Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1894-09-13 · Heft 73 (13.9.1894) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 73 (13.9.1894)
Date
1894-09-13
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2448412-2448479--39282-2487426
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

er sei stets bestrebt gewesen, seine Pflicht zu erfüllen, aber der Wille sei eben oft stärker als die That; es läge nicht in seinem Sinne eine solch' solenne Feier seiner Person wegen zu veranstalten und hätte er es gewußt, oder etwas zu sagen gehabt, so wäre es lieber unterblieben; nun es einmal so sei, spreche er für die vielseitige Aufmerksamkeit und die vielen Glückwünsche den innigsten Dank aus und werde er sich, wenn ihm Gott die Kraft gebe, aufraffen, um zu thun, was in seinen Kräften stehe, zum Wohle seiner Gemeinde unp zum Wohle seiner Heimathsstadt. Die Zwischenpausen wurden durch ein auserwähltes Programm unter der trefflichen Leitung unsres Herrn Musikdirektors Großmüller zur äußersten Zufriedenheit aller Anwesenden, sowie durch Gesangsvorträge aus dem Kreise der Herren Lehrer in angenehmster Weise ausgefüllt. Es durchzog eine weihevolle Stimmung das ganze Fest und von allen Theilnehmern konnte man nur Worte der vollsten Befriedigung hören; sicher zählte dieses Fest mit zu den schönsten, die in Hall je gefeiert wurden. Jedem Juden mußte das Herz aufgehen, aus dem Munde im Dienste ergrauter Erzicher hören zu dürfen, daß es ihnen unbegreiflich ist, wie cs Leute geben kann, deren Bestreben dahin geht, Zwietracht zwischen den verschiedenen Confessionen heraufzubeschwören; unser heutiges Fest bezeuge, daß es nichts schöneres gebe, als das gute Einvernehmen zwischen den Confessionen. Mögen solch' edle Gedanken sich von den Erziehern der Jugend auch auf diese selbst übertragen, nicht nur in unserem guten Hall, sondern in allen deutschen Gauen tun. Aus Bade«. (Ausstellung von reich in Goldgestickt en Sy na gogenvo r hängen.) Die Kunststickereischule des badischen Frauenvereins hat neuerdings ihre segensreiche Thätlgkeit auch dahin erweitert, daß sie die Pflege der eigentlichen künstlerischen Anforderungen vollauf genügenden Paramententechnik in echter Gold- und Silberst'ckerei in ihr Arbeitsprogramm ausgenommen hat. Als erste hervorragende Leistnng auf diesem Gebiete sind nun, nach Entwurf von Profeffor Levy an der Karlsruher Baugewerkschule, zwei Thora-Vorhänge für die von demselben erbaute Synagoge in Luxemburg von dieser bestellt und in der Anstalt ausgeführt worden. Der für die hohen Festtage bestimmte Vorhang zeigt auf Untergrund von rothem Seiden- Sammet mit Anwendung von satten Tönen in blau und grün eine reiche ornamentale, in orientalischem Slylcharakter gehaltene Goldstickerei in kunstvollster Nadelarbett; das Mittelfeld enthält einen passenden Bibelspruch nebst der Widmung. Der andere Vorhang zeigt auf weißem Seidendamast, mit Verwendung von hellblauem Sammct, ein reiches, in gleicher Technik und Stylform wie oben gehaltencs ornamentales Muster in Silberstickerei. Wir gratuliren der stets vorwärtsschreitenden einheimischen Musteranstalt zu dieser neuen^ vortrefflichen und kunstvollen Leistung, die sowohl für die kunstsinnige Damenwelt als auch für Fachleute von ganz besonderm Jntereffe sein dürfte. Die Ausstellung im alten Galleriegebäude ward Montag und Dienstag, den 10. und 11. d. M., Vormittags von IO—l2'/z Uhr und Nachmittags von 3—5 Uhr geöffnet. B. L. Mannheim, 9. Sept. Das gestrige 50jähr. Jubiläum der weltbekannten Getreidefirma Jakob Hirsch u. Söhne dahier veranlaßte nahezu den ganzen Handelsstand von hier und Ludwigshafen zu Gratulationen, die theils durch Abordnungen, theils schriftlich übermittelt wurden. An den Beglückwünschungen betheiltgte sich der hiesige Stadtrath, die Handelskammer, die Börse, die verschiedenen Banken von hier und Ludwigshafen, die Schifffahrtsgesellschaften u. s. w. Die Firma machte anläßlich des Jubiläums eine Zuftistung von 10,000 M. zu der Raphael Hirsch-Stiftung und überwies 1000 M. der hiesigen Armen-Commisston. Außerdem erhielten die Angestellten der Firma bedeutende Geldgeschenke. Dem Chef des Hauses, Herrn Kaufmann Ludwig Hirsch wurde von Seiner Kgl. Hoheit dem Großherzog das Ritterkreuz 2. Klasse des Ordens vom Zährtnger Löwen verliehen. E. E. Köln. Auf dem Katholikentag dahier ließ sich der Vorsitzende Dr. Orterer über die Gleichberechtigung der Confessionen also vernehmen: . . . „Unsere Religion verbietet uns, irgend einen Menschen zu Haffen, im Gegentheil, sie befiehlt uns, Alle zu lieben. Daher sind wir in der glücklichen Lage, unsere andersdenkenden Mitmenschen nicht blos zu dulden, sondern zu achten und zu lieben. . . . Sind wir Katholiken es vielleicht, die andersgläubigen Mitbürgern ihre bürgerliche Gleichberechtigung mißgönnen? Das wäre gegen unser Gewissen und gegen unsere kaiholichen Grundsätze. Bet uns ist es Gewiffenspfltcht, die bürgerliche Gleichberechtigung der Konfessionen, wie sie historisch geworden ist, voll anzuerkennen. Und thäten wir es nicht, so würden wir von unserm Papst Leo XIII. zur Ordnung gerufen werden." Freiherr von Schorlemer-Alst gab seiner Stellung gegen den Antisemitismus in folgenden Worten Ausdruck: „Wir verwerfen den Sturm der Sozialdemokratie gegen Besitz und Eigenthum ebenso wie die Bestrebungen der Pfadfinder der Sozialdemokratie,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.