Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 71 (6.9.1894)
- Date
- 1894-09-06
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1326 treuen, geliebten Mannes hineinfinden könne. — 1N2VU vb Möchte doch der herbe Verlust, den wir und mit uns durch den frühen Heimgang dieses vorzüglichen Jehudi erlitten haben, uns und alle, die davon erfahren, mit dem heiligen Vorsatz durchdringen, baa, "i rw n^D ]DN IHND bjx UffSJ. Hatzfurt Der hiesige „Deutsche Jugendbund" ist vom königl. Bezirksamt als politischer Verein erklärt und aufgelöst worden. Als Vergehen im Sinne des Vereins-Gesetzes hat das Bezirksamt erachtet, daß der Jugendbund unter den Auspizien enrangirtester dortiger Antisemiten gegründet wurde und mit dem antisemitischen Volksverein in engster Fühlung steht. Ferner, daß an den Vereinsabenden „antisemitische Hetz- und Spottlteder" gesungen werden, „die Hauptglieder im vergangenen Karneval einen Maskenzug zur Verhöhnung der Israeliten in Scene gesetzt hätten," wobei das Schlimmste von der Polizei gerade noch verhindert und „in die engsten Grenzen gedrängt wurde," was aber nicht abgehalten habe, daß die Absicht, gegen die Juden zu hetzen und Scandal zu machen, recht deutlich erkannt worden sei. Außerdem hätten Mitglieder des Jugendbundes „am hellen Tage Kinder und erwachsene Personen israelitischer Confesston durch Zurufe verhöhnt und wegen körperlicher Gebrechen in bübischer und gemeiner Weise nachgeäfft. Aus allem gehe die Absicht des „Deutschen Jugendbundes", gegen das Judenthum einen planmäßigen Kampf und eine systematische Hetze mit verwerflichen Mitteln zu führen, hervor. Württemberg, 19. August. Der heutige „Staatsanzeiger für Württemberg" meldet: „S. Kgl. Majestät haben am 12. d. M. allergnädigst geruht, dem israelitischen Ktrchenpfleger Hirsch Kahn in Baistngen die Verdienstmedaille des Friedrich-Ordens zu verleihen." Herr Kahn führt schon seit fünfzig Jahren ununterbrochen das Amt des Gemeinderechners und es herrscht unter den Mitgliedern der israelitischen Gemeinde zu Baistngen einmüthige Freude über die Auszeichnung, die dem alten Herrn widerfahren ist, der in früheren Jahren auch Mitglied des Kirchenvorsteheramtes war und in beiden Aemtern durch Treue und Gewiffenhaftigkeit sich nicht nur die allgemeine Achtung und Beliebtheit bei seinen Gemeindegenossen, sondern auch bei den Orts- und Staatsbehörden erworben hat. Möge dem Jubelgreise noch viele Jahre geschenkt sein, in denen er rüstig seines Amtes weiter walten und seiner Auszeichnung sich freuen kann! Oesterr.-llngar. Monarchie. Wie«. Trotz der großen Frequenz an der juridischen Facultät der Wiener Universität herrscht gegenwärtig bei den Wiener Gerichten ein so großer Mangel an Beamtennachwuchs, daß manche Referate gar keine Rechtspractikanten besitzen. Das Ober- Landesgericht sah sich daher veranlaßt, sich um Abhilfe an das Justizministerium zu wenden, und dieses ertheilte die Ermächtigung, absolvirte Juristen, auch wenn sie die vorschriftsmäßig erforderliche Nachweisung der abgelegten dritten Staatsprüfung nicht zu erbringen vermögen, doch in die Rechtspraxis aufzunehmen. Die Gründe dieses Mangels an Beamtennachwuchs bei den Wiener Gerichten sind gewiß materieller Natur, und die ungenügende Besoldung und die Schwierigkeit des Emporsteigens zu höheren Stufen mögen manchen Juristen von der Beamtenlaufbahn abschrecken. Dieser Zustand ist um so bedauerlicher, als er gewiß auch auf die Qualität des Beamtennachwuchses nicht ohne Einfluß bleibt. Nicht unerwähnt kann aber angesichts dieses Mangels an Nachwuchs bleiben, daß man unter sorgfältiger Umgehung des Staatsgesetzes über die allgemeinen Rechte der Staatsbürger die Zulassung jüdischer Bewerber zur richterlichen Carriöre ganz zu verhindern gewußt hat. Man hat seinerzeit erzählt, Justizminister Graf Schönborn habe es als eine Ungerechtigkeit erklärt, daß die wenigen jüdischen Gerichtsbeamten, unter denen manche ausgezeichnet qualificirt und zum Avancement von ihren Borge,etzten empfohlen waren, immer wieder bet der Vorrückung übergangen wurden, weil man sie nicht an höhere Stellen gelangen lassen wollte. Diese Ungerechtigkeit fortbestehen zu lassen, habe dem Gefühle des Justizminifters widersprochen. Die Folge war, daß man einige im Justizdienste schon grau gewordene jüdische Beamte um eine Stufe vorrücken ließ, um sich aber künftig von ähnlichen Gewissensbissen zu befreien, die Aufnahme jüdischer Gerichtspractikanten seither ganz eingestellt hat. Feuilleton. Esterlra, Königin von Iolen. Historische Erzählung von Hugo Freund. 28.) (Nachdruck verboten.) Esther schaute ihn an, sie begriff nicht ganz, was er sagte. „Rede deutlicher," erwiederte sie ihm, „was soll der feierliche Ton, in dem Du sprichst, ganz anders, als Deine Ltebesworte von ehedem." „Ja, Esther," ries er, „ich liebe jetzt mehr als je, aber meine Liebe ist eine andere geworden,