Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1894-08-30 · Heft 69 (30.8.1894) · page 19

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 69 (30.8.1894)
Date
1894-08-30
Page
– (sequence 19)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2448412-2448475--39203-2487343
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

1299 lichen Kaufmann kaufen dürfe, jo lange die betreffende Waare noch bet einem Juden zu finden sei; es sei also ganz berechtigt, wenn auch die Antisemiten die Parole ausgäben: Kauft bei keinem Juden! Auf eine diesbezügliche Anfrage hat nun aber der allerdings erst seit einem Jabr amtirende Großrabbiner in Jerusalem, Herr Jacob Saul Eliaschar, wörtlich erklärt: „Die Mittheilung, daß der Rabbiner von Jerusalem öffentlich in den Synagogen eine Kundmachung des Inhalts publiziren ließ, daß bei Juden zu bekommende Maaren bei Nichtjuden nicht gekauft werden sollen, erkläre ich als eine freche Verleumdung und Lüge und erkläre feierlichst, daß ich niemals eine derartige Publikation erlaffen oder veranlaßt habe, daß ich im Gegentheil stets meinen Glaubensgenossen einschärfe und bei jeder Gelegenheit und besonders in der Synagoge meiner Gemeinde ans Herz lege, ohne KonfesstonSunterschied mit unseren Mitmenschen in Liebe, Friede und Eintracht zu leben." Nun liegt auch ein christliches Zeugniß über denselben Gegenstand vor. Das in Hannover erscheinende „Hann. Sonntgsbl.", redtgirt vom Pastor Strecker, hatte s. Z. dieselbe Notiz gebracht. Auf die Kunde von der Ungenauigkeit derselben wandte fich der genannte Pastor an seinen Amtsbruder in Jerusalem und veröffentlicht jetzt in Nr. 28 des „Hann. Sonntagsblatt" das Ergebniß seiner Correspondenz folgendermaßen: „In Nr. 19 des „Hann. Sonntagsblattes" vom 6. Mai d. I. war über ein Verbot des Oberrabbiners für Palästina bez. des KaufenS von Juden bei Muhamedanern und Christen berichtet. Auf unsere Anfrage erfahre ich nun von Herrn P. Th. Schneller in Jerusalem folgendes: „Schon einmal wegen der theilweise irrtümlichen Nachricht über das gegen muhamedanische und christliche Kaufleute gerichtete Verbot des hiesigen jüdischen Oberrabbiners ungefragt, habe ich mich bei Juden über den Stand der Dinge erkundigt und erfahren, daß allerdings im Verlauf der letzten Jahre einmal ein ähnliches Verbot erlassen worden fei; dasselbe habe sich aber aus besonderer Veranlassung nur auf muhamedanische Kaufleute bezogen und habe nur für eine bestimmte Zeit gegolten. Was in dem vielfach veröffentlichten Bericht über diesen Thatbestand hinausgeht, ist entweder auf irrthümliche Auffassung des Berichterstatters oder auf Uebertreibung seines Gewährsmannes zurückzuführen, muß aber natürlich als unrichtig zuriickgenommen werden. Indem ich hiermit die Notiz in Nr. 19 richtig stelle, bedaure ich, daß in der aus anderen Blättern herübergenommenen Nachricht allerdings Unrichtigkeiten enthalten gewesen sind. Berlin. (Gänsetransporte aus Russisch Polen.) Die Einfuhr von Gänsen aus Russisch Polen, die schon vor mehreren Wochen begann, hat jetzt einen bedeutenden Umfang erreicht. Die feiste Waare wird in großen Heerden über die Grenze nach Deutschland getrieben und hier auf der nächsten Eisenbahnstation verladen. Von oberschlesischen und posenschen Stationen kommen dafür Kattowitz, MySlowitz, Herby, Kreuzburg, Kempen, Wilhelmsbrück, Ostrowo und Wreschen besonders in Frage. Manche Händler verladen auf einzelnen dieser Stationen täglich mehrere tausend Stück. Zur Beförderung der Gänse auf der Eisenbahn dienen gedeckte Güterwagen mit vier Stockwerken. An den Seiten haben die Wagen nur Lattenverschläge, damit die Thiere, welche gewöhnlich sehr eng an einander stehen müssen, die nöthige Luft bekommen. An den beiden Längsseiten sind Wassertröge angebracht, und Hafer wird in größeren Mengen über alle Wagenböden verthetlt. Je nach der Größe der Bodenfläche der Wagen werden 1000—1200 Stück in einem Wagen verladen. Die Sendungen gehen fast sämmtlich nach den großen Städten; Berlin, Hamburg, Dresden, Köln, Hannover, Straßburg i. E. u. s. w. sind die Hauptabsatzgebtete. Dieser Handel bildet eine schöne Erwerbsquelle für in Deutschland sich aufhaltende russische Juden, die unter Benutzung ihrer heimatlichen Verbindungen dieses Importgeschäft tn's Leben gerufen haben. Hannover, 18. Aug. Die antisemitische „Hannoversche Post" hatte in einem Artikel mit der Ueberschrift: „Die Heiligkeit des Eides und der jüdische Versöhnungstag" die gröbsten Schmähungen gegen das Judenthum gerichtet. Von verschiedenen jüdischen Einwohnern der Stadt Hannover war deshalb Klage erhoben worden, aber seitens der Staatsanwaltschaft in Hannover erging ein ablehnender Bescheid; sie habe Ermittelungen anstelle« lassen, ob der Talmud als eine Quelle der jüdischen Glaubenslehre anzuschen sei, „durch die vernommenen Sachverständigen hierüber aber kein klares Bild erhalten!" Es müsse daher zu Gunsten de8 Beschuldigten dessen Dolus verneint werden. Gegen diesen Bescheid wurde Beschwerde eingelegt, in welcher hervorgehoben wurde, daß in dem angezetgten Artikel der Talmud gerade als jüdische Glaubenslehre bezeichnet fei, daß der Angriff sich aber auch gegen das Kolntdre-Gebet richte, also zweifellos gegen eine Einrichtung der jüdischen ReltgtonS - Gesellschaft. Darauf erhielten die betreffenden Herren den Bescheid des Oberstaatsanwalts Laue in Celle, daß er den Ersten Staatsanwalt in Hannover angewiesen habe, die öffentliche Klage gegen den Beschuldigten zu erheben Oesterr.-Ungar. Monarchie. Im israelitischen Tempel zu Pohelitz in Mähren hat am Samstag den 18. August, als des Kaisers Geburtstag, eine erhebende Feier stattgefunden. Es war dieser Samstag der sogenannte „Sabbat des Trostes", der auf die 21 Trauertage folgt, welche der Erinnerung an die Zerstörung Jerusalems geweiht sind. Der Rabbiner Dr. Josua Weiß nahm des Kaisers Geburtstag zum Anlaß zu einer geist- und gehaltvollen Predigt, in welcher er

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.