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Der Israelit · 1894-08-27 · Heft 68 (27.8.1894) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 68 (27.8.1894)
Date
1894-08-27
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1270 Geldunterstützungen anzugehen. § 14. Die in § 12 erwähnten Emigranten, erhallen unentgeldlich ihren Emigrationspaß, werden aus der Militärliste gestrichen, von der Zahlung rückständiger Steuern entbunden und bekommen Fahrkarten für die russischen Eisenbahnen, sowie Schisfskarten zu einem ermäßigten Preise, gemäß dem Nebereinkommen der „Association zur Gründung jüdischer Colonien in Argentinien" mit der russischen Eisenbahn-Verwaltung und den Schiffsgesellschaften. Afrika. Tunis, im August. Die materiell»' Lage der hier lebenden Juden — in der Stadt Tunis gibt es bei 40,000 Juden und wird ste daher mit Recht eine oni -vy genannt — hat sich fett Monaten bedeutend geändert, und zwar zum Guten, denn unsere Stadt ist so zu sagen über Nacht eine Hafenstadt geworden und kommen auch schon die größten Seedampfer hierher, wodurch Handel und Wandel hier neuaufleben. Die Stadt Tunis liegt, wie aus der Geschichte doch bekannt ist, auf den Ruinen der von den Römern zerstörten phönicischen Handelsstadt Karthago oder wie die Griechen sie nannteu Karchedon. (Die Phönicier d’jj/jd, welche diese Stadt gegründet, nannten sie eigentlich smp Nmn d. h. Neustadt, was die Römer in Karthago corrumpirten.) Damals besaß Karthago auch einen großen Hafen, der aber im Laufe der Jahrhunderte durch Vernachlässigung und andere Umstände ganz versumpfte und verödete. Jetzt haben die Franzosen diesen Hafen ausgebaggert und die Seeschiffe brauchen nicht mehr, wie früher, in Goletta anzulegen, sondern können direct bis vor die Häuser der Stadt kommen und hier ihre Waaren ein- und ausladen. Im Hafen finden nun Hunderte von armen Juden Beschäftigung, während die reichen Juden sich wieder direct am Weltverkehre betheiligen und sogar auch Schiffe mit Waaren versenden und auch empfangen können. Leider, daß durch den neu hier aufgelebten Seehandel die Sabbatruhe hier nicht mehr so strenge gehalten wird, wie früher, denn die Schiffe kommen und gehen am Samstag wie an einem andern Tage und geben so unserer Geschäftswelt vielfachen Anlaß die Heiligkeit des Tages zu entweihen. — Aber auch ein anderer Umstand verursacht, daß der Glaube hier stark abnimmt. Früher waren nämlich die zwei gangbarsten Sprachen unter den Juden das Arabische und dann das Spaniolifche (mcD.) Jetzt aber spricht fast jeder junge Mann hier französisch und sucht seine Zerstreung in der Lectüre der sattsam bekannten französischen Romane, deren Gift auf unsere Jugend übertragen wird. Gibt es doch hier in unserem Judenviertel schon französische Leihbibliotheken und die jüd. Jugend hier drängt sich zu den Vorstellungen im französischen Theater und lernt dort den Glauben und die guten Sitten verspotten. Vermischtes, Das „Großherz. Hessische Regierungsblatt" Nr. IO vom 8. September 1819 enthält folgenden „Erlaß, polizeiwidrige Angriffe gegen Israeliten betreffend", welcher auch in unseren Tagen Erneuerung und — Beherzigung verdiente: „Eine schmerzliche Erfahrung hat gelehrt, daß die unwürdigen und strafbaren Unternehmungen, welche sich der Pöbel in einem deutschen Orte gegen die Rechtssicherheit der Israeliten erlaubt hat, als ansteckendes Beispiel auch auf andere deutsche Orte zu wirken vermochte, so wenig man auch dieses in einem Zeitalter hätte erwarten sollen, in welchem man mit Auiklärung und liberalen Gesinnungen so gerne zu prunken pflegt. In dem Umfange des Großherzogthums haben zwar bisher nur noch wenige und unbedeutende Unordnungen dieser Art stattgefunden und bei den stattgefundenen hat man die angenehme Bemerkung zu machen Gelegenheit gehabt, daß kein solider, rechtlicher Bürger und achtbarer Familienvater Antheil genommen hat; es bleibt aber immer heilige Pflicht der höchsten Staatsregierung, durch kräftige Maßregeln dem ferneren Entstehen aller solcher Unordnungen vorzubeugen und dadurch den Schutz der Rechte zu bewähren, aus welchen jeder Angehörige des Staats, ohne Unterschied der Religion und des Standes, gleichen Anspruch hat. Aus dieser Rücksicht haben seine Königliche Hoheit der Großherzog, gnädigst zu verordnen geruht, daß in Zukunft für jeden Schaden, welcher den Israeliten, bei Zusammenrottungen und Aufläufen zugefügt werden würde, die Genreinden, vorbehaltlich ihres Rückgriffs gegen die Schuldigen, verantwortlich sein sollen. Indem man diese allerhöchste Entschließungen hierdurch zur Kenntniß des Publikums bringt, bemerkt man zugleich, daß mau auch ferner darauf vorzüglich rechne, daß die Familienväter fortfahren werden, ihre Hausangehörigen, Kinder, Untergebene und Dienstboten auf das Unvernünftige, Verächtliche solcher Ausbrüche des Haffes, oder eines gefährlichen Muthwillens aufmerksam zu machen, und man glaubt, daß der vernünftigere Theil des Publikums in jener^ Entschließung ein kräftiges Mittel zur Unterstützung der häuslichen Zucht erkennen werde, indem nunmehr der Unbesonnenste begreifen lernert wird, daß die nachtheiligeu Folgen der Störung der öffentlichen Ordnung nicht die ausgewählten Opfer treffen, sondern vielmehr auf ihn selbst und auf diejenigen zurückfallen werden, mit welchen er innig verbunden ist. Darmstadt, den 4. September 18 l9. Aus besonderem, allerhöchsten Aufträge Großherzogliches Hessisches Geheimes Staats-Ministerium, v. Grolman. v. Wreden. Frhr. von Gruben, v. Stumpfs. (Bericht der „Mittheilungen.)" Prof. Försters „Freideutschland" brachte am 20. Juli folgende Notiz: Krefeld. Wie die „Deutsche Ztg." mittheilt, haben sich zwei Juden eine kaum glaubliche Tierquälerei zu Schulden kommen lassen, indem sie eine Katze furchtbar mißhandelten und schließlich völlig auseinanderrissen. Als ein herzukommender Deutscher, ein sehr geachteter Bürger, die Juden wegen ihrer Rohheit zur Rede stellte, wurde er von den frechen Fremdlingen noch beinahe geschlagen. Die Thierquäler sollen zur Anzeige gebracht werden. Das ist ja grade einer der Hauptunterschiede zwischen Deutschen und Juden, der Deutsche erbarmt sich auch des Viehes, der Jude nicht einmal der Mitmenschen — er sei denn „sein Nächster" d. h. ein Stammesgenoffe. Die „M. d. V. z. A. d. A." erhalten dazu folgende authentische Nachricht: Ich theile Ihnen ergebenst mit, daß ich zunächst innerhalb der israelitischen Gemeinde selbst genaue Erkundigung einzog, weil dort unbedingt von einem solchen Vorkommnisse etwas hatte zu Ohren kommen müssen. Da aber daselbst von einer von Juden verübten Thierquälerei nichts bekannt gewesen war, wandte ich mich an die Behörden,

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