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Der Israelit · 1894-09-17 · Heft 74 (17.9.1894) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 74 (17.9.1894)
Date
1894-09-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXX. Jahrgang. Jfs ^4. Der Israelit. Ein Kenlrat-Hrgan für das orthodore ZudenLHum. Begründet von Dr. Lehman« in Mainz. Montag, den 17. September 5654 (1894). Leitender Artikel. Sprüche der Mäler. Fünftes Buch. XXVI. Mainz, den 16. Sept. nDsn d«r' nianb nui Dwib nu myaa nno yaaN nt>p noBi-p nap ns* nia-6 npp oiya*? ntcrp napa . ylva nwib nwpi D^b m TDn roa-6 nui wyib „Vier G emüthsarten giebt es: leicht zu zürnen und leicht sich zubesänftigen; da wiegt der Vorthetl den Nachtheil auf. Schwer zu zürnen und schwer zu besänftigen; da wiegt der Nachtheil den Vortheil auf. Schwer zu zürnen und leicht sich zu besänftigen, das ist ein Frommer. Leicht zu zürnen und schwer sich zu besänftigen, das ist ein Schlechter." Die Leidenschaft des Zornes ist der Gegenstand vielfacher Ermahnungen und Belehrungen unserer Weisen. Sie ist eine der verbreitetsten, menschlichen Schwächen und wird merkwürdigerweise, von denjenigen, welche ihr erliegen, meistens gar nicht als Schwäche, sondern oft geradezu so vollständig als das Gegentheil angesehen, daß sich viele ihres Zornes noch rühmen. Und doch ist der Zorn nichts als eine Erregung unseres Unwillens darüber, daß wir zu schwach sind oder zu schwach waren, ein Unrecht, eine Beleidigung u. dgl. zu hindern. Der Mißmuth darüber, der sich seiner Ohnmacht bewußt, gegen das verübte Unrecht in leidenschaftlicher Erregung auflehnt, ist daher immer ein Zeichen von Schwäche. Es wäre daher schon mit Rücksicht auf denjenigen, dem unser Zorn gilt, ein Gebot der Klugheit nicht durch seinen Zorn die eigene Ohnmacht zu verrathen. Der Zürnende verräth aber nicht nur seine Schwäche hinsichtlich des Gegenstands, dem sein Zorn gilt, sondern er legt auch sein ganzes Inneres mit allen Mängeln und Gebresten blos, die sonst jeder mit größerem oder geringerem Erfolg bedächtig zu verhüllen bestrebt. Im Zorn geräth Jemand — wie dies bezeichnend der deutsche Ausdruck nennt — „außer sich"; das Innerste tritt heraus und enthüllt sich in seiner ganzen leidenschaftlichen Erregtheit dem Beobachter. — Der Zorn ist thatsächlich ein Rausch, ein vorübergehender Wahnsinn, vor dem kein Verdienst gesichert, und kein gefeierter Name gewahrt ist. Denn er blendet den hellsten Geist und macht das edelste Herz lieblos. Alle Martern der ewigen Strafe des Gehinnom haben über den Zürnenden Gewalt. Aber schon in dieser Zeitlichkeit untergräbt er die Gesundheit seines Körpers, er vergißt sein Wissen und bekundet, daß seine schlechten Thaten die guten überwiegen, denn er versagt selbst Gottes Herrlichkeit die schuldige Achtung. ^2 vyian ym »Jom aa »an ion rvobw nvjinnrw Yy n orrn 'ro nr« nj’Dff ^»bh Dyon ba warn na ->2 naa aot* — aa mobn roPD avx Tieno jtdy 'aa — mja naupn rnuijw yn'a aon pnsr aa pro aa — nws'B . (a"a Dm:) wtoid rann Unser vorliegender Väterspruch führt uns nun die verschiedenen Stufen vor, auf welchen Menschen zürnen. Er kennt keinen Menschen, der gar nicht zürnte. Selbst vom Chasid, der verkörperten, liebenden Hingebung, setzt er nur voraus, daß er schwer zum Zorn sich entschließe. Es ist . uns damit die Wahrheit ausgesprochen: Ein Chasid, ein vollendeter Frommer ist derjenige, welcher nur schwer geneigt ist zu Körnen, aber nicht derjenige, welcher gar nicht zürnt- Der Mensch kann zürnen, darf es, ja mu.ß es zuweilen. Wer nicht zürnen könnte, könnte^auch nicht, lieben. Der Mensch, so lange er lebt, ist kein todtes Marmorbtld. Ec m u ß der lebhaftesten Empfindung fähig sein. Wer in Entrüstung über eine Unbill nicht erglühen kann, ist auch der Begeisterung für

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