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Der Israelit · 1894-09-17 · Heft 74 (17.9.1894) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 74 (17.9.1894)
Date
1894-09-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1379 Recht pocht, wird jederzeit leicht Veranlassung zum Zürnen finden und immer tiefer in Verstimmung und Verbitterung gerathen. Deßhalb wiegt hier der Nachtheil den Vortheil auf. Ist aber Jemand gar leicht zum Zorn und schwer nur zur Besänftigung geneigt, so ist er der vollendete Schlechte, aber auch der wirklich Unzuzufriedene, Unglückliche. Unter denjenigen, deren Leben diesen Namen nicht verdient, nehmen die Zornigen den ersten Platz ein. 0>"P o’ihdb) 'di o\inmn v"n oj’n d,tti nvbv Jedes Seelenleid hat seine warmen Thränen, die manche stechende Etszacke der Empfindung wegschmelzen, nur der Zorn hat ste nicht, und das trockene, verkohlte Auge zeigt den dürren Grund eines ausgebrannten Kraters. Jeder Schmerz hat seinen Schlummer, der ihn in Vergessenheit wiegt, nur der Zornige wacht immer und kein schmeichelnder Traum gibt ihm zurück, was ihm der Tag genommen. Zorn ist der einzige, verlorne Schmerz, stellt die alleinigen Wehen in der ganzen Natur dar, welchen nie eine Geburt nachfolgt. Krankheiten stählen den Körper, Armuth macht thätig und somit reich, Thorheit bringt Erfahrung und macht weise, Ungewitter befruchten und am Fuße feuerspeiender Berge blühen üppige Länder. mio .w usy tos „Jede Entsagung hat ihren Vortheil." (Sprüche Sal. C. XIV. V. 23.) Und gibt es Uebel, die kein Gut begleitet, so sehen wir in der Erinnerung jeder überstandenen Noth eine der Freude ähnliche Schwester. Aber der Zorn ist eine Wolke ohne Himmel. Er macht nicht stark, nicht weise, er bessert nicht, er reinigt nicht und erwirbt nicht fremde Liebe. Die Rückerinnerung dieser Qual, wie traurig ist ste! Und es gibt noch Menschen, welchen die Rache süß dünkt und die sich ihres Zürnens rühmen! Demgegenüber lehrt die alte Salomonische Spruchwetsheit, daß der Zorn im Schooße der Thoren ruht. Die Weisheit der Väter aber fügt hinzu, daß der Zürnende nicht nurthöricht, sondern auch schlecht ist, wenn er leicht zum Zürnen und schwer zur Versöhnung sich entschließt. „Diejenigen aber, die sich beleidigen lassen, ohne wieder zu beleidigen, ihren Schimpf hören, ohne ihn zu erwiedern, in Liebe thätig find, sich freuen selbst mit dem Leiden: Das sind die Freunde Gottes, die einst glänzen werden, wie die Kraft der aufgehenden Sonne." djw }PD-in yyow P'NI pbyjn ranwi ")öw 3iron D!rb>y yiivD DTcten nnnsd oneny .(* (yj ndv) lrrnä» «owi rwsß *) Wir schließen hiermit unsere diesjährigen Betrachtungen zu den „Sprüchen der Väter", um sie nächstes Jahr mit Gottes Hilfe wieder aufzunehmen. ZettuugSrrachrichterr und Correfpoudeuzert. Deutschland. Berlin. Ueber die Wirksamkeit Bambergers vor und nach Ausbruch des Krieges von 1870 in Frankreich und seine Beziehungen zu Bismarck berichtet v. Poschinger in der „Deutschen Revue": „Vor Ausbruch des Krieges mit Frankreich war Dr. Ludwig Bamberger zufällig in Paris, um auch die Wohnung, die er bis dahin daselbst noch immer besaß, aufzugeben. Bamberger telegraphirte — auf Umwegen — Delbrück und dem Gouverneur seiner Vaterstadt Mainz seine pariser Eindrücke. Als Bismarck in Begleitung des Königs am 5. August 1870 in Mainz eintraf, um dort mit dem Hauptquartier bis zum 7. August zu verbleiben, erhielt Bamberger die Einladung Bis-' marcks, ihn zu besuchen. Die Unterredung betraf Maßregeln im Interesse der deutschen Operationen. Nach der Schlacht von Weißenburg ließ Bismarck Bamberger ein zweites Mal rufen; ihm lag daran, eine Persönlichkeit empfohlen zu haben, welche ihm, respektive dem Haupiquartter attachirt blieb und die nöthige Verbindung des Kanzlers mit der deutschen und ausländischen Presse bewirken sollte. Bamberger schien diese Aufgabe wichtig genug, um sich selbst für diese Arbeit anzubieten, und so kam es, daß er am 7. August 1870 mit dem Hauptquartier im Salonwagen Bismarck's nach Hamburg aufbrach. Bamberger blieb die ganze nächste Zeit im direkten Gefolge Bismarck's bis zum 18. August, dem Tage der Schlacht von Gravelotte. Aus Wunsch des Kanzlers begleitete jetzt Bamberger den designirten deutschen Präfekten von Nancy dorthin; später begab er sich auf schriftliche Aufforderung aus dem Hauptquartier nach Hagenau, woselbst Bamberger noch während der Belagerung von Straßburg das erste deutsche amtliche Blatt ins Leben rief. Ende September 1870 ging Bamberger von Hagenau fort, weil es ihm unter den dort eingetroffenen Bureaukraten zu eng und unbequem geworden war. Bamberger fuhr fort, sein Talent und seinen Einfluß in der Presse im Sinne des Kanzlers geltend zu machen und korrespondirte eifrig mit dem Hauptquartier in Ferriöres. Schließlich wollte Bamberger wissen, ob er nach Versailles kommen solle. Bismarck, von Bücher hierüber befragt, äußerte, die Herkunft Bamberger's würde ihm ganz erwünscht sein, „da uns seine Lokalkenntniß in Paris, wenn wir erst drin sind, nützen kann. Auch kann er nach seiner Rückkehr in seinen Kreisen über manches Aufklärung geben, was sich nicht gut schreiben läßt." Die Abreise Bamberger's aus Versailles nach Berlin, anfangs Dezember 1870, erfolgte nach langen und eingehenden Verhandlungen

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