Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 71 (6.9.1894)
- Date
- 1894-09-06
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2448412-2448477--39231-2487373- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1325 einzelnen Stücke von vielen geschächteten Thteren in Schlachthäusern bietet; auch an der Erfindung des nü'Lv — Röhrchens hatte er hervorragenden Antheil. Seiner praktischen Klugheit u. Besonnenheit gelang es, manche hochwichtige Angelegenheit Won nmab zu regeln, manches Drohende abzuwenden. Wo es einem idealen Zwecke galt, stand er stets bereit. Da riß er sich los mitten aus seinem geschäftlichen Thun, da war ihm kein Opfer an Zeit und Mühe zu groß, da schonte er seine Gesundheit nicht, da erglühte er in Begeisterung uip pxi nwyh. Seit einer Reihe von Jahren war er Kreisvorsteher und Vorsteheramtsmitglied, welche Aemter er mit peinlichster Gewiffenüaftigkeit versah. Ferner war er Vorsitzender der Fletschcommission, als welcher er alle administrativen Angelegenheiien des Schächtwesens und Koscher-Fteisch Verkaufs in musterhafter, selbstloser Weise ordnete und leitete. Als die hiesige Synagoge zu eng geworden war, verstand er es, durch Aenderung der Subsellien und ihrer Aufstellung, wozu er den Plan, an dem sich Fachmänner erfolglos versucht hatten, entwarf, der Gemeinde die bedeutende Ausgabe für Erweiterung der Synagoge zu ersparen. Bei all' dieser inneren Größe und außerodentltchen Schaffenstüchtigkctt war der Verklärte von rührender Einfachheit und Anspruchslosigkeit. Nur wer längere Zeit mit ihm Umgang hatte, konnte von seiner glänzenden Begabung und seinem goldlauteren Charakter Kenntnis erlangen. — Seit 4 Jahren von wiederholten Anfällen heimgesucht, hatte er sich zwar einigemal wieder ziemlich erholt, doch nahmen seine Kräfte immer mehr ab. Seit Monaten mußte er das Bett hüten. Schon vor Jahresfrist sprach er sich seiner Frau gegenüber dahin aus, daß er wohl bald aus dem Erdenleben scheiden werde und fügte hinzu: „Haschem Jisborach wird Dir die Kraft verleihen, es ertragen zu können." Am 17. Menachem Aw ist dann das Schmerzenseretgnis eingetreten, das, obgleich seit lange befürchtet, dennoch wie ein lähmender Schrecken alle Herzen durchzuckte. Am Dienstag, den 19. M. Aw, fand unter zahlreicher Betheiligung die Beerdigung statt. Die Leiche ward in den Synagogenbof gebracht, da man sie wegen der nicht in die Synagoge selbst bringen konnte. Vor der Eingangsthür sprach der Provknzial-Rabbtner Dr. Cahn Worte der Erinnerung, in denen er ein Bild des Verklärten entwarf, welches die Größe des entsetzlichen Verlustes Allen zu Herzen führte. Der Redner, welcher hervorhob, welch' treuen Freund er verloren habe, war so sehr erschüttert, daß ihn der heiße Schmerz wiederholt übermannte. Anknüpfend an verschiedene Talmud- und Mtdraschstellen schilderte er unter Zugrundelegung von Deuteron 8. 2,3. den Inhalt des so früh vollendeten Lebens, wodurch Allen die Pflicht erwachse, nach ihrer besten Kraft einzutreten, um durch gemeinsame Arbeit, soweit dieses möglich sei, die entstandene Lücke auszufüllen. So erklärte der Redner den Ausspruch unserer Weisen nj/w non ^>y noiyn ynpb 3”n new hm»*» mit Bezugnahme auf Töyn xb *]jn dt bv, wer mit müßiger Wehklage dastehe, wo eine Seele aus der irdischen Schaffensthätigkeit zu Gott zurückkehre, der sei verpflichtet, sich des Risses bewußt zu werden, um an seinem Theile in den Riß einzutreten, y-\dd tdw zu sein. Er schloß mit dem Worte des königlichen Sängers ms' toto pns mno' 'n nnsro *t noa D’Wnff tdi und sprach die Hoffnung aus, daß auch der in das Hetltgthum des Gotteswortes eingepflanzte Lebensbaum des Entschlafenen die Blüten seines Geistes und die Früchte seines htniedigen Schaffens in die „Vorhöfe unseres Gottes", in die das Gotteshaus umgebenden und von ihm als Mittelpunkt bestimmten Kreise des Lebens in immer sich verjüngender Frische und Kraft entsenden möge. Hierauf setzte sich der Leichenkondukt in Bewegung nach dem Friedhof. Dort angelangt, erhob der Schwager des Verblichenen, Provinzial-Rabbiner Dr. Koref aus Hanau, seine Stimme, um dem Entschlafenen ein Lcebesdenkmal zu setzen durch die Vorführung der herrlichen Eigenschaften, die sein Leben als Gatte, als Vater und als Freund schmückten. Er legte die Anfangsverse der Haphtorah Mrov w 'i ’jaiy p's -lnxrvt zu Grunde und schilderte, selbst aufs Tiefste ergriffen, den unaussprechlich schmerzlichen Verlust, den insbesondere seine Familie erlitten habe. Er hob als eine der besten Tröstungen hervor, daß der Heimgegangene den schönsten Lohn seiner hingebenden Ktndererziehung schon in seinem Leben genossen, indem seine Söhne und Töchter von frühester Kindheit an durch Gottesfurcht, Fleiß und ernsteste Pflichterfüllung ihm stets mit aller Kraft nachgestrebt und den Eltern dadurch die innigste Freude bereitet hätten. Habe sich so der Beistand Gottes dem edlen Heimgegangenen in seinem Familienleben bewährt, so liege gerade in seinem Tode die Mahnung für seine Söhne und Töchter: “j\D nno, daß sie um so eifriger danach streben sollten, der von Gott ihnen bestimmten Pflicht sich mit ganzer Hingebung zu widmen, daß alle Anregungen von innen und von außen, die das glorreiche Bild des Vaters zu trüben imstande sein könnten, ihrem Lebens fern bleiben möge, tdt.td iksp *jDö 73'mDi. Der Allbarmherzige werde sich ihrer annehmen. Er werde der so schwer betroffenen Wittwe beistehen, daß sie sich in den Verlust des