Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 71 (6.9.1894)
- Date
- 1894-09-06
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1827 meine Liebe zu Dir hat einer gröberen, reineren, edleren Liebe weichen müssen, einer Liebe, die auch Du hegen mußt, im Innersten Deines Herzens, die auch Dich beseelen muß, wenn Du rein bist und gut und edel, wenn Du eine wahre, eine würdige Tochter Israels heißen willst- „Gott hat uns auserlesen zu den mächtigen Werkzeugen feines Willens. Unsre Namen, Esther, werden unsterblich sein. Wir werden die Wohlthäter Israels heißen für jetzt und alle Zeiten, wir beide Elischa und Esther!" Seine Augen glühten, während er dies sprach und mächtig wogte seine Brust auf und nieder. Man sah, daß er bei diesen Worten erfüllt war von einer großen und mächtigen Leidenschaft, die schon seit langer Zeit in ihm gewohnt haben mußte. Esther war aber mehr mit Entsetzen, als mit Bewunderung seiner Rede gefolgt. „Was ist es, Elischa," stammelte sie. „was Dich beherrscht, Du glühst und Deine Worte schallen laut, aber ich finde nicht mehr das Herz und die Innigkeit in diesen Lauten, und sage mir eines, mein Elischa: Hat die Zeit Deine Liebe ertötet, bin ich nicht mehr das, was ich früher war?" Er schaute sie an; ein kalter Blick aus seinen Augen traf sie. „Gott hat uns zu größerem Zweck bestimmt," sagte er dann mit rauher und fester Stimme. Es wurde ihr eisig kalt in seiner Nähe, als sie ihn so ernst und finster vor sich sah; das war ihr Elischa nicht mehr; er war zwar ein Schwärmer gewesen zu jeder Zeit, der es aber verstand heiß und innig zu lieben, ein Mann, ebenso warm im Kopf wie im Herzen, ebenso heiß in seiner Liebe, als unternehmend in seinen Plänen. Dieser Mann aber, der da vor ihr stand, war scheinbar kühl und rührig, während doch ein finstres und unheimliches Feuer in ihm zu lodern schien. „Gott hat uns zu größerem Zwecke bestimmt?" fragte sie endlich. „Was kann es für einen schöneren und edleren Zweck geben, als ein jüdisches Haus zu gründen, zum Lobe und Preise des Herrn, in dem seine Lehren gelehrt und befolgt werden?" „So höre denn, Mädchen. Unser Leben gehört nicht allein dem Dienst Gottes, es gehört auch unserem Volke, es gehört Juda und eine große Thal wird von Dir verlangt." „Was begehrst Du," hauchte sie, „was soll ich thun?" „Erschrick nicht bei meinen Worten, ^Kind," sagte er dumpf, „es gilt einen großen edlen Zweck, und so dürfen wir nicht zurückschrecken vor den Mitteln, die dieses ^'Ziel uns erreichen lassen, es gilt unser Volk, und so vernimm denn mein Wort: Du mußt Dich opfern für dasselbe, Du mußt das Weib des Königs werden, in jeder Weise, die er auch von Dir verlangen könnte." Esther starrte ihn an und verstand ihn nicht ganz. „Elischa!" schrie sie auf. Es war ihr in diesem Augenblicke, als ob eine Saite zersprungen sei in ihrem Herzen, als ob sie plötzlich niedergestürzt sei aus dem Himmel, den sie bisher bewohnte. „Elischa," schrie sie, „und das kannst Du mir sagen, das kannst Du von mir verlangen!" Sie konnte nicht weiter sprechen; sie sah ihn an und zitterte. Dessen aber war sie sich in diesem Augenblicke voll und ganz bewußt: So konnte kein Mann reden, der sie liebte. Kein Zweifel mehr, seine Liebe zu ihr war erstorben, war erloschen in der Schwärmerei seiner ungeheuerlichen Pläne. Sie fühlte einen stechenden jähen Schmerz in ihrer Brust, der ihr schier den Athem benahm und sie am Denken hinderte. Zugleich aber keimte in ihrem Herzen ein bis an Haß grenzender Widerwillen gegen diesen Mann, den sie so sehr geliebt, und der sie jetzt mißachtete und von sich stieß, der sie verhandeln wollte, wie eine Waare, die er dahin gab, um seinen Zweck dafür zu erkaufen. „Wie war es nur möglich," schrie eS in ihr auf, „daß ich diesen Mann innig lieben konnte, diesen, der mich verräth, der meine heiligsten Gefühle mit kaltem Blut in den Staub tritt, der meine Ehre erniedrigen will, nachdem er mein Glück zertrümmert?" Eine lange Pause entstand, Elischa redete nicht, er wartete darauf, daß Esther ihre Meinung lhm kund thun möchte. Endlich ergriff Esther wieder das Wort. Es war ihr gelungen, die mächtige Erregung zu beschwichtigen, die in ihrem Innern tobte. Sie hatte sich so weit zu fasten vermocht, daß sie nun fühlte, es müsse etwas geschehen, um sich zu befreien aus der qualvollen Lage, in der sie sich befand. „Du giebst mich also frei?" fragte sie, während sie laut aufstöhnte. „Ja, ich gebe Dich frei," erwiederte er, „doch unter einer Bedingung, und die mußt Du erfüllen, wenn Du würdig bist eine Jüdin zu heißen, wenn ein Tropfen Blutes unseres Stammes in Deinen Adern fließt." „Und welches ist Deine Bedingung?" fragte sie wieder. „Der König liebt Dich," ries er wieder wärmer werdend, „Dir wird er keine Bitte abschlagen, was es auch fcr. Zwar hat er mir schon gelobt, mein Verlangen zu erfüllen, wenn es in seiner Macht stände. Aber wer vermag die einfache Pflicht, die