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Der Israelit · 1894-09-03 · Heft 70 (3.9.1894) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 70 (3.9.1894)
Date
1894-09-03
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1312 dieselben Worte, seine Zeit sei noch nicht gekommen. Bald aber werde er hervortreten mit einer ungeheuren Forderung, die ihm der König erfüllen müsse zum Besten der Juden, da er sein gegebenes Wort als Mann einlöfen müsse! Dem König wurde es schließlich unheimlich bei diesen wiederholten dunklen Andeutungen, denn auf alles Fragen und Bitten Kastmlr's war Elischa noch nicht zu bewegen, kund zu thun, was er erstrebe. So machte denn Kasimir seinem jüdischen Rathgeber keine neuen Anerbietungen mehr, und nahm sich in seinem Innern vor, vorsichtig mit diesem Manne zu sein und ihm niemals etwas zu gewähren, was er als König nicht voll und ganz vor seinem Volke und seinen Rathen verantworten könne; daß er durchaus nicht weiter gehen werde, als er sich durch sein Versprechen verpflichtet. Dessen aber war Kasimir sicher, daß er sein Wort etnlösen würde, so weit es nur irgend seine Herrscherpfltcht erlaubte, und öfters dachte er mit innerer Unruhe daran, was wohl der schwärmerische Mann von ihm verlangen möchte. Als der König sich an der Spitze seines Heeres Krakau näherte, da zogen ihm schon weit vorher die edelsten der Bürger entgegen, um ihn bereits auf dem Wege zu begrüßen und ihre Glückwünsche und Huldigungen darzubringen. Elischa aber war dem Heere vorausgeeilt und schon geraume Zeit vor dem König ritt er in Krakau ein und begab sich sofort zum Palaste, zu Esther. Nur mit Mühe gelang es ihm, zu ihr zu kommen, denn der König hatte es untersagt, daß sich Fremde zu ihr begaben. Endlich aber durch Vermittlung Jehoschua's drang Elischa ein in das Zimmer seiner früheren Braut. Freudig sprang sie auf, als sie seiner ansichtig wurde, freudig ging sie ihm entgegen und wollte ihm um den Hals fallen. Er aber wies sie mit ernster Miene zurück. Einen Augenblick standen sich die Beiden schweigend gegenüber. „Elischa", rief Esther, „bist Du es, der mir so kalt, so feierlich entgegentritt, bist Du es, der Gespiel meiner Jugend, den ich verehrt und geliebt habe, wie keinen Mann, außer meinen Vater? und Du kannst, nachdem wir uns so lange nicht gesehen, so ruhig und kalt mir entgegen treten? Warum sprichst Du nicht, warum noch immer dieses Schweigen? Was ist geschehen, habe ich etwas gegen Dich verschuldet, ist Dir Unglück widerfahren? So rede doch Elischa; Du hast mir keine Nachricht gesendet in dieser langen Zeit des Kriegs. Sprich Elischa, liebst Du mich nicht mehr?" „Ich habe Dich geliebt, Mädchen," entgegnete Elischa, „wie nur ein Mann zu lieben vermag. Du warst mir die Seele meines Lebens, Du warst mir der Inbegriff alles Glücks, dessen der Mensch theilhaftig werden kann, aber wir sind nicht geboren, um allein glücklich zu sein, o Esther, wir sind geboren zu größeren und höheren Zwecken. „Wir dürfen nicht allein uns lieben, sondern unsere Liebe, unser Glück, unser ganzes Dasein gehört unserem Volke." (Fortsetzung folgt.) Wochen - Kalender. Freitag, 7. Sept., 6. Elul. Sabbat-Anfang in Mainz 6 Uhr 20 Min. (ML E. Z.) Samstag, 8. Sept., 7. Elul. D ’ L3 3 w Sabbat-AuSgang in Mainz 7 Uhr 40 Min. (ML E. Z.) Der „311aclit" erscheint wöchentlich zweimal, MoutagS und Donnerstag-, jedesmal in mindestenzwei Bogen. Preis des Jahrgangfür Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für'S Ausland IS Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig »der vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch de» -Mhhandrt M kfficftttt «i T. /. Iiteinncker« Leipzig, Koßpiah 16. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Petitzelle oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut CourS. — Direct« Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für'- Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco etnzusenden. Ei»« NiickseudMtO *,« att die Redaetio« eingesaadte« Manuscripten findet nicht statt, «an bittet deshalb sich von alle« Einsendungen eine Eopie znrüktznbehalte«. Inhalt (Hanptblatt): Leitende Artikel: Die religiösen Zustände in Weflphalen. — Antisemitische Verdrehungen. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Mainz. Mannheim. Berlin. Norden. — Oesterr.-Ungarische Monarchie: Budapest. Krakau. — Vermischtes. — Feuilleton: Esterka, Königin von Polen. Historische Erzählung von Hugo Freund (Fortsetzung). Inhalt der Beilage: Leitender Artikel: Der jüdische Reichthum. — Zeitungsnachrichten u. Cvrrefpondenzen: Deutschland: Berlin. — Amerika: Paraguay. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actieil-Gesettschaft in Mainz. Hierzu eine Beilage.

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