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Der Israelit · 1894-08-23 · Heft 67 (23.8.1894) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 67 (23.8.1894)
Date
1894-08-23
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1250 spanischer, italienischer und deutscher Sprache, später trat er in die spanische Armee ein, brachte es zum Hauptmann und war darnach Redacteur verschiedener spanischer Zeitungen. Nach Deutschland zurückgekehrt, war er Mitarbeiter der „Gartenlaube" und später des „Daheim". Während der Gefangenschaft Napoleons in Wilhelmshöhe lebte Dr. Mels daselbst. Durch sein Buch über dieses Zusammensein machte er sich in Deutschland unmöglich, ebenso in Wien, wo er unter einem spanischen Pseudonym Don Spavento die Journalistik Wiens in heftiger Weise angriff. Nach längerem Aufenthalt in Paris kam Dr. Mels vor etwa zwei Jahren nach Amerika und ließ sich in Chicago nieder. Hier lähmte Stechthum seine Thätigkeit und gestern berief ihn der Tod ab. Bon seinen schriftstellerischen Werken Hai sich das Lustspiel „Heinrich Heines junge Leiden" großer Volksthümlichkett erfreut. Er starb gänzlich mittellos. > vermischtes. -4- Frankfurt a. M. Der „Verein für jüdische Geschichte und Litteratur" veranstaltete vorgestern Abend zum hundertsten Geburtstag von Leopold Zunz eine würdige Zunz- Feier. Nach einem einlestenden feierlichen Gesang hielt D. Gustav KarpeleS die Festrede. Der Redner schilderte den äußeren Lebenslauf, den inneren Entwickelungsgang von Zunz und seinen Einfluß aus die Entwickelung des modernen Judenthums. Auch dem Politiker Zunz wurde Karpeles gerecht. Chorgesang beschloß die Feier. Halle «*. d. S., 2. August. Die Jubelfeier der Friedrichs-Universität hat durch jenes schöne durch den Telegraphen bereits bekannte Kaiserwort von der Nothwendigkeit der freien Forschung eine besondere Weihe erhalteil. Der gegenwärtige Rektor, der bekannte freisinnige Theologe Profesior Dr. Beyschlag, nahm diese kaiserliche Boschaft mit wärmsten Dank entgegen; in der Aula stand dieser trotz seines hohen Alters noch jugendfrische Mann durch mehr als zwei Stunden jedem einzelnen der begrüßenden Herren Rede und Antwort in gedankenreichen Reden, die auch uns hier interefsiren; so seine Ansprache an den Vertreter der ausländischen Hochschulen, Professor Stokes aus Cambridge, über die völkerverbindende Macht der Wissenschaft. Unser Glaubensgenoffe, Professor Julius Oppert aus Paris, Mitglied des Instituts, gehörte ebenfalls zu dem vielsprachigen Gelehrtenkongreß, der der berühmten Jubilarin an der Saale zu huldigen sich versammelt hatte; außer den Abgesandten der deutschen Universitäten waren die Schwesteranstalten Oesterreichs und der Schweiz — die Universität Bern durch Herrn Professor Dr. Ludwig Stein — sämmtlich durch Delegirte vertreten. In der stattlichen Schaar der früher von Halle Promovirten befindet sich auch eine große Zahl von Rabbinern, u. A. der Begründer Ihres w. Blattes. Und auch die Wissenschaft des Judenthums nahm, wie sie durch hervorragende Gelehrte in der hier versammelten Corona von Männern der Wissenschaft vertreten war, regen Antheil an dem Festakt der Universität, die Wilhelm Gesenius einst zu ihren besten Lehrern zählte, und die unter der Zahl ihrer Rektoren einen Juden, Professor Dr. Bernstein, und außerdem eine stattliche Reihe jüdischer Professoren und Dozenten von jeher aufzuweisen hatte. Bremen, 13. August. Die „Weser-Zeitung" schreibt aus Berlin: Die Antisemiten sind wieder unter die Gründer gegangen. E§ handelt sich um Zeitungs-Gr und ugen. Die alten Organe ziehen nicht mehr, so versucht man es unter einer neuen Flagge. Dabei entsteht natürlich Geschäftsneid zwischen den „Alten" und „Neuen." Zur den letzteren gehört namentlich eine deutsche Volks-Rundschau, für die mit einer Marktschreierei gearbeitet wird, welche das berüchtigte amerikanische Reclamenthum übertrumpft, und gegen welche von den Antisemiten so oft verdammte „jüdische Geschäftsmache" als unschuldiges, kindliches Lallen erscheint. Diese „Volks-Rundschau", die von dem objetiveir Standpunkte eines sogenannten „parteilosen" Blattes in die niedrigsten Schichten des Gassen-AntisemitismuS herabgestiegen ist, will, „ohne in die Gefahr des Monopolisirens zu verfallen, unser Volk nach und nach wieder auf eine Höhere Stufe deutschen Denkens und Dichtens heben." Dagegen erheben nun die übrigen antisemitischen Blätter, welche schon seit Jahren an dieser löblichen Aufgabe arbeiten, ein großes Geschrei; Das Stöcker'sche „Volk", Försters „Freideutschland" fühlen sich in ihren heiligsten Interessen gekränkt und fallen über den neuen Nebenbuhler her. Von anderer Seite wird ihm vorgeworfen, daß er dem „Bunde der Ritter des Eisernen Kreuzes" versprochen habe, sich vom extremen Antisemitismus zurückzuziehen, wenn dieser Bund sein neues Blatt zum Bereinsorgan wähle. Jerusalem. Die „Talmud Thora und Jeschiwat Chaje Olem" der Aschkenasim Chasidim-Gemeinde hatte in vier Jahren eine Gesammtausgabe von 105,720 Piaster, denen nür 156,239 P. Einnahmen gegenüberstanden Der Vorstand hofft, wie bisher, auf eine reichliche Unterstützung, nicht blos zur Deckung des Deficits, sondern auch zur Bestreitung der laufenden Kosten. Feuilleton. Esterka, Königin von Zoten. Historische Erzählung von Hugo Freund. 24.) (Nachdruck verboten.) Noch eye Kasimir gegen ble Russen auszog, war er vollständig Herr der Verschwörung im eignen Lande geworden und die hochgeborenen Verschwörer selbst saßen zum Theil in dem Gefängniß des Königs. Unter diesen befanden sich aber nicht die Paris von Wola und von Roßny, denn diese waren zuvor schon davon geritten und hatten sich mit ihren Schaaren mit dem russischen Heere vereinigt. Doch die Schlösser der beiden Herren wurden zerstört und dem Erdboden gleich gemacht. Einer aber war vergessen worden, vielmehr man hatte nicht beachtet, daß er bet den Verschwörern gewesen war, und dieser eine war Pater- Franziskus. In dem Drang der großen politischen Begebnisse, die auf den König einstürmten, in diesen Tagen der Aufregung hatte er nicht daran gedacht, daß das Gericht über Jehoschua und Esther stattfinden werde, und er hatte seinen früheren Befehl in dieser Beziehung nicht widerrufen.

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