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Der Israelit · 1894-08-23 · Heft 67 (23.8.1894) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 67 (23.8.1894)
Date
1894-08-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1247 fadenscheinige Verbrämung geben, müßte man die Gauner, Strolche und die nach dem Vermögen anderer Lüsternen bei ihrem rechten, schlechten Namen nennen, dann würde jeder von der Gemeinschaft mit dieser Sippe zurückschrecken. Was dem tollen Spuk einen dürftigen Nimbus verleiht, was es möglich macht, daß man nur darüber ohne zu Erröthen discutiren kann, ist lediglich der Umstand, daß man das ganze als Ausbund tiefer socialpolitischer Weisheit ausgiebt. Dieses wissenschaftliche Mäntelchen reißt die Spruchweishett der Väter von dem rothen Gespenste, indem sie diejenigen, welche seinen tollen Tanz mitmachen, nicht schlecht und gefährlich, sondern unwissend und ungebildet nennt. Ist dem Humbug erst die wissenschaftliche Maske abgeuommen, dann erscheint er als große Beschränktheit und als Produkt der Unwissenheit, die sich aus Mangel an Bildung und Schulung durch utopische Zukunftsideale selber täuscht. Damit ist aber die Gefahr dieser Verirrung beseitigt. Die Sinnesart des Am-Haerez dürfte jedoch auch noch eine andere Auffassung zulaffen und zwar eine solche, welche das Gegenstück der nun folgenden Denkweise des Chasid repräsentirt. Demnach spräche sich in dem Hv -pv, “pv 'bw des Amhaarez die bekannte Trinkgelder-Moral des do ut des aus, welche für jede Leistung eine Gegenleistung erwartet und sagt: ich stehe mit dem metnigen dir zur Verfügung, wenn und soweit du auch mit dem Deinigen mir dienst. Diesem kalten klug abwägenden Egoismus, steht die Lebensmaxime des selbstlosen Frommen entgegen, welcher spricht: pv, -pur bv das Meine gehört Dir, wenn auch das Deine mir nicht gehört. Es ist dies die hingebende Selbstlosigkeit, die das Gate thut, um Gutes gethan zu haben, ahne Rücksicht, ja ohne jeden Gedanken einer Gegenleistung. Die Gesinnung des yttn steht nun derjenigen des Ton in vollendetem Gegensatz gegenüber. Sie hält nicht nur selbstsüchtig alles, was sie ihr eigen nennt, krampfhaft an sich, sondern sie nimmt es noch allen übel, die es gerade so machen. Sie begnügt sich nicht, wie der Dy für die Leistung eine Gegenleistung zu verlangen, sondern der y«n verlangt hohe Treffer ohne jeden Einsatz. Kurz und scharf ist dieser Gegensatz zwischen dem Gerechten und dem Schlechten im 21. Verse des Psalm 37 gezeichnet: |nm pn pnm tbv* vb) yttn mb „Ein Gesetzloser macht immer Schulden und zahlt nie, ein Gerechter aber ist ein Gewährer und ein Geber." Alles, was wir von der Welt empfangen, ist uns nur ein geliehenes Gut, um damit diejenigen Zwecke zu verwirklichen und diejenigen Ziele auzustreben, womit nach dem von Gott in seinem Gesetze geoffenbarten Willen von uns das Heil seiner Welt gefördert und vermehrt werden soll. Keiner ist für sich da, und je mehr Jemandem verliehen wurde, um so größer ist seine Verpflichtung, um so größer die Summe der Leistungen, die von ihm erwartet werden. Der von daher, der von keinem Gesetz keiner Pflicht wiffen will, der nur sich kennt, nur der Befriedigung seiner Bedürfnisse, seiner Wünsche und Neignngen lebt, nur aus Kosten seiner Mitwelt sein Glück bauen will, der leiht nur immer von der Welt ohne je die Gegenleistung zu zahlen die von ihm erwartet wird. Er wird mit jedem Athemzug ein immer größerer Weltschuldner, und je mehr er hat und je mehr er genießt, je größer die Summe der Güter und Genüffe ist, die er aus dem Inventar der Welt eingenommen, um so größer ist der Bankerott, mit dem er einst aus der Welt scheidet. Der pnu aber, der seine und nur seine Pflicht kennt, der seiner Pflicht und nur feiner Pflicht lebt, der nur daran denkt, Gott und seiner Welt, wie ja sein Charakter lautet, „gerecht" zu werden, ihnen alles das zu leisten, was in seinen Kräften steht, je bescheidener seine Glücksstellung ist, je weniger er an Gütern und Freuden aus der Welt empfangen und empfängt, um so mehr bleibt ihm die Welt schuldig und als anspruchsreichster Weltgläubiger scheidet er einst aus der Welt. So heißt es (Berachoth 17b) von ndvi p «yjn »an dem verwirklichten Ideale eines solchen Zaddik. dvi dy» baa •pro ibia obiyn ba moiw a-nn mo bip na aayo par>n apa b n 'in w’jm »ja NJ\in b’atea nater aayb nap „jeden Tag ergeht der Ruf vom Horeb: die ganze Welt genießt das Leistungsverdienst meines Sohnes Chanina und mein Sohn Chanina begnügt sich mit einem Maaß wilder Bohnen von einem na# any zum anderen. Während daher ab«" ain yt«n mb, der Mi fortwährend Schulden macht, die er nie bezahlt, ist der p'-ra fortwährend jnui pin, ist sein ganzes Leben eine nj»rui ru*jn, eine Djn ninn an die Welt, er leistet und fördert, spendet und schafft Segen, wo und wie er kann, ohne an einen -o», ohne an eine Gegenleistung zu denken. Und zu dieser selbstlosen Hingebung an das Wohl feiner Mitwelt ist ja, wie auch seine Glücksstellung sein mag, ein Jeder befähigt. Ist ja nicht npna, nicht die nur mit Geld zu lösende Liebespflichtthat, die der wenig Bemittelte nur in kleinem Maßftab zu leisten vermag, ist ja nvn mb'm, das Heileswirken mit unserer Persönlichkeit, mit unseren geistigen, sittlichen und leiblichen Kräften, mit unserem Wort und unserer That, das Höhere und zu dieser höheren Leistung trägt jeder in reichem Maaße das fK ' e r* - '"\'K . r . t

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