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Der Israelit · 1894-09-13 · Heft 73 (13.9.1894) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 73 (13.9.1894)
Date
1894-09-13
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1368 Frohnmann hielt zur Feier des Tages eine schöne Festpredigt, welche so ergreifend war, daß fast kein Auge trocken blieb. Auch machte die innere Ausschmückung der Synagoge auf Jedermann einen guten Eindruck. Die festliche Stimmung wurde noch dadurch gehoben, daß Samstag Nachmittag ein großes Festbankett stattfand, an dem circa 300 Personen theilnahmen. Nachdem die Msiternachtsstunde geschlagen, brachte Herr Lehrer Frohnmann zur Feier des Sedanfestes ein Hoch auf Kaiser Wilhelm aus, in das alle Anwesenden begeistert einstimmten. Daß die Stimmung eine recht animüte gewesen, zeugt davon, daß die Festtheilnehmer noch bis zum frühen Morgen zusammen blieben. Fast alle Anwesenden schieden mit der festen Versicherung, ein recht schönes und feierliches Fest in Geilenkirchen verlebt zu haben. F. F- Ierusalem. Mr. James Glaishar, der Vorsitzende des „Palestine Exploration Fund", berichtet, der „Academy" zufolge, daß an einer im Süden Jerusalems außerhalb der Mauer gelegenen Stelle Untersuchungen vorgenommen wurden, in der Hoffnung Reste der alten Stadtumwallung aufzufinden. Südöstlich vom englischen Kirchhof wurde ein Schacht gegraben und hier aus in nordöstlicher Richtung ein Gang vorgetrieben. In einer Entfernung von 48 Fuß stieß man dabei nach Mittheilung des Herrn Bliß auf eine schön gearbeitete Steinböschung. Dieser ging man, indem man ihren verschiedenen Winkeln folgte und zugleich nach rechts und nach links hin vordrang, bis auf etwa UO Fuß nach. Herr Blitz glaubt in ihr die thatsachliche äußere Befestigungslinie des alten Jerusalems gefunden zu haben. Weitere Nachrichten, die bald erwartet werden dürfen, muffen zeigen, ob diese Annahme richtig ist. Paris. Folgender Vorfall dürfte für die Frage, ob die Juden sich gerne der Militärpflicht entziehen, von Jntereffe sein. Am 20. August begannen vor einer vom französischen Kriegsminister ernannten Commiffion die Examina, denen sich alljährlich im Hospital St. Martin (Garnistonsspital von Paris) die Studirenden der Medicin nach abgelegtem Freiwilligenjahre zu unterziehen haben. Nur j-ne Candidaten, welche dieses Examen über die Organisation und Verwaltung der Armee, sowie des Sanitätswesens mit Erfolg bestanden haben, können nach erlangtem Doctor Grade den Rang eines Militärarztes erhallen. Unter den Candidaten, zumeist im Alter von 20 oder 21 Jahren, befand sich auch ein Herr mit graumelirtem Haare. Als die Namen verlesen wurden, erfuhr die PrüfungS-Commiffion mit Erstaunen, daß letzterer Herr nicht ein „altes Haus", sondern der Träger eines als Forscher und akademischer Lehrer hochangesehenen Mannes ist, der bei einem medicinischen Spezial-Congresse in Paris, im Mai, als Präsident fungirte. Verwundert fragte der Medicin-Major (Stabsarzt) Dr. Petit: „Was verschafft uns eigentlich die Ehre, Sie hier als Candidaten zu sehen", worauf demselben folgende Antwort zu Theil wurde: „Als ich französischer Staatsbürger wurde, hatte ich bereits das Alter erreicht, in welchem ich keinen Militärdienst zu leisten hatte. Ich richtete jedoch an den Kriegsminister die Bitte, mir zu gewähren, im Falle eines Krieges schon vom ersten Tage an in den vordersten Reihen auf dem Schlachtfelde als Arzt thätig fein zu dürfen, und mir, da in