Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 68 (27.8.1894)
- Date
- 1894-08-27
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1267 den Unterschied zwischen Ariern und Semiten auszuhecken d) Selbst die kl ei n st e unrechtmäßige Schädigung an dem Gute seines Mitmenschen wird im Talmud als ein todeswürdiges Vergehen betrachtet (Baba Kama 117) *) und wer in seinem Thun und Lassen nicht ehrlich und aufrichtig ist, oder nur sein Wort nicht hält, den wird derjenige Richter einst zur Verantwortung ziehen, der einst das Geschlecht im Zeitalter der Sintflut, dasjenige im Zeitalter des babylonischen Thurmbaues, dasjenige von Sodom und Gomorah und der die Egypter einst am Schilfmcere bestrafte (Baba Meziah 48,d. *3) (Fortsetzung folgt.) Zeituugsuachrichteu uud Corresporrdeuzen. Deutschland. Berlin. In den jüngsten Tagen hat hier das Jubiläumsbedürfntß unserer Zeit wieder einmal eine Blüthe gezeitigt, bet welcher es sich verlohnt, einen Augenblick zu verweilen. Sie haben den hundertjährigen Geburtstag von Leopold Zunz in den Synagogen, Vereinen und Zeitungen durch Predigten, Vorträge, Gedichte und Leitartikel gefeiert. Das ist ein harmloses Vergnügen, das man den Entrepreneuren gerne gönnen mag. Aber der Eifer, mit dem das officielle, reformjüd. Berlin Zunz nach seinem Tode für sich reklamiren möchte, scheint verdächtig. Man merkt die Absicht und lächelt, wenn man den Gefeierten und seine Denkweise selber gekannt hat. Es ist wahr, die Berliner Gemeinde hatte ihm ein jährliches Gehalt von 800 Thlr. bestimmt und hat damit in Zunz den Gelehrten schon bei dessen Lebzeiten gefeiert. Aber deshalb war die destruktive, gegen alles specifisch Jüdische feindlich gesinnte Richtung, wie sie von hier ausging, Zunz zeitlebens ein Dorn im Auge. Er hat diejenigen niemals gefeiert, die ihn heute feiern; und hat auch daraus niemals einen Hehl gemacht. Wenn ich sage, Zunz werde mit Unrecht von den Reformern als einer der ihrigen verhimmelt, so bin deshalb doch weit entfernt, ihn unter die Orthodoxen rangiren zu wollen. Zunz war keines von beiden, oder vielleicht richtiger gesagt, er war beides. Er war ein selbstständiger, wetterfester, ehrlicher Charakter und Gelehrter, der nie einen Hehl aus seiner Ueberzeugung machte; und das muß man ihm — wrnna — hoch anrechnen, p’so hdtis rot? n*an n«?rwn ‘pd 12 .(3"’p NDp JOD) ’iwndi ruiBn in '&wndi haon in »imnö yw >d (is nana idij; uw ’dd ps* wn an cmsDDi rmojn onD .('DD ttp'LD N33) Daß ihm in seinen historischen, literarischen, linguistischen und liturgischen Forschungen „die Wissenschaft des Judenthums" ganz aufging, kann man dem Forscher selber leicht verzeihen, der mühsam ein ganzes Leben lang Stein an Stein, Notiz an Notiz und Namen an Namen reihte und mit dieser Zusammenstellung ein sehr komplickrtes, geistreich angelegtes Mosaikgemälde schuf. Für das Gebäude selbst gab es Maurer, Zimmerleute und Handwerker jeden Schlags genug. Er stöberte die Steinhaufen der Steinmetzen, er wühlte selbst die Holzstöße der Zimmerleute für seinen Mosaikboden auf, und wo er ein Steinchen, einen Splitter fand, der in seine Arbeit paßte, suchte er ihn zu verwenden. Wer will es ihm verargen, daß er mit der Zeit dazu kam, die eigentlichen Bauleute als Handlanger für seine Lieblingsbeschäftigung anzusehen, daß er das ganze Haus nur als Appendix des Mosaikbodens ansah, daß er glaubte, der Werth von Schaß und Poskim, des Machsors und der Tschuboth, der Tefillot und Seltchot werde durch die Ausbeute bedingt, die sie für seine literarhistorischen Notizen lieferten. — Das alles brauchte man nur zu begreifen, um es um so leichter zu verzeihen, als Zunz mit dieser „großmüthigen Grille seines Lebens" — wie Heine einmal, allerdings in seinem Sinne, von Zunz sagt — eine hohe Verehrung unseres alten heiligen Schriftthums verband. Daß aber seine Lobredner ihm das allestreuherzig Nachreden und thatsächlich vielleicht keine Ahnung davon haben, daß „Wissenschaft des Judenthums" in Wirklichkeit doch etwas ganz anders ist, als dieses Kaleidoskop buntfarbiger Steine und Steinchen-das ist das charakteristische an diesen Zunzfeierltchkeiten. — Wenn sich dann die Festredner in ihren Festrausch Hineinreden, kommt es ihnen auf eine Gedankenlosigkeit mehr oder weniger nicht an. So ist einem von ihnen der Satz entschlüpft, den er zum Ueberfluß auch noch in seine Zeitung drrcken ließ: „Er (Zunz) hat die Reform gefördert, er hat aber auch die Glaubenstreue befestigt." — Bislang galt der Reform als Gegensatz der Reform die Orthodoxie. Wenn aber der Redacteur eines Berliner Reformblattcs, selber Glaubenstreue als Gegensatz der Reform ausgibt, dann ist ja die Reform von ihrem eigenen Anwalt als „Glaubensuntreue" deklarirt! Dann brauchen die Orthodoxen für die Frage nichts zu thun, als sich an diese p tya romn zu halten. Mich persönlich interessirt an dem Zunz Cultus noch Folgendes. Ich habe neulich gelegentlich des Tages, an welchem die erste Rabbinerversammlung vor 50 Jahren einberufen wurde, augemerkt, daß ihre Gevattern nur zu sterben brauchten, um mit