Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 68 (27.8.1894)
- Date
- 1894-08-27
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1275 Herstellung der jüdischen Gemeinde und ihrer Vereine mittheilt, beruht auf persönlicher Kenntnisnahme don den Verhältniffen und auf dem Spezialstudium eines Schriftthums, dessen Reichhaltigkeit man aus dem beigefügten Register ersteht. Im Anhänge werden folgende Einzelheiten behandelt: Von den Gemeindebüchern Verzeichniß der Mitglieder der Congrega in den Jahren 1617 und 1729. Die Synagoge dats.1s.u3. -ins'vrr als Bezeichnung für Papst (welche zum ersten Mal ihre richtige Erklärung findet). Paulus Eustachius. Debora Ascarelli. Elia-Verein. Aus der Pragmatik vom Jahre 1726. Märtyrer. Die jüdischen Frauen. Verhaftungen von Mitgliedern der Verwaltung. Zur Statistik der Gemeinde. Aus der Rede Am brosoli's (eines Geistlichen aus dem Jahre 1848, welche noch heute die weiteste Verbreitung verdiente). Samuele Alatri (dessen Manen dieser Thetl des Buches gewidmet ist). Giacomo Alatri. Nachbemerkungen. — Wir nehmen von diesem so inhalts- und lehrreichen Buche mit den Worten am Schluffe desselben Abschied: „Man bewundert heute noch die stolzen Bauten Egyptens, jene gewaltigen Pyramiden, welche Jahrtausende auf die Menschen herntederfchauen. Wahrlich ein größeres Wunder ist jeder Bekenner des Judenthums, der noch unter den Lebenden wandelt, trotz Jahrtausenden und trotz Hunderttausenden Dränger und Bedrücker. Und der Wunder größtes bleibt die jüdische Gemeinde in Rom als lebendiges Zeugnis für das Walten Gottes in der Geschichte!" Wünschen wir diesem unermüdlichen Arbeiter im Dienste der Wissenschaft, daß es ihm noch lange vergönnt sein möge, gleich dem eifrigen Bergmanne, solche noch im Dunkel verborgenen Geistesschätze ans Tageslicht zu fördern — seinen zahlreichen Freunden und Verehrern zur Freude, allen Pflegern der Wiffenschaft zur Bewunderung! Zeitnugsuachrichteu und Corresponderrzeu. Deutschland. Berlin. Pastor Julius Werner aus Beckendorf ist ein großer Judenfresser vor dem Herrn. Von ihm erzählt der „General-Anz." für Oschersleben (Nc. 33. 18. August) folgendes Histörlein: Beckendorf. Am 28. v. Mts. starb in Neindorf bei Beckendorf nach zweijährigen schweren Leiden die Frau des Arbeiters E. Letzterer erfuhr, daß der Pastor Werner in Beckendorf, welcher auch die Pfarrstelle in dem fünf Kilometer entfernten Neindors versieht, seit mehreren Tagen wieder verreist sei, und da er gern der Verstorbenen die übliche Grabrede halten lassen wollte, sah er sich genöthigt, dem Herrn «and. theol. Bottz, jetzt Hauslehrer auf Jacobsberg bei Neindorf, darum zu bitten. Dieser war dazu gern bereit. Als E. nach der Leichenfeier Herrn Boitz fragte, was er ihm schulde, wies der Herr Candidat jede Bezahlung mit dem Bemerken zurück, daß er lediglich dem abwesenden Pfarrer einen Gefallen erwiesen habe. Der Mann bedankte sich für die tröstenden Worte am Grabe und fragte am nächsten Sonntag anständiger Weise auch Herrn Pastor Werner, ob er ihm etwas für die Leichenrede, welche Herr Boitz gehalten hatte, schulde, in der Ueberzeugung, daß der Pastor Werner von ihm armen schwergeprüften Manne in diesem Falle nicht noch etwas nehmen würde. Herr Pastor Werner forderte jedoch für die von Herrn Boitz gehaltene Leichenrede sechs Mark, welche auch der Arbeiter E. bezahlt hat, obwohl es ihm gewiß schwer geworden ist. Denn in der langen Krankheit seiner Frau hat er fast sein ganzes Hab und Gut, sogar die Betten verkaufen müssen, so daß er jetzt des Nachts nur auf einem Strohlager ausruhen kann- — Ob diese Handlungsweise christlich ist und ob dieselbe geeignet ist, der Sozialdemokratie den Boden zu entziehen? Das Nachdenken hierüber überlassen wir unfern Lesern, wir wollen nur noch bemerken, daß Herr Pastor Werner vor etwa drei Jahren von Hohenthurm bei Halle nach Beckendorf bei Oschersleben versetzt ist und daß es derselbe ist, der in verschiedenen Städten Deutschlands als antisemitischer Redner auftritt, und über die Verderbtheit und Geldgier der Juden wettert!! Rußland. Wefeuborg in Esthland, im August. Der Monat Ab ist nun auch für unsere kleine Gemeinde verhängnißvoll geworden. Ein Erlab unseres Statthalters fordert die hier lebenden Juden auf, die Stadt zu verlassen und stch eine neue Heimat zn gründen. Nur sieben jüd. Familien ist der fernere Aufenthalt für ein Jahr gestattet, worauf auch sie zum Wanderstabe greifen werden müssen. Den Juden hier wurde zugleich gerathen, jedes Gesuch an den Statthalter oder an den Czaren, um ihnen den ferneren Aufenthalt hier zu gestatten, als nutzlos zu unterlaffen. > vermischtes. -4- Die Stellung der Jude« 1« der Crimiualstatistik. Professor Dr. Alois Zucker veröffentlicht im tschechisch-jüdischen Kalender einen Artikel über die Stellung der Juden in der Criminalstatistik, in welchem er ausführt: Ueber die Bedeutung statistischer Zahlen ist es nicht nöthig Worte zu verlieren. Jede Rhetorik verliert an Werth und Gewicht gegenüber trockenen Zahlen, die diese oder jene sociale Erscheinung erweisen. Auf solche officielle Ziffern berufen wir uns zur Abwehr gegen die Vorwürfe, als ob die Juden die giltigen Gesetze und Moralvorschriften nicht befolgen würden. Sprechen wir vorerst über Oesterreich: An der Gesammtzahl der Bevölkerung sind betheiligt: Katholiken mit 91 Percent, Griechen mit 2,2 Percent, evangelische mit 1,8 Percent und Juden mit 4,5 Pereent. Diese Glaubensbekenntnisse sollten daher mit einer gleichen Ziffer an der Verübung strafwürdiger Handlungen, insbesondere von Verbrechen parttcipiren. An Berurtheilungen für Verbrechen sind jedoch betheiligt: Katholiken mit 92 Percent, Griechen mit 2,9 Percent, Evangelische mit 1,5 Percent und Juden mit 3,5 Percent, daher um ein ganzes Percent weniger, als nach der Zahl der Bevölkerung jüdischen Glaubens auf selbe entfallen sollte. Diese Erscheinung ist um so erfreulicher, als die Begehung von Verbrechen, insoweit es sich um