Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 70 (3.9.1894)
- Date
- 1894-09-03
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1309 Bestimmung des jüdischen Gotteshauses schilderte und mit einem Gebete für den Kaiser, für die Stadt, für den Verein, für die Förderer des Baues der Synagoge und die Vereinsmitglieder wirkungsvoll schloß. Das Mtncha-Gebet und der Psalm 150 beendeten die schöne Feier, welche auf alle Theilnehmer den wohlthuendsten Eindruck gemacht hat. Norden, 18. August. Herr Sanitätsthierarzt Kunke in Norderney hat nachstehendes Gutachten über das Schächten und zumal über die beste Methode des Niederlegens der Schlachtthiere erstattet: „Angeregt durch die Sammlung von „Gutachten über das jüdisch-rituelle Schlachtverfahren (Schachten),,, die bebekanntlich sämmtlich diese Methode befürworten, und durch die Schrift des Herrn Dr- Dembo, die denselben Gegenstand behandelt, trat auch ich dieser Frage näher. In der Gutachtensammlung sprechen sich sämmtliche Herren Gutachter dahin aus, daß das eigentliche Schächten eine der humansten Schlachtmethoden sei, dagegen wird die Methode des Niederwerfens der Thiere mehrfach bemängelt oder übergangen. Die Methode des Niederwerfens, wie sie wohl allgemein üblich ist, besteht darin, daß dem Thiere die vier Füße mit Fesieln oder Ringen zusammengezogen werden und dadurch das Thier umfällt. Bei dieser Methode können sich Brüche der Hörner, der Rippen und des Beckens und viele Hautquetschungen ereignen. In einem Falle sah ich eine Zerreißung der hinteren Aorta und Verblutung nach innen. Es werden nun verschiedene Methoden empfohlen, welche dieses alles verhindern sollen. Da ist zuerst das Werfen auf eine Matratze, die allerdings ein Pallkativmittel ist, aber auch neue Uebelstände schafft. Häufig kommt es vor, daß die Thiere neben die Matratze fallen oder von derselben herunterspringen, was wieder Zeitverlust verursacht. Außerdem wird die Matratze durch das Blut beschmutzt und ist schwer zu reinigen, besonders, wenn viel geschächtet w'rd. Dazu kommt, daß die Matratzen auch ziemlich theuer sind. Die Methode, die Thiere aufzuwinden, deren vier Füße zu fesseln und dann herabzulassen, hat viel für sich, indessen erfordert sie Apparate, Personal und Zeit, daher ist sie nicht überall anzuwenden. Am besten erscheint mir die Methode des Niederschnürens, die mir seit mehreren Jahren aus dem bayrischen Hochgebirge bekannt ist, und die ich auch in die hiesigen Schlachthäuser eingesührt habe. Sie besteht darin, daß man einen Strick von etwa 10 m. Länge und der Dicke eines Daumens an den Hörnern des Thieres befestigt und dann eine Schleife hinter den Vorderbeinen um die Brust und um den Bauch legt. Dann zieht ein Mann an dem Strick, an dessen Ende sich ein Querholz befindet. Letzteres hat den Zweck, daß der Zug sicher ausgeübt werden kann, was nicht möglich ist, wenn der Strick blutig und glatt geworden ist. Sowie nun an dem Strick gleichmäßig stark gezogen wird, legt sich das Thier von selbst hin, indem es sich auf die Vorderbeine niederläßt und das Hinteriheil langsam nachgleiten läßt. Sowie das Thier nun liegt, wird der Strick immer noch gespannt gehalten, der Kopfhalter angelegt — (eventuell ist dieser auch überflüssig, wovon ich mich selbst überzeugt habe, denn ein starker Mann kann den Kopf auch so fest halten) — und der Kopf firkrt, worauf sofort der Schnitt erfolgt. Während der ganzen Prozedur bleiben alle vier Fü'e ungefesselt. Nach erfolgtem Schnitt liegt das Thier absolut ruhig da, das Blut stürzt in Strömen heraus, das Bewußtsein schwindet momentan und der Strick wird losgelassen. Während der eintretendrn Reflexkrämpfe wird der Kopf ruhig festgehalten, und ist das Thier außer Stande, sich zu erheben und blutet auf diese Weise noch besser aus als bei der sonst üblichen Schlachtmethode. Ich habe mittelst dieser Methode bis jetzt etwa 150 Stiere und Ochsen schachten bezw. abwerfen lassen und jedesmal mit dem gleichen guten Resultat. Diese Methode ist sehr human, einfach und sehr schnell auszuführen, braucht weniger Zeit als die anderen Methoden, denn von dem Anlegen des Strickes bis zum Tode vergehen etwa 30 —90 Sekunden; sie kann an jedem Orte ausgeführt werden, und der Apparat, welcher ja nur aus dem Stricke besteht, da der Kopfhalter doch schon fast überall vorhanden, ist sehr billig. Die Schlächter bedienen sich dieser Methode mit Vorliebe, weil sie das viele Binden überflüssig macht. Ich habe dieselbe in Gegenwart der Herren Rabbiner Dr. Prager aus Cassel, Dr. Rosenstein aus Graudenz, Hauptlehrer Levy aus Norden, Lehrer Fellner aus Mattersdorf und einiger Schächter und Schlachter ausüben lassen und sprechen dieselben über diese Methode ihre hohe Befriedigung aus, versprachen, dieselbe in ihrem Bezirke für die Schächter einzuführen, und ersuchten mich, dieses zu veröffentlichen. Norden, 12. August. 1894. C. Kunke, Sanitätsthierarzt. Oesterr.Ungar. Monarchie. Budapest. Also doch! Die durch die Kaiserin Maria Theresia gegründete „katholische" Universität in Pest, welche ihren streng katholischen Charakter auch dadurch documentirte, daß ihre Lehrkanzeln bislang judenrein geblieben, hat nun den ersten ordentlichen Professor erhalten, welcher nicht nur dem jüdischen Stamme angehört, sondern sogar in der ersten und größten Judengemeinde des Landes die Stelle eines ersten Finicttonärs bekleidet. Der Jude Dr. Ignaz Goldzieher ist nun ordentlicher Professor an der Budapester Universität, denn das ungarische Amtsblatt brachte am Königstage die folgende allerhöchste Entschließung: „Auf Vorschlag Meines ungarischen Cultusuud Unterrichtsministers verleihe ich dem Docenten an der Budapester Universität Dr. Ignaz Goldzieher Titel und Charakter eines ordentlichen Universitätsprofessors. — Ischl, am 1. August 1894. — (Gez.) Franz Joseph m. p. — Baron Roland Cötvös m. p." Doch gemach! Damit sich die Judenfeinde nicht gar zu sehr kränken und die Juden selber nicht zu sehr jubeln sollen, bekennen wir es ganz offen, daß diese allerhöchste Entschließung so ehrend und beglückend sie auch für den ausgezeichneten Gelehrten ist und auch immerhin eine hohe Auszeichnung für denselben bleibt, dennoch ihren vollen Werth dadurch etnbüßen muß, daß sie blos „ein Titel ohne Mittel" bleibt. Darüber bringt das „Budapester Tagblatt" vom 19. v. M. die folgende Aufklärung: Das heutige Amtsblatt veröffentlicht ein aus Ischl datirtes allerhöchstes Handschreiben, durch welches dem Privatdocenten an der Budapester Universität Dr. Ignaz Goldzieher Titel und Charakter eines öffentlichen ordentlichen Professors verliehen wurde.