der Zone Ü6 l’Avaut nur Militärs Zutritt haben, den Rang eines Militärarztes zu ertheilen. Der Minister antwortete, daß er sehr gerne die Bitte gewähren würde, aber es stünden leider formelle Bedenken entgegen, da dem Gesetze entsprechend ein mit Erfolg abgelegtes Examen über die Organisation der Armee und des Sanitäts- Wesens nöthig sei, um den Rang eines Militärarztes zu erhalten, das von den Studirenden der Medicin bereits nach den Freiwilligen-Jahren abgelegt werde. Ich habe nun, soweit meine vielseitige Thätigkeit es mir erlaubte, aus Schriften über die Armee und das Sanitätswesen versucht, mir die nöthigen Kenntnisse, welche die anderen Candidaten durch praktische Uebung erlangten, zu erwerben und ich scheue mich nicht, unter Leuten, die halb so alt sind wie ich, mich Ihnen gleichfalls als Candidaten vorzustellen und hoffe, daß es dem Minister möglich sein wird, meine Bitte zu erfüllen, ohne den Buchstaben des Gesetzes verletzen zu müssen". — „Sie können darauf rechnen", antwortete der Medicin-Major Dr. Petit, „daß unsere Commission Ihnen nicht die geringsten Schwierigkeiten in den Weg legen wird und daß der Minister bereits nächster Tage Ihr Bitie wird gewähren können". Wir müssen leider, dem Wunsche des Candidaten entsprechend, den Lesern den Namen desselben vorenthalten, bemerken jedoch, daß derselbe ein gebürtiger Oesterreicher und Glaubensgenoffe ist. Der Juden Antheil am Deutschen Reich. In einem Briefe Friedrich Wilhelms IV. an Dahlmann heißt es: „Ueber die allgem. Begeisterung von ganz Deutschland für die politische Einheit sind Sie, lieber Dahlmann, so glaube ich, sehr im Jrrthum. Das ist ein Unglück und widerstreitet Herzensaffektionen, aber ich muß der Wahrheit die Ehre geben: tm nördlichen und nordöstlichen Deutschland ist, wenn Sie die Effervescenz der großen Städte und die Terstschwuth der Juden abrechnen, von Enthusiasmus dafür gar nicht die Rede. Wohl aber hat die Rebellion der Juden und Großstädter und ihre Folgen einen schlimmen Rückstoß aus dem Lande verursacht, wo man wärmer Preußisch, Pommerisch, Brandenburgisch, Hannoverisch, Sächsisch ist, als seit 50 bis 100 Jahren ... In den übrig bleibenden Ländern ist der Enthusiasmus für den Ungehorsam unendlich viel kolossaler als der für Deutschland und seine Einheit." Literarische Notiz. Lamms Wocherrabreisikalender n"J")n (1894/95.) Herausgegeben von Max Lamm i. Buttenwiesen. Verlag: S. G. Heller, Jchenhausen. Der 15. Jahrgang dieses allseits so beliebten Kalenders l>'egt uns heute vor, und wir sind angenehm über das neue, künstlerisch ausgeführte Titelblatt überrascht. — Da sich der Kalender schon der allgemeinen Verbreitung, die sich der H. Verfasser vor 15 Jahren, als er den ersten Wochenkalender erscheinen ließ, wohl nicht träumen ließ, erfreut, haben wir nicht nöthig, noch extra auf seine Nützlichkeit hinzuweisen. — Wir leben ja in der Zeit der Verbesserungen, und finden es begreiflich, daß man sich nicht mehr mit der bekannten Rödelheimer nr? begnügt, irofoem unsere Vorfahren Jahrhunderte lang nichts anderes benützten. Durch das erwähnte neue Titel- oder Kalenderblatt ist der Lamm'sche Abreißkalender zu einer Zimmerzierde geworden und da auch seine typographische Ausführung vorzüglich ist, sind wir in der Lage denselben — als besten hebräisch-deutschen Kalender — warm empfehlen zu können. L . . . S. in Fr. Briefkasten der Expedition. R. in S. Betrag empfangen.

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