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Der Israelit · 1894-08-30 · Heft 69 (30.8.1894) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 69 (30.8.1894)
Date
1894-08-30
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1284 den durch Toaste auf die Ehrengäste, den Gemeindevorstand, dasFest-Comitö, die Damen, den Festredner (auf diesen durch den Herrn Landrath) u. s. w., so wie durch Gesänge und Vorträge heiteren Genres ausgefüllt. Erst mit Tagesanbruch endete die schöne Feier und voll der wohlthuendsten Eindrücke schieden die auswärtigen Gäste von der freundlichen Stadt an der A a. welche nach dem furchtbaren Brande im Jahre 1863 wie ein Phönix aus der Asche zu neuem Glanze emporstieg und nicht nur durch die Pracht ihrer Straßen und Bauwerke, sondern mehr noch durch die Toleranz und Edelsinn ihrer ersten, den verschiedenen Confessionen angehörenden Bürger, welche alle in Frieden und ungetrübter Eintracht hier nebeneinander leben, glänzt — ein lieblicher Stern unter den Städten des gottgesegncten Münsterlandes. L. Cohen—Rees. Berlin, 25. August. Ahlwardt macht neuerdings Geschäftsreisen in Pommern. In dem kleinen Ackerstädtchen des Wahlkreises Randow, Greifenhagen, wo er am letzten Donnerstag einen Vortrag über die Judenfrage halten wollte, hat, dem „Berliner Tageblatt" zufolge, ein Lehrer in der Unter-Tertia des Gymnasiums gesagt: „Wer Donnerstag zum Vortrage geht, dem sind die Arbeiten für Freitag erlassen. Ich hoffe, viele von euch mit den Eltern dort zu sehen." Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 20. Aug. Pfarrer Leopold Scherzer, der sich in Wien als Cooperator der Pfarre Margarethen in Wien durch seine Theilnahme an der antisemitischen Agitation der christlich-Socialen auffallend bemerkbar gemacht hatte und der vor einigen Wochen unter verdächtigen Umständen aus seinem Pfarrorte Schrick bei Mistelbach verschwand, ist nunmehr in Wien ausgeforscht, verhaftet und in ftrafgcrichtliche Untersuchung gezogen worden. Das Kreisgericht in Kornenburg hat nämlich über dcnsUbcn die Untersuchung wegen dringenden Verdachtes dls Verbrechens der Veruntrenung eingelerter und die hiesige PoltzeiDlrection mit Rücksicht auf den Umstand, daß der Beschuldigte seit einiger Zeit in Wien weilt, um die Vornahme seiner Verhaftung ersucht. Pfarrer Scherzer wurde heute Nachts von Delectives im Hause Nr. 14 der Hechtengasse auf der Wieden, wo er, ohne sich polizeilich gemeldet zu haben, wohnte, ausgeforscht und in Haft genommen. Pfarrer Scherzer wird beschuldigt, Waisen- und Snftung»g«lder, die sich in seiner Verwahrung befanden, sich wiederrechtlich angeeignet zu haben. Vormittags wurde der Jnhaftirte zunächst dem hiesigen Landesgerichte eingeliefert, welches ihn dem requirirenden Strafgerichte überantworten wird. Italien. Rom, 22. August. Der päpstliche „Osservatore Romano“, der bekanntlich uns Juden nie hold war, hat jetzt einen neuen Fehler an unS entdeckt, und wären wir nun nach ihm auch mit dem Größenwahne (Megalomania) behaftet. Vor einigen Tagen veröffentlichte er nämlich unter der Ueberschrtft Megalomania de Ebrei“ („Größenwahn der Juden") eine Correspondenz aus Wien, in der man uns Juden mit Gewalt den Antheil, den wir d. h. unsere spanischen und portugiesischen Glaubensgenossen an der Entdeckung Amerikas gehabt, streitig machen will und werden alle von Dr. Kaiserling in seinem jüngst erschienenen ^Ollrrntopber Columbus and the Jews in the Spanish and Portuguese diseoveries“ („Christof Columbus und der Antheil der Juden an den Entdeckungen der Spanier und Portugiesen") diesbezüglich gelieferten Nachweise und aufgestellten Behauptungen theils lächerlich gemacht, theils als unwahr geschildert. Nun muß der „Osservatare“ die Kränkung erleben, daß das genannte Werk Dr. Kaiserltng's selbst von spanischen und portugiesischen Blättern als eine vortreffliche und wahrheitsgetreue Arbeit geschildert wird. Und diese Blätter wird der „Osservatore“ sicherlich nicht Judenblätter nennen! Wie verlautet, wird hier am kommenden Simchat-Thorafeste dir erste Confirmatton von Mädchen stattfinden, da unser Oberrabbbiner Moses Levi Ehrenretch mit einem Eifer, der einer befferen Sache würdig wäre, für die Einführung dieser Ceremonie hier wirkt. Die Confirmatton soll nun, weil sie die erste in Rom sein wird, unter besonderer Feierlichkeit stattfinden. Rom will eben in dieser Hinsicht den anderen Gemeinden Italiens nicht nachstehen, die schon längst diese Ceremonie, trotz des Wtederspruches der Orthodoxen, die auf das talmudische: po anpnrfc myn nw* hinwtesen, adoptirt haben. Leider ist die Anzahl der Orthodoxen in der ehemaligen nod nwnp nVnp jetzt eine sehr geringe vInv' ijni. Türkei. Philippopel, 20. August, twrfc nnsvn. So lange die Bulgaren Ostrumeliens unter der türkischen Herrschaft waren und daher von ihren mohamedanischen Mitbürgern und theilweise auch Vorgesetzten viel zu leiden hatten, da kannten sie Judenhaß fast gar nicht, da sie in den Israeliten ihre Letdensgenossen sahen. Erst mit der Wiederhestellung des Fürstenthums Bulgarien, wo sie wieder zur Macht gelangten, begann der Haß der Bulgaren Ostrumeliens gegen die Juden zu keimen

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