Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1894-09-17 · Heft 74 (17.9.1894) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 74 (17.9.1894)
Date
1894-09-17
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2448412-2448480--39301-2487446
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

1384 Welche Wohlthaten hatte er ihr selbst oft erwiesen, ihr und ihrem Vater! Ohne ihn wäre sie der Rache ihres Feindes, des furchtbaren Pans von Wola anheim gegeben worden; ohne ibn wäre ihr Vater vielleicht jetzt ein gräßlich verstümmelter Leichnam und sie selbst verkommen in dem größten furchtbarsten Elend. Und nicht in Willkür hatte er sie befreit, so daß noch der Schein einer Schuld oder eines Makels auf ihr haften geblieben wäre. Alles war vor sich gegangen in strenger Rechtlichkeit, ohne nur um Haaresbreite von dem zu weichen, was die Gesetze des Landes vorschrieben. Er hatte nur dafür gesorgt, daß den bedrängten Juden kein Unrecht widerfuhr, daß Alles sich nach strengstem Recht frei entwickelte und daß so ihre Unschuld hell an den Tag gekommen war. Wenn dieser herrliche Mensch von ihr verlangte, daß sie sich für ihn opfern sollte, mußte sie ihm nicht zu Willen sein? Aber gerade weil sie ihn so sehr verehrte, weil sie wußte, wie groß, edel und gut er war, deßhalb war sie auch sicher in ihrem Herzen, deßhalb fühlte sie es mit dem ganzen Takte und dem tiefen Gefühle des weiblichen Instinktes, daß Kasimir nicht eine Liebe von ihr verlangen würde, die sie nicht gesonnen war, ihm freiwillig entgegen zu bringen. Ein anderer Mensch hätte befohlen, ein anderer Herrscher hätte Gewalt gebraucht, um seine Leidenschaft zu befriedigen. Wäre Kasimir gewesen, wie der Pan von Wola, kein Sträuben würde ihr geholfen haben. Er würde gewaltsam geraubt haben, was freiwillige Liebe ihm nicht schenken wollte. Er aber, der große König Kasimir, das wußte sie in ihrer innersten Ueberzeugung, er würde dies niemals verlangen, er würde nur bitten und sich mit dem begnügen, was sie ihm gewähren konnte. Und so wollte sie ihm denn klar und deutlich sagen, wie eine Verbindung zwischen ihnen ganz unmöglich wäre; denn Jüdin würde sie bleiben müssen, was auch immer geschah, und selbst wenn sie liebte, würde nichts sie bewegen können von dem Glauben zu lassen, der für sie das Höchste und Heiligste war. Und dann, wie würden die Großen des Reichs einen solchen Schritt ihres Herrschers aufnehmen, was würden sie sagen und beginnen, wenn der König eine verachtete Jüdin emporheben wollte zu dem Glanze des Thrones? Würden sie nicht wie eine Schaar wilder Bestien über sie herfallen, um sie zu zerfleischen? Würden sie nicht auch alle Juden im Reiche es entgelten lassen, daß eine Jüdin es gewagt, ihre Hand auszustrecken nach dem Glanze der Krone Polens, und so würde sie statt Freude und Glück, Elend und Verderben bringen über ihr Volk. Nein! das konnte nicht sein. Sie wollte ihm sagen, daß sie ihn nicht liebe, und daß er sie deßhalb ziehen lassen müsse und sie war überzeugt, daß er ihren Bitten Folge leisten werde. (Fortsetzung folgt.) Wochen - Kalender. Freitag, 21. Sept., 20. Elul. Sabbat-Anfang in Mainz 6 Uhr — Min. (M. E. Z.) Samstag, 22. Sept., 21. Elul. wnn '2 Sabbat-AuSgang in Mainz 7 Uhr 10 Min. (M. E. Z.) Sonntag, 23. Sept., 22. Elul. mn^D1? D’D’DtyD Der „31 r et e l i t" erscheint wöchentlich zweimal, Montag- und Donnerstag-, jedermal in mindesten» zwei Bogen. Preis des Jahrgang» für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für'» Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonntrt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Duchhanbri f» besiehe« dri T. $. Klrinarkrr. Leipzig, Doßpintz 16. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene PetttzeUe oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cour». — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für'» Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Ei»e NA<kse»v««O Aon an die Redactio« eingesaudte« Mauuscripteu findet nicht statt, «au bittet de-hald sich von alle« Einsendungen eine Copie znriickzubehalte«. Inhalt sHanptblatt) r Leitender Artikel: Sprüche der Väter. — Zeitungsnachrichten u. Eorrespondenzen: Deutschland: Berlin. Düsseldorf. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Lemberg. Budapest. Graz. — Rumänien: Bukarest. — Rußland: Lieb au. — Holland: Amsterdam. — Vermischte». — Feuilleton: Estecka, Königin von Polen. Historische Erzählung von Hugo Freund (Fortsetzung). Inhalt der Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Lemberg. — Vermischtes. — Feuilleton: Der Schadchen. Von H. Berger. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition deS „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz.. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbnchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu eine Beilage.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.