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Der Israelit · 1894-08-27 · Heft 68 (27.8.1894) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 68 (27.8.1894)
Date
1894-08-27
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1271 als die authentischste Quelle, in der Annahme daß in erster Linie bei ihnen ein so ärgerniherregender Vorgang hätte zur Anzeige gebracht werden müssen- Aber weder im Polizeibureau noch bei der Amtsanwaltschaft konnte die Meldung des antisemitischen Blattes bestätigt werden. Es waren, soweit es sich in die letzte Zeit verfolgen ließ, verschiedene Fälle von Thierquälerei bei genannten Behörden angezeigt worden, in denen es samt und sonders nur „Deutsche" waren, die sich „des Viehes nicht erbarmt" hatten. Also ist die obige Meldung gänzlich aus den Fingern gesogen und nur ein Glied in der langen Kette unberechtigter Verläumdungen und Verdächtigungen. Von der Wahrheitsliebe der Crefelder ..Deutschen Zeitung", die übrigens nur in dem intimsten Kreise ihrer Gesinnungsgenossen ein kümmerliches Dasein fristet, könnte ich Ihnen, falls Sie es wünschen, ein Pröbchen geben: Noch jüngst sprach sie gegen einen hier wohnhaften armen Hausirer eine böse Verleumdung aus, die sie nachher als gänzlich unbegründet znrückzunehmen gezwungen war. Kempen (Posen), 19. August. Unser Rabbiner Dr. Münz hat seit einigen Wochen in hiesiger Gemeinde eine □’inn ’pHSD n~on, einen Verein von Männern und Jünglingen gegründet, die unter Leitung des genannten Rabbiners dreimal wöchentlich '“tim ü'tjin und die dt“ aus dem „Lissaer Sidur" lernen, der Verein hat sich jedoch größere Ziele gesteckt. Hoffentlich wird der Verein innerlich wie äußerlich zum Ruhme Gottes wachsen und gedeihen! — In dir „Zeitschrift des deutschen Palästina-Vereins" ist eine Zusammenstellung des „Gegenwärtigen Bestandes der jüdischen Kolonien in Palästina erschienen, welche auf einer genauen und umfangreichen Benutzung aller zugänglichen Quellen beruht. Zum ersten Male gewinnt man einen wirklichen Ueberblick über den besonders seit Anfang der achtziger Jahre bedeutend gewachsenen Besitzstand der Juden im Lande ihrer Väter. Die gesammte jüdische Bevölkerung Paläüinas belief sich nach der Zusammenstellung auf 64,944 Seelen mit einem ihr gehörigen Are^l von 61/j Ouadratmeilen, während Palästina aus 395 Quadratmeilen geschätzt wird. Einige der aufgesührten israelitischen Kolonien bestehen schon über zehn Jahre und weisen zum Theil recht bedeutende Pflanzungen auf. Kettilleton. Estrrka, Königin von Voten. Historische Erzählung von Hugo Freund. 25.) (Nachdruck verboten.) Der Oberrichter frug die Angeklagten: „Nennt ihr diese Leute, habt Ihr sie früher einmal gesehen, oder lebt Ihr in Feindschaft mit ihnen?" Esther warf einen langen Blick auf das Weib, dessen Worte sie in den Tod bringen sollten. „Nein," sagte sie dann mit ersterbender Stimme, „niemals habe ich diese Frau gesehen. Gott möge ihr vergeben, was sie uns schweres und böses thut." „Und seid ihr bereit, eure Aussage zu beschwören?" wandte sich nun der Richter an das Weib. „Ja, ja, wir sind bereit zu schwören," rief diese. „Nun haben wir noch einen andern Zeugen zu vernehmen. Ein Leibeigner Gregorsky hat sich gemeldet und hat ausgesagt, daß das im Walde todt aufgefundene Kind sein eigenes gewesen sei, das kurz zuvor gestorben und das er dem Kloster zur Bestattung übergeben habe. Dieser Mann soll vortreten und soll seine Aussage vor uns wiederholen." Aber nichts regte sich, niemand trat in die Schranken des Gerichts. Da ließ der Oberrichter den Herold in die Trompete stoßen, und ließ cs laut hinaus rufen in alles Volk, daß der Zeuge kommen möge, mit Namen Gregorsky, der auszusagen hätte zu Gunsten der Angeklagten. Aber wiederum blieb alles still, und noch zweimal ließ der Oberrichter die Aufforderung wiederholen, aber es kam niemand. Gregorsky war mit dem König fortgezogen gegen die Russen, um sich die Freiheit zu erkämpfen. Hatte doch niemand gedacht, daß zu dieser Zeit das Gericht stattfindm würde, das thalsächlich nur durch das Drängen einiger Mönche veranlaßt worden war. „Run denn," rief der Richlcr zu jenem Weibe, das die Tötung des Kindes mit angesehen haben wollte, „so tritt vor und lege deine Hand auf den Tisch und schwöre, du und de!.-: Gatte." Feierliche Stille entstand in der Menge und alles blickte gespannt auf die Zeugen. „Halt!" rief der Erzbischof von Gnesen, ,,ehe diese Leute den Schwur leisten vor dem allmächtigen Gott, erlaubt mir noch ein Wort an sie zu richten. „Wißt Ihr auch Leute, was ein Eid bedeutet? Nicht ist es wie mit einer Lüge, die sich der Mensch einem andern Menschen gegenüber gestattet, um ihn zu überlisten. „Wer einen falschen Eid leistet, der ist unbedingt und ohne Erbarmen dem Satan verfallen, und wenn er sonst noch so fromm und gottesfürchtig war, so genügt diese eine Sünde, dieser eine ungeheure Mißbrauch des göttlichen Namens, ihn zu verdammen für nun und alle Zeiten. Und wenn Ihr euch dieses voll bewußt seid und nach besten Wissen schwören könnt, so tretet vor in die Schranken." Da trat das Weib hervor in die Schranken, der Mann aber blieb zurück. „Warum zitterst du, Mann," rief der Erzbischof von Gnesen, „hast du doch ausgesagt, du habest mit deinem Weibe zusammen jene Schandthat mit angesehen. Entweder ihr beide müßt den Eid zu leisten im Stande sein, oder ihr seid beide falsche Zeugen und keiner von euch darf schwören." „So komm doch," rief das Weib ihrem Manne zu. „Komm vor und leiste den Eid, wie ich ihn leiste." Zögernd folgte der Mann seinem Weib, und das Weib hob seine Hand gen Himmel und leistete den Eid, den man von ihr verlangte.

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