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Der Israelit · 1894-09-17 · Heft 74 (17.9.1894) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 74 (17.9.1894)
Date
1894-09-17
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1382 Zu seinem Unglücke hat die Fabrik nach kurzer Zeit den ^Betrieb eingestellt und so blieb der Arme neuerdings mit seinen Kindern brotlos. Ohne Kenntniß irgend einer Profession, der niederländischen Sprache kaum mächtig, wanderte er nach Amsterdam, wo er aus Anrathen, unterstützt von einigen Glaubensgenossen, das Confectionsfach zu erlernen versuchte. Mit dem größten Eifer arbeitete der Mann Tag und Nacht, um seine Familie kümmerlich zu ernähren, so daß er augenleidend geworden und die Aerzte ihm die Fortsetzung dieser Profession untersagten. Inzwischen hatte sich seine Familie um 2 Kinder vermehrt, er bewohnte in einer schmutzigen Straße ein dunkles Zimmer in größter Noth. Eines Mittwochs am Nachmittage traten in dieses finstere Zimmer zwei Damen in Begleitung eines Offkciers und erkundigten sich, ob hier Herr M. wohne. Nachdem die Damen sich von dem namenlosen Elend der Familie überzeugt hatten, griff eine der Damen nach dem Kinde von 5 Monaten und küßte es und auf Zuwtnken derselben Dame wurde durch den Officter der armen Mutter 25 Gulden überreicht und ihr zugleich bedeutet, sich Freitag Mittag im Bureau in der Straße . . . . Nr. . . . einzustellen. Erst da machte die Frau die Entdeckung, daß die edle Helferin, Ihre Majestät, die Königtn-Regentin war, welche nicht scheute, die unansehnliche Straße und armselige Wohnung dieser armen Familie aufzusuchen, um sich persönlich von dem Elend einer jüdischen Familie zu überzeugen und Linderung in der bedrängten Noth zu bringen. Im genannten Bureau wurde der Frau gesagt, daß im Austrage Ihrer Majestät der Königin- Regentin ihr 3 Monate lang 3 Gulden wöchentlich ausgefolgt werden sollen. Nach Ablauf der 3 Monate kam der armen Frau eine Karte, mit dem königlichen Wappen versehen, zu, worin ihr mitgetheilt wurde, daß in dem erwähnten Bureau noch 10 Gulden zu ihrer Verfügung bereit liegen. -fc» Vermischtes, -ch- Frankfurt a. M. Der Kunstmaler I. F. AktuaryuS wurde kürzlich in Bad Homburg von dem Herzog von Cambridge mit dem Auftrag beehrt, ein Porträt Seiner Königlichen Hoheit in preußischer Generaluniform anzufertigen, welches für den Obersten MengeS vom 28. Regiment in Coblenz bestimmt wurde; der Herzog ist Chef dieses Regiments. Berlin, ll.Sept. In dem sonst so judenreichen Schlesien giebt eS einen ziemlich großen Kreis, zu dem 3 Städte und über 100 Marktflecken und Dörfer gehören, in welchem seit 30 Jahren eine einzige jüdische Familie wohnt; e8 ist dies der KreiS HoherSwerda mit der gleichnamigen Kreisstadt. Vor nunmehr 30 Jahren ließ sich daselbst der Kaufmann Wollstetner nieder und man kaun wohl behaupten, daß er während der 12 Jahre, die ihm dort nur noch beschieden waren, und später seine Frau, das Judenthum in der würdigsten Weise vertreten haben. Jetzt zu Michaelis verläßt Frau Wollsieiner, die während der ganzen Zeit eine streng rituelle Wirthschaft geführt hat, ihren bisherigen Wirkungskreis, in welchem sie sich die allgemeine Liebe und Hochachtung ihrer christlichen Mitbürger in hohem Maße erworben hat, um ihren Wohnsitz bei ihren Söhnen in Berlin zu nehmen. Möge es der wackeren Frau vergönnt fein, ihren Lebensabend in der wohlverdienten Ruhe zu genießen. Wien, 14. Sepi. Baron Albert Rothschild spendete eine halbe Million für ein Frauenkrankenhaus zur Erinnerung an seine gestorbene Gemahlin Bettina. ft e tt Hie ton. Estrrka, Königin von Föten. Historische Erzählung von Hugo Frenud. 30.) (Nachdruck verboten.) Was Elischa Esther gesagt hatte, von seiner Liebe zu ihr, die zerflattert sei in dieser Stunde, um nie mehr zurückzukehren, das kennzeichnete genau die Empfindung, die sie ihm gegenüber hatte. Diesen Mann lieben, diesen wahnsinnigen, verblendeten Menschen, der keine Liebe hatte für sie und auÄ wohl niemals echte Liebe zu ihr empfunden hatte? Der sie zum Opfer seiner ehrgeizigen Pläne machen wollte? Der ste hätte abschlachten können, um seine Zwecke zu erreichen? Sie erschauderte bei dem Gedanken an ihn. Lange blieb sie in der Stellung stehen, die sie eingenommen, als Elischa von ihr geeilt war. Dann sank sie schwer auf eines der Ruhebette nieder, die in dem Zsmmer umher standen, und vergrub ihr Gesicht in den Händen. Aber so oft und so sehr sie sich überlegte, was dieser Mann von ihr verlangt, so sehr mußte ste sich sagen, daß sie recht gethan, ihm sein Verlangen zu verweigern, daß sein Vorhaben ein über alle Grenzen der Vernunft hinausgehendes sei, daß ste unmöglich zu solchem wahnsinnigen Beginnen die Hände reichen könne. Und dann eilte ste zu ihrem Vater und erzählte ihm Alles, was Elischa geredet und was er von ihr gefordert. Rabbi Jehoschua hörte ihr aufmerksam zu und prüfte genau ihre Worte, und nachdem sie ihm Alles geschildert, da legte er wie segnend seine zitternde Hand auf Esthers Haupt und sprach: „Du hast Recht getban, meine Tochter, Du hast Recht gethan!" VII. So sehr auch Esther einerseits beruhigt und befriedigt war durch die Zustimmung ihres Vaters, so war doch von dem Augenblicke an, daß Elischa von ihr gegangen, eine heftige Unruhe über ste gekommen. Daß es mit ihm, dem Jugeudgespielen zur Zwistigkeit kommen konnte, daß er von ihr gegan-

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