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Der Israelit · 1894-09-03 · Heft 70 (3.9.1894) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 70 (3.9.1894)
Date
1894-09-03
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1310 Die Auszeichnung eines verdienstvollen Gelehrten, welche dadurch noch eine besondere Bedeutung erhält, daß Dr. Goldzieher der erste ungarische Staatsbürger israelitischer Confesfion ist, welchem dieselbe zutheil wurde, wird nicht verfehlen, in weitesten Kreisen Befriedigung zu erregen, und das würde umso mehr der Fall sein, wenn demselben zu dem Titel und Charakter auch die Bezüge eines wirklichen Universitätsprofessors verliehen würden, was dasjenige, was jetzt Auszeichnung ist, zur Ernennung stempeln würde. Dr. Ignaz Goldzieher, welcher die Stelle eines ersten Sccretärs der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde bekleidet, ist bekanntlich ein Gelehrter von europäischem Rufe, der als Kenner der orientalischen Sprachen und Literatur zu den hervorragendsten Kapacitäten der Welt gezählt wird. Seine Werke werden in der Regel, sowie sie hier erscheinen, in die deutsche, französische und englische Sprache übersetzt und erfreuen sich bet den auswärtigen Gelehrten der größten Werthschätzung. Dr. Ignaz Goldzieher ist in Stuhlweißenburg im Jahre 1850 geboren, studirte in Budapest, Berlin und Leipzig die orientalischen Sprachen, in Leyden und Wien die orientalischen Handschriften und ist seit 1872 Prtvatdccent an der Budapefter Universität. Die beiden Jahre 1873 und 1874 verlebte er in Wien, Palästina und Egypten. Im Jahre 1876 wählte ihn die ungarische Akademie der Wissenschaften zum correspondirenden und 1892 zum ordentlichen Mttgliede. Dr. Ignaz Goldzieher ist als Gelehrter sowohl wie auch als Charakter ein Mann, der dem Vaterlande und der ungarischen W.ffenschaft zur hohen Ehre gereicht." Die Budapester Universität hat seit einer Reihe von Jahren den tüchtigsten Männern das Lehramt an derselben gestattet, doch wenn diese zufällig der Geburt nach Juden waren, dursten sie daselbst blos als Privatdocenten und in Ausnahmsfällen — als außerordentliche Professoren lehren. Sie alle machten sich der Universität ungemein nützlich und trugen zur Erhöhung ihres guten Rufes wesentlich bei. Professor Goldzieher, der erste jüdische ordentliche Professor an der Budapefter Universität gereicht derselben vollends zur höchsten Ehre und ohne Verblendung sagen wir es offen, daß Goldzieher eine der stolzesten Zierden der Budapefter Hochschule und wünschen wir, daß er es noch lange bleiben möge! Hoffentlich kommt doch die Zeit, daß Professor Goldzieher im hohen Senate der Budapefter Universität, gleich seinen christlichen Professorcollegen, Sitz und Stimme haben wird. Wir hoffen und wünschen dies weniger im Interesse des ungemein bescheidenen und anspruchslosen cxcellenten Gelehrten, als vielmehr im eigentlichen Interesse der Budapefter „katholischen" Universität! Krakau. Zu Ihrem Artikel „Moderne Schriften" bemerke, daß Dr. Rossig ein Jude und obendrein ein Zionist ist. Derselbe ist ein noch junger Mann aus Lemberg, war einige Jahre in Wien journalistisch thätig und weilt jetzt in glctcher^Eigenschaft in Paris. R. schreibt auch in polnischer Sprache. -£» Vermischtes. Mainz, 3. Sept. In dem Artikel „Iudex redivivus“ in der letzten Nummer dss. Bl. haben sich einige sinnentstellende Druckfehler eingeschlichen, die wir'1 im Folgenden richtigstellen: S. 1289, Z. 23 v. o. lies: Reflexions lo s igkeit st. Reflerions sä h igkeit; Z. 17 v. u.: perversen st. diversen: S. 1290, Z. 23 v. U> mutz es heißen: „Resormjudenthum von Beginn seines Auftretens an in der Verdächtigung der Gesinnung" u. s. w.; Z. 2 v. u. lies: uns an ihrer Seite zu sehen, statt: und an ihrer Seite stehen. In Stropko (Oberungarn) haben dieser Tage einige Bauern aus der Umgebung den jüdischen Friedhof auf vandal'sche Art verwüstet. Das Thor wurde zerschmettert, Grabsteine zertrümmert und der Boden mit Unrath überschüttet. Auch das Vieh wurde durch den Friedhof getrieben. Die Behörde hat bis nun keine Schritte gethan, die Thäler zu eruiren. Man glaubt, daß die oberungarische Geistlichkeit durch ihre Hetzereien indirect an dieser That mitschuldig sei. Feuilleton. Esterka, Königin von JgoCen. Historische Erzählung von Hugo Freund. 27.) (Nachdruck verboten.) Die Einwohner Lemberg's suchten durch große Festlichkeiten und auf alle erdenkliche Weise dem König darzuthun, wie beglückt sie seien, unter seiner Herrschaft zu stehen. Den sieggekrönten Herrscher aber duldete es nicht lange in dem eroberten Land. Ein mächtiger ungeheurer Trieb zog ihn heimwärts; es war die Liebe, die Liebe zu seiner Esther. Esther aber hatte schwere Zeiten in dem königlichen Palast verbracht. Nachdem der Prozeß zu ihren Gunsten entschieden war, gedachte sie mit ihrem Vater fort zu wandern in ein fernes Land und di« ses Reich zu verlassen, in dem ihr so großes Unrecht und so viel Schlimmes widerfahren war. Sogleich aber, nachdem der Richterspruch ge« fallen, kamen die Diener des Königs und forderten Jehoschua und seine Tochter auf, auch weiterhin die Gastfreundschaft Kastmir's in Anspruch zu nehmen und zurückzukehren in den königlichen Palast, denn es habe der König vor seiner Abreise befohlen, daß Esther im Schlosse verbleiben solle. Als Esther sich weigerte, bedeuteten die Ange-

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