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Der Israelit · 1894-09-06 · Heft 71 (6.9.1894) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 71 (6.9.1894)
Date
1894-09-06
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1322 „daß der jüdische Staat wieder hergeftellt würde „und der Tempel aufgebaut würde, müßten die „Vorschriften über das Opferwesen, wie sie im „Leviticus und Numeri enthalten sind, wieder in „Kraft treten. Ich weiß es nicht; ich würde „das Gegentheil sagen, sie dürften „nicht in Kraft treten" u. s. w. Verweilen wir einen Augenblick bei dieser Unverfrorenheit, welche schon vor 23 Jahren sich nicht schämte die Satzungen des Judenthums, die Worte des lebendigen Gottes keck für abgesetzt zu erklären und welche diese Ungeheuerlichkeit nunmehr durch Abfassung eines Gebetbuches verewigt, aus dem alle auf die Erbauung des Gottesheiligthums und den Opferdienst bezüglichen Stellen gestrichen sind. Die schmalstirnige Beschränktheit, die nicht nur diese, sondern auch alle jene Verheißungen aus dem nbvn nno entfernt, welche die einstige Wiedervereinigung des zerstreuten Israels zum Gegenstand haben, läßt aber dennoch z. B. die alte Haftorah Jesaja (C. 55, V. 6 bis C. 56, V. 8) für die Fasttage stehen, wie wir aus dem Anhang ersehen. Da aber die Nachbeter dieser Gedankenlosigkeit aus dem Anhang nur die Stellenangabe, aber nicht den Wortlaut der Stelle selbst erfahren, so werden sie gewiß erst für den nächsten Gemeindetag auch eine modernisirte Umarbeitung des Propheten Jesaja anordnen. Sonst wird ihr ganzes Kartenhaus durch den Hauch des Gottesgeistes zusammengeworfen, der aus den noch nicht umgearbeiteten Schlußworten jener Haftorah spricht: Drvntoy ’n'pDn non O'nnvVi ’ttnp in b« &ro«oni O'vyn nnp' nbcn no ’no o tojd by psrb Dirnnti . rcopA r^y pp« ny toottr »mi ppo '•> '« dm „Ich bringe sie zu meinem heiligen Berge und erfreue sie in meinem Bethause, ihre Emp o ropfer und ihre Schlachtopfer werden zum Wohlgefallen auf meinem Altäre sein, denn mein Haus wird ein Bethaus genannt für alle Völker. Das ist der Spruch meines Herrn, Gottes, der sammelt Israels Verstoßene und zu ihren Versammelten noch (Angehörige anderer Völker) sammelt." Wenn nun Herr Dr. Vogelstein die Opfergesetze und die Sammlung Israels und der Menschheit für einen überwundenen Standpunkt hält, obwohl nicht nur das mosaische, sondern auch das prophetische Judenthum für die Ewigkeit der Opfergesetze und für die einstige Sammlung Israels und der Menschheit des entschiedensten sich ausspricht, so ist das seine höchst eigene Ansicht, für die er zunächst nur Gott verantwortlich ist. Das Judenthum steht damit im diametralsten Widerspruch. Moses und die Propheten, unsere Weisen und unsere Lehrer aller Zeiten und Zonen haben diese Ansicht von sich gewiesen und haben die Ewigkeit des Judenthums und seiner Satzungen in allen Variationen ausgesprochen. Sich äußerlich aber zum Judenthum zu bekennen, sich gar als Lehrer und Rabbiner derselben zu geriren und gleichzeitig die fundamentalen Satzungen dieses Judenthums zu läugnen, für dessen Lehre, für dessen Vertretung man sich bezahlen läßt, das ist und bleibt unerhört und unerträglich. Wenn das kein Pfaffentrug ist, ist es eine Selbsttäuschung, die man bei Menschen, die ihre fünf Sinne beisammen haben, nicht für möglich halten sollte. Also noch einmal: Die weftphälischen Verbandsjuden uud ihre Rabbiner-Eminenz haben unzweifelhaft das Recht zu denken und zu beten, zu halten und zu verwerfen, was sie für gut oder schlecht halten. Aber sie begehen eine unqualtfkctrte Täuschung, wenn sie es sich gefallen lassen, daß man sie gute Juden nennt, wenn sie ihren Firlefanz für Judenthum ausgeben, wenn sie ein Gebetbuch, aus welchem das, was den Israeliten als hoch und heiliggilt, ausgemerzt haben, ein Israelitisches Gebetbuch oder gar, wenn sie es nVsn *no nennen! Wenn die Herren, wie uns in dem Vorwort dieses Gebetbuchs mitgethetlt wird, ihre besondere Grundsätze haben, die nach ihrem eigenen Geständniß so vollständig von denen der jüdischen Gesammthett abweichen, daß sie aus dem den Israeliten gemeinsamen Gebetbuch nicht mehr beten können, so kann ihr Gebetbuch alles mögliche uud unmögliche, aber um Himmelswillen doch kein Israelitisches sein?! Sie können ihre Grundsätze in einem neuen Katechismus zusammenstellen, sie können sich eine neue Religion aus ihren Grundsätzen destilliren und dieselbe „Religio Westphalica“ oder kurzweg „Vogelsteintsmus" nennen, aber die Religion der Israeliten ist es doch nicht?! „Eine sorgfältige Prüfung der vorhandenen „neueren Gebetbücher hatte zu dem Ergebnis „geführt, daß dieselben ungeachtet ihrer Vorzüge „theils aus princizipellen Gründen, theils aus den „Gründen der Zweckmäßigkeit für die Verbands- „gemeinden sich nicht eignen. Denn was für „eine einzelne Großgemeinde, die in verschiedenen „Synagogen einen verschiedenartig ausgestalteten „Cultus unterhält, angebracht ist, entspricht oft- „mals nicht den liebgewordenen Gewohnheiten „und Bräuchen kleinerer Gemeinden. Es mußte „eben den einzelnen Gemeinden innerhalb des „für alle Verbandsgemeinden einheitlich gegebenen „Rahmens im einzelnen eine gewisse Freiheit und „Selbständigkeit gewahrt werden." Eines schickt sich nicht für alle. Man braucht

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