Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 69 (30.8.1894)
- Date
- 1894-08-30
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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126s Äuch der Verblendetste mutz angesichts solcher sich auch sonst wiederholender Thatsachen sich sagen: Durch Verachtung des Judenthums und seiner Satzungen bannen wir den Judenhaß nicht. — Ja, der Judenhaß erklärt täglich jedem, der er es hören will, er gelte nicht dem alten, redlichen Judenthum, sondern dem Reformjudenthum! Wohl wissen wir, daß diese Behauptung nur ein Feigenblatt ist. mit welchen der Antisemitismus seine Blößen decken möchte, aber andererseits wird jeder Unbefangene anerkennen müssen, daß solche Zeiten und Zustände die denkbar ungeeignesten sind, um das Reformjudenthum öffentlich zu proklamiren. Wer das in unserer Zeit dennoch thut, der arbeitet dem Rischus in die Hände, der giebt ihm nach verschiedenen Seiten hin neue Nahrung. Wenn unser altes Gebetbuch wirklich Stellen enthielte, die dem Geiste unserer Zeit nicht entsprechen, wie es jüdische Verleumder des Judenthums fälschlicher Weise behaupten, — wer unseren Feinden keine Waffen liefern will, dürfte diese hämische Insinuation durch Verdrängung des alten und Einführung eines neuen Gebetbuches nicht unterstützen!! Deßhalb ist das Reformjudenthum von der Bildfläche verschwunden, seitdem der Antisemitismus das Haupt erhoben hat. Deßhalb gibt es in ganz Deutschland nicht eine einzige jüdische Zeitung mehr, die sich heute öffentlich zum Reformjudenthum bekennt. Von Amerika, wo bislang die äußerste Reform sich geltend machte, kommt soeben die Nachricht, daß nach vielen, langjährigen Bemühungen nunmehr alle Reformgemeinven ein gemeinsames Gebetbuch haben werden. Und in solcher Zeit sollte in Weßphalen das Berliner, Frankfurter, Breslauer, Münchener und Glogauer Gebetbuch — die alle in der Vorrede des neuen westphälischen r£en vid aufgezählt sind — nicht mehr genügen und sie müßten wirklich eine eigene Westphältsche Verband-Tefilla haben?! Vor wenigen Tagen hat die letzte und erste ofsictelle Hochburg des deutschen Reformjudenthums das hundertjährige Gedächtniß eines Mannes gefeiert, der geschrieben hat: .Darum wäre es wohl schön, wenn wir unsere Gebräuche in Ehren hielten, wenn wir unS bemühten, der heiligen Lehre und der heiligen Sprache die Herzen wieder zuzuführen. Lasset von der thörichten Mode ab und haltet euch an euer uraltes Panier, damit ihr zusammen bleibet, wenn es finster wird, und erkannt werdet an dem großen Tage der Rechenschaft über den Bund Gottes, und die sich abgewandt haben, zurückkehren und das Signal der Treue und der Rückkehr werde das Wahrzeichen an der Hand und zwischen den Augen. Unter solchen Ausspicien den Abfall vom überlieferten, historischen Judenthum und die Jnstallirung des in Verruf gerathenen Reformjudenthums in 22 Gemeinden zu vollziehen, das ist ein schwerer chronologischer Fehler, in einer Zeit, in der wir Zusammenhalten sollten, nicht weil es finster wird, sondern weil es bereits finster geworden ist! Daß diese Erkenntniß sich auch in vielen solchen Kreisen des jüdischen Westphalens Bahn gebrochen hat, die nicht auf dem Boden des gesetzestreuen Judenthums stehen, dafür liegen uns mehrere beachtungswerthe Kundgebungen vor. Leute von ganz radicaler religiöser Anschauung halten es für eine Gefahr und daher für ein Verbrechen, heutzutage zu solchen Reformen die Hand zu bieten. Dieselben haben sich deßhalb theils dem Verbände nicht angeschlossen, theils beobachten sie selbst innerhalb des Verbandes eine diesen Bestrebungen gegensätzliche Haltung. Möge es dem Einfluß dieser Elemente gelingen, den gegen unser gemeinsames Heiligthum erhobenen Arm zurückzuhalten! — Für die Bekenner des gesetzestreuen Judenthums bedeutet diese Einführung des Reformjudenthums in die Gotteshäuser den Bruch des Gemeindefriedens. Sie können weder an einem Gottesdienste theilnehmcn, noch können sie fernerhin überhaupt Mitglieder solcher Gemeinden bleiben. Auch der der letzte vereinzelte Jude wird sich lieber auf seinen Familienkreis beschränken, als fernerhin zu einem Gemeinwesen zählen, welches das Kajtnszeichen des Abfalls an der Stirne trägt und dasjenige der Verleugnung und Verachtung überweist, was uns und ihm als das Allerheiligste gilt, wofür wir das Leben und alle seine Güter einsetzen. Noch ist es nicht zu spät das Geschehene rückgängig zu machen! Möge die Mahnung dazu nicht unerhört verhallen! »Vnw ms ‘r. “j'jsb 'ab vorn 's no« ytm^ i*n* Sonder-Abdrücke dieses Aufrufs stellen wir unfern Lesern in Weftphalen in beliebiger Anzahl kostenlos zur Verfügung. Red. d. „Israelit." Zeitungsnachrichten nud Correspoudenzerr Deutschland. Berlin. Vor einiger Zeit ging durch einen Theil der Presse die Notiz, der oberste Reltgionsvolsteher (Chachambascht) der Juden Palästinas und ihm nach die sämmtlichen Synagogen-Vorsteher hätten das strenge Verbot erlassen, daß kein Jude irgend etwas bei einem muhamedantschen oder chrtst-