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Der Israelit · 1894-09-03 · Heft 70 (3.9.1894) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 70 (3.9.1894)
Date
1894-09-03
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1311 stellten des Hofes in höflichster und zuvorkommender Weise, daß es der ausgesprochene Wille des Königs sei, daß sie bliebe, und daß es ihnen sehr leid wäre, wenn sie sich widersetzte, daß sie aber im schlimmsten Falle Gewalt anwenden müßten, der König habe ausdrücklich befohlen, das junge Mädchen in dem Palast zurück zu halten. Und täglich kamen Boten und Briefe und prächtige Geschenke von dem König, aber von Elischa, auf den Esther hoffce, kam keine Nachricht. Esther war in großer Sorge um ihn. Sollte ihm vielleicht ein Unglück im Kampfe widerfahren sein? Sollte ihn etwa eines der feindlichen Geschosse getödtet haben? Doch nein, das wäre in irgend einem der Briefe Kasimirs erwähnt worden, denn der König hatte öfter in den lobendsten und anerkennendsten Ausdrücken von Elischa geschrieben, den er seinen Freund, seinen Retter nannte. Was also mochte den Arzt bewegen, daß er seiner Braut keinerlei Nachricht zukommen ließ? Liebte er sie nicht mehr? War das heiße Grfühl, das er vorher für sie hegte, erkaltet, oder hatte eine anbete seine Gunst erworbm und er war thr untreu geworden? Hunderte derartige Gedanken durchkreuzten das Gehirn Esthers und sie vermochte nicht ihre Unruhe für sich zu bewahren. Sie sprach öfters mit ihrem Vater von alledem, was sie bewegte. Der alte Mann aber, der viele Erfahrungen in seinem langen Leben gesammelt, hatte seine eignen und merkwürdigen Ansichten über Elischa. Wohl schätzte er ihn, wohl ehrte er die großen Geistesgaben, die Gott diesem jungen Manne verliehen. Noch mehr aber fürchtete er die Planlosigkeit seines ganzen Wesens, die Schwärmerei und Fantasterei, die alle Werke dieses Jünglings kennzeichneten, und er konnte nicht umhin, Esther zu sagen, daß er fürchte, daß irgend Etwas anderes das ganze Wesen Elischa's so sehr eingenommen habe, daß er nicht an Esther zurück denke. Und in der That glühte und toste es gewaltig in dem Kopfe des jungen Arztes. War er schon von früher Jugend auf ein Schwärmer und Fantast gewesen, so hatten ihm indeß die realen Anhaltspunkte an das wirkliche Leben gefehlt, um für seine Schwärmereien einen Halt zu gewinnen. War es Ehrgeiz, war es Ruhmsucht, oder war es wirklich glühende Liebe und Begeisterung für sein Volk Israel, was diesen Mann so sehr bewegte, und auf was sich von nun ab alle seine Gedanken konzentrirten? Wer weiß es? * Vielleicht war es ein Gemisch von allen diesen reinen und unreinen Trieben, die ihn förmlich pritschten zu einem großen Gedanken, der ihn nicht mehr los ließ, der ihn Tag und Nacht bet Wachen und Träumen verfolgte, und der immer schärfere Gestaltung in seinem Haupte aunahm und ihn schließlich so beherrschte, daß er auch in ihm die Liebe besiegte zu dem Mädchen, dem er sich vordem angelobt hatte. Hatte er vorher mit heftigem Wehgefühl verzichtet auf Esther, so dachte er jetzt ohne jede Schmerzempstndung an sie. Auch sie war ihm in seinen Gedanken nichts anderes geworden als ein Mittel, um seinen großen Zweck zu erreichen. Die vortrefflichen Rathschläge, die Elischa dem König gegeben und die in der Ausführung so ausgezeichnet gelangen und den König von Sieg zu Sieg geführt, hatten die Gedanken des jungen Mannes überreizt und in ihm eine Selbstüberschätzung hervorgerufen, die über das Maß der von der Vernunft gestatteten weit hinaus ging. Er glaubte ein Messias zu fein; er wollte der Helfer und Retter werden für alle Juden, so wett die Erde reicht, und nicht nur für die jetzige Zeit, sondern für jetzt und alle Ewigkeit. Immer kühner ward er in seinen Gedanken, und was ihm ganz unausführbar geschienen, dahinein hatte er sich in kurzer Zeit so tief gebohrt, da? war von ihm so vielfach in seinen Gedanken hin und her gerollt worden, daß es für ihn den Schein der Abenteuerlichkeit verloren hatte, und es ihm nicht allein für möglich, sondern auch für erreichbar und wahrscheinlich erschien. Elischa kam während des ganzen Kriegs nicht von der Seite des Königs. Der ganz vortreffliche und geistreiche Kriegsplan, der von ihm erdacht war, wurde auch von ihm mit eben so viel Umsicht und Folgerichtigkeit ausgeführt. Bei jedem neuen Schritt, den Kasimir unternahm, holte er zuerst den Rath Elischa's ein, und jedesmal, wenn irgend eine der Thaten des Königs während des Kriegs gelungen war, wollte er Elischa mit Retchthum und Ehren überhäufen und versprach, wenn er erst siegreich nach Krakau heimgekehrt wäre, ihn zum Minister zu machen, falls er nicht darauf bestände, Jude zu bleiben. Elischa wies aber alle Ehrungen und alles Geld zurück, das ihm der König in so reicher Fülle bot. Stets entgegnete er, daß der König sein Wort gegeben, ihm, wenn irgend möglich, eine große Bitte zu erfüllen zum Wohle Jsrael's und daß er nach vollständiger Erringung des Sieges und nach Rückkehr des Königs nach Krakau mit der Bitte hervortreten würde, und das Einzige sei, was er ersehne und verlangen werde. Bei jeder Gelegenheit wiederholte Elischa

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