Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 71 (6.9.1894)
- Date
- 1894-09-06
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1324 fung der Umsturzparteien herzuleiten. Daß die antisemitischen Allüren der maßgebenden sächsischen Kreise dadurch eine Abschwächung erfahren sollten, ist für jeden Kundigen ausgeschlossen. Doch glaubt man noch immer, zumal es den ureigensten Neigungen in der Mannesbrust gerade der autoritativsten Persönlichkeiten entspricht, den Teufel durch Beelzebub austreiben zu können. Fulda, Menachem Aw. Ein überaus schmerzlicher Schlag hat unsere Gemeinde getroffen: Herr Rüben Stern ist im Alter von 55Jahren aus dem Leben abberufen worden. In diesem Manne war eine seltene Fülle von Vorzügen vereinigt. Von frühester Jugend nimm rmnn 0-12 by erzogen, hatte er sich schon als Jüngling eine so reiche und gründliche Kenntniß von o’pDisi d*», eine so musterhafte Gewandtheit in der Auffassung und Behandlung selbst der schwierigsten Parthien der talmudtschen Literatur angeeignet, daß selbst seine zu den ersten zeitgenössischen Größen auf diesem Gkbiete zählenden Lehrer ihn bewunderten. Ein Bruderssohn des unvergeßlichen pwn mn pnx Oberrabbtners Stern zu Hamburg wurde er als Knabe von 9 Jahren von diesem herrlichen Manne, der damals Rabbiner zu Homburg war, in die Pfade unserer nmpn mm eingeführt. Die Charaktergröße, die Herzensreinheit und Geistesstärke dieses Edlen war dem hochbegabten Knaben das leuchtende Vorbild, das ihm sein ganzes Leben hindurch vorschwebte. Die Eigenart seines großen Jugendlehrers spiegelte sich in dem Leben des Verblichenen in mannigfacher Beziehung wieder. Wie oft konnte man in verwickelten Verhältnissen ein kurzes, entschiedenes Wort aus seinem Munde hören, das wie ein Blitz die dunkle Situation erhellte und jeden Zweifel schwinden ließ, ganz so, wie es dem „Hamburger Raw" zu Gebote stand. — Nachdem er bei seinem Onkel die Grundlage jüdischen Wissens erlangt, bezog er die damals in schönster Blüthe befindliche nwu" des Rabbi Jonah Rosenbaum '"j zu Zell, wo er mit gleichgesinnten und von demselben Feuereifer für prim iid^> beseelten Genossen mehrere Jahre sich weiterbildete. Mit vorzüglichen Vorkenntniffen ausgerüstet, wunderte er dann nach dem Ungarlande, um sich in Eisenstadt bei dem Altmeister jüdischer Gelehrsamkeit, Rabbiner Dr. Hildesheimer den höheren Fächern talmudtschen Wissens zu widmen. Von da wanderte er endlich nach Preßburg, wo er bei dem weltberühmten Gaon R. Abr. S. Benjamin Sofer seine Studien vollendete und mit dem höchsten Ehrendiplom («imm mnn) entlassen wurde. Achtzehn Jahre waren verflossen, seitdem er die Heimath verlassen hatte, um Thora zu lernen, und er hatte neben der Beschäftigung mit fyn, o*r und D'pDis sich auch mannigfache Kenntnisse auf anderen Gebieten angeetgnet. — Da, als er im 27. Lebensjahr sich schlüssig machen wollte, einen Studienberuf für die Dauer zu wählen, starb ihm plötzlich der Vater. Er mußte infolgedessen nach seinem Hetmathsorte Mannsbach zurück, um der kranken Mutter wie den jüngeren Geschwistern, zur Stütze zu werden. So sah er sich genöthigt, sich in das kaufmännische Leben hineinzuarbeiten. Im Jahre 1877 zog er hierher, um ein bereits in Mannsbach eröffnetes Nähmaschinen- und später ein Buttergeschäft zu betreiben. Er war hierbei im edelsten Sinne des Wortes inm Ntcnj nJioto. Reine unbedingte Reellttät gewann ihm die Hochschätzung aller derer, die mit ihm in Verbindung traten. — Selbst ausgesprochene Antisemiten konnten nicht umhin, ihm die volle Anerkennung zu spenden, die einen wahrhaften mn mp bedeuten. Am p"mn -mH hing ihm das Herz. In schwierigen und verwickelten Fällen 1*112 by pnn nao zu sein, war ihm Hochgenuß. Er entwickelte dabei einen immensen Scharfsinn und verstand es, sich schnell über eine weitverzweigte Materie zu orientiren. Obgleich er schon lange an Mattigkeit und Erschlaffung litt, die ihn sehr häufig überkam und seine Arbeitskraft wesentlich beeinträchtigte, so raffte er sich dennoch mit aller Kraft auf, um mit jungen Leuten regelmäßige D*nyff zu „lernen." — Wo es sich um Besserung allgemeiner Uebelstände auf dem Gebiete des religiösen Lebens handelte, war sein Rath von außerordentlichem Werth. Er hatte sich durch autodidaktische Belehrung tüchtige Kenntnisse in naturwissenschaftlichen, technischen, juristischen, medizinischen Dingen, auch in Mathematik erworben, so daß Fachmänner der verschiedensten Geiftesgebiete, die ihn kennen lernten, ihre Bewunderung aussprachen. — Wenn nun diese Fülle des Wissens, verbunden mit einer gewaltigen Schärfe des Denkens ihn befähigten, in schwierigen Verhältnissen den rechten Weg zu treffen, so stellte er doch sein Wissen und Können am liebsten in den Dienst unserer mm niXDi. So hat er eine Mikweh-Einrtchtung getroffen, die hervorragende Autoritäten als nachahmunaswürdig für alle mwpD erklärten, die nicht durch Quellwafser gebildet sind; einen Niederlege- Apparat für zu schächtende Thtere erfunden, den der berufenste Gelehrte, Hofrath Dr. Dembo, nach persönlicher Prüfung im hiesigen Schlachthause für den besten unter allen Niederlege-Apparaten erklärte, wie er dies in seinem Buche über das Schächten ausspricht: „Das Schächten im Vergleich mit anderen Schlachtmethoden. Leipzig, Slawische Buchhandlung 1894 S. 47; einen Stempel-Apparat, der die beste Garantie gegen Verwechslungen der