Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 70 (3.9.1894)
- Date
- 1894-09-03
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1308 über das Maß der inneren Religiosität oder KonfessionStreue. und diese wären es doch, welche je nach ihrer Verschiedenheit in verschiedenem Maße vor Verbrechen und Vergehen bewahren sollten. Dieser Umstand läßt stch nicht beseitigen, da die Statistik überhaupt nur an äußerlich erfaßbare Erscheinungen anknüpfen kann." Wäre es dem Ablwardt-Moniteur nicht um die antisemitische Verhetzung zu thun, er müßte nach dieser Regel der „vorurtheilsfreien und unbefangenen" amtlichen Statistik verfahren. Freilich hätte alsdann seine ganze antisemitische Statisterei keinen Sinn. Arbeitgeber, die stch gegen die Arbeiter versündigen, giebt es jedenfalls unter den Juden so gut wie unter den Christen, wie es andererseits so gut jüdische wie christliche Arbeitgeber giebt, die in dem Verhältniß zu den von ihnen beschäftigten Arbeitern den Grundsätzen der Humanität folgen, wie es überhaupt in allen Religions- und Konfessionsgemeinschaften anständige Menschen und Lumpen giebt. Wer eine spezifisch antisemitische oder konfessionelle Statistik glaubt aufstellen zu können, macht stch in den Augen aller Unbefangenen einfach lächerlich. Zeitungsnachrichten «nd Correspondenzeu. Deutschland. Mainz, 2. September. Aus Frankfurt a. M. erhalten wir das nachstehend abgedruckte Rundschreiben mit der Bitte um Veröffentlichung, der wir gern entsprechen. Das Schreiben lautet: Ew. Wohlgeboren gestatten uns freundlichst, Ihre Aufmerksamkeit auf ein Werk von wahrhaft sozialer Bedeutung zu lenken: Seit zwei Jahren sind dahier mehrere kathol. Krankenschwestern thätig, und haben sich dieselben durch ihre unermüdliche und aufopferungsvolle Thätigkeit das Vertrauen der ganzen Gemeinde ohne Unterschied der Religion erworben. Um diesen bescheidenen und anspruchslosen Pflegerinnen eine eigene Wohnung zu beschaffen, worin sie zugleich eine Kinderbewahranstalt und einen Unterricht für weibliche Handarbeiten eröffnen können, haben wir ihnen ein Haus erbaut. Obwohl die Gemeinde und viele Private reichlich Beitrage zur Bestreitung der Kosten geliefert haben, so bleibt dem Hause immerhin noch eine bedeutende Schuldenlast, für deren Zinsen die Pflegerinnen aufkommen müssen. In der angenehmen Voraussetzung, daß hier edlen Menschenherzen eine erwünschte Gelegenheit geboten ist, sich an einem Werk von echt humaner und sozialer Bedeutung zu betheiligen, erlauben sich die ergebenst Unterzeichneten, Ew. Wohlgeboren um einen kleinen Beitrag für das Schwesternhaus zu Groß-Zimmern zu bitten. Jede Gabe, sei sie noch so gering, wird von den Pflegerinnen mit großem Dank und innigem Gebete für ihre Wohlthäter entgegen genommen werden. Mit vorzüglicher Hochachtung zeichnen ganz ergebenst Bitz, kath. Pfarrer. Michell, Großh. Beigeordneter. Schott, Gemeinderath in Groß-Zimmern (Hessen.) Die Unterzeichneten bezeugen hiermit gerne, daß die in Rede stehenden katholischen Krankenpflegerinnen zu jeder Zeit und in allen Fällen die Kranken der israelitischen Gemeinde mit Hingebung und Opferfreudigkeit gepflegt haben und bitten wir insbesondere unsere Glaubensgenossen zu dem oben geschilderten, so edlen Zweck ihr Scherflein beisteuern zu wollen. Der Lehrer: M. Spier. Der Vorstand der israelitischen Gemeinde: H. Ranis. Abr. Blum. B. Goldschmidt. Gaben nehmen dankbar an: Bitz, Pfarrer, Spier, iSrael. Lehrer in Groß-Zimmern, sowie Moritz Marx, Praunchheimerstr. 22, David Goldschmidt, Mainzerlandstr. 155, Frankfurt a. M. Mannheim, 30. Aug. An Stelle des zum Rabbiner von Ansbach gewählten Dr. Cohn wurde der geprüfte Lehrer Heinrich Einstädter vom Religionsverein berufen. Herr Einstädter, der seine Ausbildung an den Schulen von Burgpreppach und Würzburg sich erworben hat, gehörte in den letzten sechs Jahren dem Lehrercollegium der Pcäparandenschule zu Burgpreppach unter Dr. Deutsch an. Berlin, 20. August. Der seit dem Jahre 1852 bestehende Synagogen-Verein „Ahawas Scholaurn" beging gestern in würdiger, erhebender Feier die Einweihung der von ihm auf dem Grundstücke Linienstraße 167 aufgeführten Synagoge, deren Herstellung und Einrichtung für den Opfersinn der Vereinsmitglieder ehrendes Zeugniß ablegt. Die Festlichkeit, zu welcher sich ein überaus zahlreiches Publikum etngefunden hatte, begann mit dem Vorrrage von Psalm 118, V. 19—20 durch Herrn Cantor Stabtnsky, worauf sich die Pforten des Gotteshauses öffneten und, während der Chor Ps. 24, V. 7 ff. anstimmte, die die Thorarollen tragenden Vorsteher des Vereins eintraten. Die Synagoge, welche 450 Sitzplätze faßt, macht einen in jeder Hinsicht würdigen, schönen Eindruck. Ein doppeltes Oberlicht erhellt den Raum, auf dessen drei Seiten sich die von farbigen Säulen getragenen Frauen- Emporen hinziehen, während auf der vierten, dem Eingang gegenüberliegenden Seite, der in Farben und Gold dekorirte Aron hakodesch. seinen Platz erhalten hat, den ein prachtvolles, in dem Stickerei- Atelier von Jenny Bleichrode mit bewährter Kunstfertigkeit hergestelltes Porauches schmückt. Nachdem der trefflich geschulte Chor Na tauwu vorgetragen und der Vereinsrabbiner, Herr Dr. A. Ackermann, ein stimmungsvolles Weihgcbet vorgetragen, wurden die Thorarollen unter dem Gesänge des Wajehi binssoa aus der heiligen Lade genommen und nach den dreimaligen Hakaphoth unter dm rituellen Gesängen wieder zurückgestellt. An die Recitirung von Psalm 122 schloß sich hierauf die Feftpredigt des Herrn Dr. Ackermann, welche, gleich vortrefflich in der Form wie im Inhalt, unter Anlehnung an den Haphtara-Satz Jesajas 40,9 Zweck und