Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 73 (13.9.1894)
- Date
- 1894-09-13
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1367 / die die Ausräubung des Jadenthums empfehlen. Was deren Achtung für das Christenthum betrifft, so können Sie das im „Bundschuh" lesen, sie stehen niedriaer als die Sozialdemokraten." Dresden. Unter den sächsischen Antisemiten erhebt sich jetzt großes Geschrei. Unerhörte Dinge sind geschehen! Die Behörde hat das sächsische Vereinsgesetz gegen die Antisemiten ebenso in Anwendung gebracht, wie es alltäglich gegen die Sozialdemokraten geschieht und bei entsprechender Gelegenheit auch gegen Freisinnige, Nationalliberale und Konservative geschehen ist. Bekanntlich verbietet das sächsische Vereinsrecht, daß Vereine, die nicht das Recht der juristischen Körperschaft erlangt haben und sich mit öffentlichen Angelegenheiten beschäftigen, miteinander in Verbindung treten. Die „antisemitischen Rcformvereine" einiger Lausitzer Wahlkreise müssen geglaubt haben, das für sie diese Bestimmung keine Giltigkeit habe, denn sie beschlossen, ein gemeinschaftliches Srdanfest zu veranstalten, das von der zuständigen Behörde verboten ist. Ueber dieses gesetzlich durchaus korrekte Verbot gerathen dieselben Leute außer sich, die eine gleiche Behandlung anderer Parteien mit Wohlgefallen nottren. Leipzig, 5. Sept. Was für merkwürdige Blüthen der heutige Antisemitismus zeitigt, läßt wieder einen Fall erkennen, der Anfangs Oktober d. I. vor dem hiesigen Schöffengericht verhandelt werden wird. Der hiesige Schriftsteller G.'org Bleisteiner ließ Ostern d. I. in dem hiesigen Verlag von Sicgismund u. Volkening die Schrift: „Der Richard Wagner-Taumel — Ein Mahnruf gegen den Verfall der Künste" erscheinen, und zwar bediente er sich dabei des Pseudonyms Wilhelm Hoffmann. Der Verleger der gesammelten Schriften Richard Wagner's, F. W. Fntzsch behauptete nun im „Mustkal. Wochenbl.", Georg Bleistciner habe den deutschen Namen Wilhelm Hoffmann mißbraucht, um damit das Publikum über seine „eigene Ab stammung" irre zu führen. Bleisteiner hat nun Klage gestellt, da seine Abstammung durchaus „germanisch" und sein Name in Franken, woher er stamme, ganz gewöhnlich sei; er selbst habe lutherische Theologie studirt, ein Bruder von ihm sei evangelischer Geistlicher, sein Vater evangelischer Kantor und Organist u. s. w.! Kommentar überflüssig. Marburg, 6. Sept. Was kommen mußte, ist gekommen: der Jude hat das ganze Uiheil angerichtet. Ein Korrespondent der antisemitischen „Staatsbürgerzeitung" gibt es kund und zu wiffen, was sich eigentlich von selbst verstand — für jeden strenggläubigen Antisemiten nämlich. Ein polnischer Jude, ein „Schnorrer", hat die Cholera hier etngeschleppt, so ist's und nicht anders. Ich habe zwar bereits berichtet, die amtliche Cholerakommission habe sofort festgestellt, daß seit Monaten kein polnischer Jude im Dorfe erblickt worden sei, aber das genirt keinen braven „Teutschen", es wird ruhig zur höheren Ehre der „heiligen" antisemitischen Sache fortgelogen. Fast überstüssiger Weise ist die amtliche Untersuchung wiederholt worden und hat das gleiche Ergebniß gehabt. Uebrtgens steht es wiffenschaftlich fest, daß durch alte Hosen überhaupt nicht die Seuche übertragen wird. Hilft alles nichts; die Lüge wird dennoch wiederholt werden. An der Stärkung der Suggestion hat ein Mann hervorragenden Antheil, der nach seiner Bildungsstufe befähigt sein sollte, zwischen Mythus und Wahrheit zu unterscheiden. England. London, 4. September. Wie dem „Reuterschen Bureau" aus Tanger gemeldet wird, haben die Kapylen in der Nähe von Demnat, nordöstlich von Marakesch, sich empört, plündern Demnat, Mellah und andere Orte und tödten die Juden. Die Kapylen von Erhamma, Zeman und Wttanan belagern Marakesch; man befürchtet, daß die Stadt zu schwach sei, um Widerstand zu leisten. > Vermischtes. < Berlin Der Rektor a. D. Ahlwardt, der jetzt von Stadt zu Stadt zieht, um seine Weisheit an den Mann zu bringen, redet, wie die „Kiel. Ztg." bemerkt, überall, so kürzlich noch in Kolberg und Halberstadt, den Leuten vor, er w -rde sofort nach Eröffnung deS Reichstages den Antrag stellen, dast jüdische Forderungen nicht mehr einklagbar seien. Für böswillige Schuldner ist Ahlwardt also der Held des Tages. Da er augenblicklich Wohl keinen „Möbelwagen voll Akten" zur Ve.fügung hat, bedarf er wieder eines neuen Mittels, um die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Ob er sich blamirt, ist ihm gleichziltig; wenn man nur von ihm spricht, das ist ihm die Hauptsache. Daher der Antrag, der sicherlich die Heiterkeit der ganzen Welt erregen wird. BreSlau. Der antisemitische Abgeordnete Hans Leuß dürfte sich demnächst wegen Meineids, begangen in dem Ehebruchprozeß Schnutz, zu verantworten haben. Denn während noch vor wenigen Tagen sein Leiborgan, die „Hann. Post" im Tone tiefster Entrüstung die in der Stadt umlaufenden Gerüchte von einer Wiederaufnahme des Verfahrens gegen Leuß damit in Abrede stellte, daß die Staatsanwaltschaft bereits vor einem halben Jahre das Verfahren gegen Leuß eingestellt habe, ist jetzt dem „B. T." zufolge auf die Beschwerde des Dr. Schnutz die Staatsanwaltschaft in Hannover durch die königliche Oberstaatsanwaltschaft in Celle angewiesen worden, die Voruntersuchung gegen Leuß wegen Meineides zu erheben. Außerdem ist Herr Leuß von Herrn Dr. Schnutz, den er früher wegen Unterschlagung denunzirt hatte, wegen wiffentlich falscher Denunziation und wegen Unie schlagung von Parteigeldern denunzirt worden. Geilenkirchen, 9. September. Vergangenen Samstag, den 1. September, wurde hier das 25 jährige Bestehen der Synagoge gefeiert. Freitag Abend und Samstag Morgen fanden feierliche Gottesdienste statt, bei welchen das gut geschulte Synagogen-Chor eifrig m'twirkte. Herr Lehrer