sich dort für Rabbiner-Seminare vorzubereiten. Raudegg i. Baden, 16. September. Ein großer Leichenzug bewegte sich heute durch den Ort, um die sterblichen Ueberreste unseres vielgeliebten Mitbürgers Herrn Moritz Abraham Guggeuheim zur letzten Ruhe zu begleiten. Der Verstorbene, noch aus der guten alten Zeit stammend, in welcher nicht das Materielle, sondern das Wort Gottes das Ideal des Menschen bildete, mühte sich von der Frühe bis zum späten Abend, um sich seinen Lebensunterhalt zu erwerben dennoch Zeit gewinnend, sich täglich mit dem Studium der heiligen Thora zu beschäftigen; es war daher nur zu natürlich, daß auch unser hochgeachteter Herr Rabb. Picard mit tu Thränen erstickter Stimme seinen persönlichen Verlust beklagte, war doch der Verstorbene über 40 Jahre einer seiner treuen Schüler; auch die Gemeinde erlitt einen beklagenswerthen Verlust, indem solcher 33 Jahre hindurch an den bwu v'v» als rtan byi sungirte, und wohl keinen Würdigeren konnten wir als Fürsprecher haben, er war ein Mann, welcher in seinem Leben weder eine unreelle Handlung noch eine Entweihung von v"'i mv sich zu Schulden kommen ließ. Möge derselbe für sein frommes Pilgerleben hinnieden den wohlverdienten Lohn empfangen. Aus dem badischen Oberlande m. d’o-wjjdV q’d-djx mn 'DBinn „Der den Felsen umwandelt in einen Wasser- Leich und Kieselstein in Wafferquellen." Diese Worte drängten sich an diesem rfn auf meiner diesjährigen Erholungsreise mir auf, als ich vom Großherzogthum Baden in das Schweizerland kam. Ich werde nicht von der Schächtfrage sprechen, sondern min — Wie Sie bereits schon ausführlich mittheilten, ist vom Gr. Bad. Oberrathe der Israeliten der auf den Index gesetzt worden und schleunigst mußte das gefürchtete Buch aus sämmtlichen badischen Schulen verschwinden. Wie die Verwandlung von »'D^n von rohem, harten Gestein o’d wynh in frische, sprudelnde Quellen kam es mir vor, als ich nun vom bad. Lande in das Städtchen Baden (Schweiz) gelangte. — Wie viel ein echter, eifriger Rabbiner, der es ernst mit seinem heiligen Berufe nimmt, erreichen und bewirken kann, läßt sich hier in derThat deutlich sehen und erkennen. Kaum 10 Jahre zurück und der größere Theil der jüd. Gemeinde verletzte öffentlich die wichtigsten Gebote unserer hl. Religion, von denen ich u. ,A. nb'ivi iieoi mpo, Iv'pn ub, rnw rn'vld, nenne.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.