Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 68 (27.8.1894)
- Date
- 1894-08-27
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Als aber der Mann schwören sollte, da trat er bis dicht zu dem Erzbischof heran und sprach: „Herr Erzbischof, was ihr uns vorhin gesagt habt über den falschen Eid, das mag ja wohl richtig sein und gut bet einem Eide, den man gegen Christen leistet, aber bei einem Eid, bei dem es sich um Juden handelt, da geht doch dies nicht wohl an." „Mensch," rief der Erzbischof, „wer hat dich solche Ketzeret und Abgötterei gelehrt! — Ein Eid ist ein Eid, ob du ihn nun gegen Juden oder Christen geleistet. Du schwörst hier vor einem von Gott eingesetzten Gericht, und wenn du falsch schwörst, so bist du zur ewigen Höllenftrafe verdammt." „Wenn es so ist," wendete sich der tölpelhafte Bauer an sein Weib, „dann dürfen wir ja überhaupt nicht falsch schwören." „Still doch! Still doch!" flüsterte die Frau, „sage was man von Dir verlangt, oder Du wirst schwer bestraft werden für falsches Zeugnis. Der Pater Franziskus hat uns ja zugesichert, daß er uns für alle Sünden und auch für den falschen Eid Absolution ertheilen wird." Der Erzbischof hatte aber die Worte gehört, die der Mann gesprochen und er sprang von seinem Stuhl herunter, nahm das Kreuz, das er im Gürtel trug von seiner Seite und hielt es dem Mann vor das Angesicht. „Du hast falsches Zeugnis abgelegt," rief er, „und Dein Weib hat falsch geschworen, bekenne Deine Schuld, damit Dir vergeben werde." Da sank der Mann in die Kniee vor dem Erzbischof und stammelte: „O Herr schütze mich vor Strafe, ja es ist wahr, ich habe falsches Zeugnis abgelegt, aber ich konnte nichts dafür. Der Pater Franziskus, der dort steht, Ihr seht ihn, der hat mir Absolution versprochen für alle meine früheren und zukünftigen Sünden, wenn ich durch mein Zeugnis veranlasse, daß die beiden Juden getödtet würden." „Pater Franziskus trete vor," rief der Erzbischof. Zitternd trat der Pater seinem hohen Vorgesetzten gegenüber. „Ist es wahr, wessen Dich jene Leute anklagen," frug der geistliche Würdenträger. „Herr," entgegnete Franziskus „ich habe es in guter Absicht gethan." „So mögst Du verderben und zu Grunde gehen," schrie der edle Erzbischof. „Ihr aber, Oberrtchter sprecht Euer Urtheil." Nach den geschilderten Vorgängen brauchen wir wohl kaum noch zu erzählen, daß Rabbi Jehoschua und seine Tochter unter dem Jubel des ganzen Volkes frei gesprochen wurden, während man die falschen Zeugen und den Pater in das Gefängnis führte. In das Schloß zurück gelangt, wartete nun Esther Tag für Tag auf ihren Bräutigam. Sie hoffte, daß er allein kommen werde, um sie fort zu führen aus dem Schlosse zu einer frohen und glücklichen Ehe. Elischa aber kam nicht. _(Fortsetzung folgt.)_ Wochen - Kalender. Donnerstag, 30. August, 28. Menachem Ab. svp 2"’ Freitag, 31. August, 29. Menachem Ab. Sabbat-Ansang in Mainz 6 Uhr 35 Min. (ML E. Z.) Samstag, 1. Sept., 30. Menachem Ab. n"VI 'X Dr HN1 Sabbat-Ausgang in Mainz 7 Uhr 55 Min. (bl. E. Z.) Sonntag, 2. Sept., 1. Elul. pyp-m n"~n '2 er Der „3*r«eIit" erscheint wöchentlich zweimal, Montag- und Donnerstag-, jedesmal in mindestens zwei Vogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich IS Reichs-Mark, für's Ausland 18 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch te» Fachhandel M bestrhr« bet <. F. Klrtnacker, tripstg. Frßplah IS. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Eours. — Direkte Francozusenbung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für'S Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Eine Rücksendung No« an die Redaetio« eingesandten Manufcripten findet nicht statt, «an bittet deshalb fich von allen Einsendungen eine Copie znrürkznbehalten. Inhalt (Hanptblatt): Leitender Artikel: Die Wahrhaftigkeit und die Ethik des JudenthnmS. Von Rabbiner Heinrich Galandauer in Soborten (Böhnlen). — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Kattowitz. — Rußland. — Afrika: Tunis. — Vermischtes. — Feuilleton: Esterka, Königin von Polen. Historische Erzählung von Hugo Freund (Fortsetzung). Inhalt der Beilage: Leitender Artikel: Die Juden in Rom. — Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Deutschland: Berlin. — Rußland: Wesenborg. — Vermischtes. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Rr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbirchdrnckerei-Actlen-Gesellschaft in Mainz. Hierzu eine Beilage.