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Der Israelit · 1894-08-30 · Heft 69 (30.8.1894) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 69 (30.8.1894)
Date
1894-08-30
Page
– (sequence 20)
Language
German
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1300 den Gedanken durchführte, daß die Juden in Oesterreich den Trostsabbat nicht nur in Beziehung auf die geschichtliche Vergangenheit des jüdischen Volkes, sondern auch in Beziehung auf die Gegenwart zu feiern Ursache haben, da für sie unter der glorreichen Regierung des Kaisers Franz Josef I. die finstere Nacht früherer Jahrhunderte geschwunden und ein neues, belebendes Licht für sie angebrochen sei. „Und wenn auch" — so fügte er mit einer unverkennbaren Anspielung auf den Antisemitismus hinzu — „noch manche Wolke den Himmel verdeckt und das Licht verdunkelt, so müsse doch im Herzen die Hoffnung lebendig bleiben, daß unter der gerechten Herrschaft und dem milden Scepter des Kaisers btc Sonne siegreich durchbrechen und alle die drohenden schwarzen Gewitterwolken verscheuchen und in Nichts zerstieben werde." Literarischer Wericht. jYW Sammlung von Recitativen. Emgesutirt in Frankfurter Synagogen, nach dem Gehör ausgezeichnet und veröffentlicht durch P. Klibansky, Cantor der Westen dsynagoge daselbst. I Abendgottesdienst für Sabbat und Scholausch Regolim. Verlag vonJ. Kaufs mann, Frankfurt a. M. Preis 2 M. 40 Pfg. Ein ebenso verdienstvolles als interessantes Werk hat Herr P. Klibansky, Cantor zu Frankfurt a. M., in dem bewährten Verlage von I. Kauffmann daselbst erscheinen lassen. Mir liegt der l. Tbeil „Abendgottesdienst für Sabbat und Scholausch Regolim" vor. Kaum ein Zweig des großen kunst- und kulturgeschichtlichen Gebietes ist von den Forschern so andauernd und vollständig unbeachtet geblieben, wie der altjüdische Synagogengesang. Erst in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts hatte man sich bemüht das nachznholen, was man bis dahin versäumt hatte. Eine große Anzahl von Werken und viele Composüionen erschienen, die den Cantoren in der Ausübung ihres Berufes eine Stütze sein sollten. Jedoch von all diesen liturgischen Gesangswerken haben sich nur wenige bemüht, die in Deutschland gebräuchlichen Synagogenrecitative. die sich siit Jahrhunderten in vielen jüdischen Gemeinden Deutschlands erhalten haben, zu sammeln und zu veröffentlichen. Nicht als Reformatoren des^Synagogengesanges sollten meine Herrn Collegen wirken, sondern fleißige Sammler der herkömmlichen herrlichenHWeisen, sollten sie sein. Wie anders wäre es mit den traditionellen Melodien bestellt! Es wird wohl von allen deutschen Cantoren ein Werk mit Freude begrüßt werden, das dazu bestimmt ist, den „heimatlichen Klängen", die seit unserer Jugend uns erfreuen und viele Jahrzehnte lang unseren Vätern Trost und Erquickung beim Gebete spendeten, weitere Kreise zu erschließen. Die Recitative des „Kaul Jeschurun" enthalten Gediegenes, entsprechen sehr dem Texte, dem sie angepaßt sind. Dieses, denke ich, muß doch bet dem Vortrage und für den Vortragenden das Wichtigste sein. Mit großer Gewissenhaftigkeit hat der Herausgeber die richtig grammatikalische Deklamation des Wortes beachtet und die Recitattve in musikalischer Beziehung correct niedergeschrteben. Das Werk ist in schönster Weise ausgestattet und ist es einem Jeden infolge des niedrigen Preises möglich, sich in den Besitz dieser trefflichen Sammlung zu setzen. Hoffentlich läßt der Herausgeber die nächsten Fortsetzungen baldigst folgen. Das einleitende Vorwort gibt genügend Zeugniß, daß es der Autor mit seiner Sammlung sehr ernst meint. Möge das Streben des Autors von den besten Erfolgen gekrönt werden und überall die rechte Würdigung erfahren. Mögen meine deutschen Kollegen, denen ich die Anschaffung des „Kaul Jeschurun" auf Angelegentlichste empfehlen kann, sich dasselbe anekgnen. Ein deutscher Cantor: St. > Vermischtes. < Frielendorf, Reg. Bez. Cassel 29. Juli. (Verspätete Einsendung.) In der Mitte v. M. (Juni) ließ eine hiesige christliche Bürgerfamilie einem jüdischen Schulknaben dahier ein mit Prachteinband, Goldschnitt, Namen und Widmung in Goldprefsung ausgesiattetes hebräisches Jahresgebetbuch rwn 7DD "WiiD in 2 Bänden durch ihren Sohn, Alterskamerad von jenem, als Confirmationsgeschenk überreichen. Der Vater derselben Familie verbürgte sich einige Monate zurück mit seinem Gesammtgrundeigenthum für eine arme jüdische Wittwe gerichtlich zwecks Erhebung einer Erbschaft in Amerika die ihren, von ihr bevormundeten Kindern zugefallen ist. — Wohl auch ein Zeichen der Zeit! Briefkasten der Redaction. F. in F. Aufnahme erfolgt in aller Kürze. Briefkasten der Expedition. L. W. B. 8. Betrag empfangen (Eso. 182). vau M. in Firzowik. Betrag empfangen. Gewünschtes erscheint demnächst.

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