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Der Israelit · 1894-09-17 · Heft 74 (17.9.1894) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 74 (17.9.1894)
Date
1894-09-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
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das Schöne nicht fähig. Die Helden des sittlichen, göttlichen Lebenswandels in der Geschichte, welche dem Weltenrade Schwung gegeben haben, waren des Zornes fähig, haben gezürnt. Ja, es giebt sogar einen Zorn vor Gott, dem Heiligen, gesegnet sei er! bzn ÜJ/1T 'Ml N’jm t»N?n"3p n’Dp Mnm M3’M »01 .(h ,mr miay) m» Gott ist ein gerechter Richter und hat täglich traurige Veranlassung zum heiligen, väterlichen Unmuih; und wenn der Frevler nicht umkehrt, schärft Gott sein Schwert, spannt er seinen Bogen, richtet ihn, rüstet für ihn Todesgeschoß, macht zu Brändern seine Pfeile." (Psalm 7, 12.) Zürne auch du, wenn du mußt, gieb dem gerechten Unwillen über himmelschreiende Unthat, die männlich kräftige Aeüßerung, setze entschlossen, kühn und lebhaft der verletzenden Einwirkung den starken Damm entgegen. A erg er allein, feiges Härmen im inwendigen Herzen ist unwürdig des edlen Mannes. Aber wenn du zürnst, zürne edel, zürne aus unabweislicher Nothwehr; aber frei von jedem Rachegefühl! wenn $»mi nn „Zürnet, aber sündigt nicht!" (Psalm IV. V. 5.) Kurz sei dein Zorn, wie der schnelle Blitz; er soll nur anregen, zum Leben wecken die schlummernden Kräfte, zur Thatkraft ermannen die matten Geister; aber Dauer darf er nicht haben. Wohl zürnt auch Gott, aber er zürnt nur einen Augenblick. .(d# mt rrroy) yn?w noai Thue es ihm nach! Zumal vor einem sei auf deiner Hut; zürne nicht oft, nicht leicht, sei nicht geneigt zum Zorn. Laß ihn nicht entflammen bei jedem Widerspruche und nicht zur Rache werden bei jeder Beleidigung. Du schadest dir mehr, als deinem Widersacher, schaffst dir die Reue und ihm den Triumph. Das Eine aber merke mit heiligem Ernst: Handle im Zorn nie; was du an Zeit verlierst, gewinnst du an Kraft und an Weisheit. Veranlaffungen zum Zorn hören nie aus, und wer die Kunst der Selbstbeherrschung nicht lernt, wird die Ehre nicht schonen, die seintge nicht und nicht die Fremde. Ein solcher hat Gram und Jammer alle Tage, wird ein Abscheu seiner Umgebung, kürzt sich das Leben, vergällt sich Lust und Freude, verlöscht die Lichter des Geistes, und trocknet die Quellen des Herzens aus. „Wenn ein Weiser zürnt, so verläßt ihn seine Weisheit, und wenn es ein Prophet thut, so verläßt ihn seine Prophetie." iwv np^rivv lncDn «in osn dm oyiato on« bi .(rD ,D»noB) iDv npbnDö inwiaj «in m»2j dni „Schwer ist ein Stein, gewichtig der Sand, der Zorn des Narren überwiegt beide." (Sprüche Salom. C. 27. V. 3). — Wer ein Wohlthäter werden will, sich selbst und seiner Welt, muß sich im Zorn beherrschen. Sprich nicht im Zorne, wenn dir die Ehre deines Nächsten theuer ist! Nichts bohrt sich so tief in sie ein, als der thierische Losbruch der Zorneswuth. Darum lerne dich beherrschen. „Es ist vernünftig für den Menschen langmüthtg zu sein, und ein Ruhm für ihn, Vergehungen zu übersehen." (Spr. Sal. Cap. 19, V. 11). Die Vorzüge der Menschen anerkennen, ihre Tugenden zu würdigen: das ist wahrlich kein Verdienst! Unsere Aufgabe ist's, Schwächen mit milder Schonung zu beurtheilen und Fehler zu verzeihen. Man ist das der Welt schuldig, wie sich selbst, der eignen Ruhe und dem Lebensglücke. Die reuevolle Versöhnlichkeit nachher, wenn die Vernunft wieder in ihr Recht eingetreten, macht den Schaden nicht wieder gut, welcher in der wahnsinnigen Erregtheit zugefügt wurde. Wer sich selbst leicht zur Versöhnlichkeit neigt, kann den Schaden höchstens ausgleichen, kann die geschlagene Wunde wieder heilen, aber eine Narbe bleibt immer zurück. Der Nachtheil seiner reizbaren Natur wird durch den Vorzug seiner Neigung zur Versöhnlichkeit nur ausgeglichen. — Wer aber dagegen selbst nvp schwer zu erzürnen ist, er ist aber auch schwer zu besänftigen, er trägt einmal in Zorn gerathen, denselben so lange bei sich, daß er zum Groll wird, bet dieser Gemüthsart wiegt der Vortheil den Schaden auf. Menschen dieses Schlags haben gewöhnlich eine hohe Meinung von sich und von dem, was die anderen ihnen schulden. Dazu kommt noch, die vielfach verbreitete Anschauung, die in Nachgiebigkeit und Versöhnlichkeit eine Schwäche und im polternden Zorne eine Stärke erblickt. Daß der Zorn in der That ein Beweis von Schwäche ist, haben wir bereits am Eingang dieser Betrachtung betont. Daß aber die allezeit zu Verzeihen bereite Herzensgüte, den höchsten Adel der Gesinnung und die Vollendeste sittliche Stärke bekundet, das legt schon der Hinweis auf Gott nahe, der mit dem weitesten Ausmaß von Macht auch die höchste Liebe und Gnade verbindet. Niemals handelt der Mensch göttlicher, niemals tritt er seinem himmlischen Vater näher, als in dem er Gnade vor Recht ergehen läßt und Nachsicht übt. Nichts macht uns auch der Nachsicht und Gnade Gottes mehr würdig und theilhaftig als die Nachsicht und Gnade, die wir üben. bi by t p»ayo i»nno by Tayon bj «an idm py 'üb y»D by -oiyi py npu -idmp vy»D . (re MDr) yw*> by -Qiyn Wem diese edle Gemüthsart fremd ist, wer anspruchsvoll und reizbar auf sein vermeintliches

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