Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 67 (23.8.1894)
- Date
- 1894-08-23
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1246 mannigfach wie das Leben selbst, unter den Begriff: B’TOn mb’DJ fallen. Diese Liebespflichten sind nirgend codificirt und normtrt, sie gehören zu den Dingen ym, die keine festgezogene Grenze haben, in welchen also der Jnvidualität jedes Einzelnen freier Spielraum bleibt, um sich zu bekunden. Da findet man denn häufig diese Gesinnung mit zugeknöpften Taschen und festgeschlossenen Händen, die wohl ihre Pflicht thun, aber darüber hinaus keinen Schritt gehen will. Der von solcher Gesinnung Beherrschte sagt sich -, das Meine ist mein, das ist mir vom Himmel zugewiesen, wie groß oder klein es auch sein mag. Das was mir gehört, mir zu erhalten habe ich ein Recht, und somit auch die Pflicht. Warum sollte ich es also an andere geben und mir so meinen Theil verkürzen? Ich verlange auch von dem anderen nicht, was ich selber nicht gewähre. Er möge das seine behalten, ohne mir etwas davon zu gute kommen zu laffen, wie ich ihm nichts von dem Meinen zu Gute kommen laste. Es ist dies der Standpunkt des strengen Rechts, dem man als solchem seine Berechtigung nicht versagen kann. Aber das kahle, nackte Recht ist in Wirklichkeit die größte Härte und läuft leicht Gefahr schreiendes Unrecht zu werden. Ein solches Recht ohne Liebe war in Sedom zu Hause. Sedom ging an diesem lieblosen Recht zu Grunde und gerade an dem Beispiel Sedoms sollte der Ahn des jüdischen Volkes, für seine Nachkommen den Weg Gottes kennen lernen, der mit dem Recht die Milde verbindet, ja der die Milde dem Recht voranstellt und verlangt: vvvvi np-ra nw Milde und Recht zu üben. (I. B. M. C. 18, V. 19.) vvvm, eine Art von ub&b ist attdj in Sedom zu Hause, ja, Sedom zeigt uns, wie eine genußsüchtige, in sinnliche Wollust versunkene Welt, welcher füglich der Mensch auch nur soviel gilt, als er gewährt, zuletzt gerade die Rechtsidee zu einem zweischneidigen Sophism zuspitzt, das die nackteste Selbstsucht schamlos als Princip heiligt, und mit der Maxim •hv 'btt „mein bleibt das Meine, bleibe dein das Deine", Hilfsbedücftigkeit zum Verbrechen, Hilfeleistung zur Thorheit für den Helfenden und zum Verbrechen gegen die öffentliche Wohlfarth stempelt. Unter der Regime eines sedomitischen Rechts, wo nur Leistung, nicht Bedürsniß einen Anspruch begründet, ist Armuth und Elend geächtet, findet höchstens nur der Leistung verheißende Begüterte wie Lot eine Stätte, aber: „Betteln ist verboten," zehrgeldlosen Unglücklichen wartet Sträflingen gleich „Kerker und Schub" und das Zedakalose Recht verkehrt sich in Unmenschlichkeit und Härte. D e mgegenüber kehrt das Testament Abrahams an seine Kinder npnrr vor heraus, ja der Rechtscodex der Kinder Abrahams kennt selbst in gewissen Fällen npny als bdpö und spricht: nno mo by ysiD “iDn t*b rm runj n?." (Htrsch's Pentateuch Kommentar z. St.) Jedenfalls ist es charakteristisch für die Spruch - Weisheit der Väter, daß ihr die Mittelstraße, auf welchem der große Troß sich trollt, und der Weg, der zur sedomitischen Sinnesart führt, nicht etwa nahe beisammen liegen, sondern daß ihr beide geradezu identisch sind! Vielleicht gilt daher ihre Mahnung, die sie anderweitig aussprechen: -pj/a nn (yy v n»p N33) *pvi yswa din "|St bt*, daß man in Zeiten von Epidemien nicht in der Mitte des Wegs gehen soll, nicht nur von Epidemien, die unsere körperliche Gesundheit gefährden, sondern auch von solchen, die unsere Sittlichkeit und Menschlichkeit bedrohen. — Wenn das Princip, dem auf der breiten Mittelstraße gehuldigt wird, der Wahrheit und Menschlichkeit zuwiderläuft, dann ist es Pflicht extrem zu sein oder doch zu scheinen, wenn man sich von dem Untergang retten will, zu dem jede Wahrheitswidrigkeit um so sicherer treibt, je größer die Masse ist, welche daran Theil nimmt. Nicht Minder charakteristisch ist die Anschauung, welche die Sinnesart: 'bv *^«en -\bv 'bv das meine ist dein, und das deine ist mein, dem pan dy, dem ungebildeten Unwissenden vindicirt. Wenn das meine dein und das deine mein ist. dann giebt es keinen Unterschied mehr zwischen mein und dein, dann ist das Eigenthum aufgehoben. Diese Aufhebung alles Eigenthums ist der Kommunismu s. Das Gefährliche, Berückende, Schule machende des Kommunismus liegt lediglich in seinem Namen. Wenn Jemand bisher den Unterschied zwischen mein und dein nicht respektirte, so nannte man ihn einen Dieb oder einen Räuber; beute nennt man ihn einen Kommunisten, und die Lehre welche, den Diebstahl heilig spricht und das Recht des Eigenthums für ein Verbrechen erklärt, heißt Kommunismus. — Vor nahezu 50 Jahren, kurz vor der Februarrevolution von 1848 haben sich einige findige Köpfe zusammengethan und haben das Recht der Spitzbuben und Mordbrenner mit einem wissenschaftlichen Anstrich versehen. Sie nannten diescs Machwerk: Manifest der kommunistischenPartei. Was in diesem Aufrufe Tolles und Vernünftiges gesagt wird, ist von untergeordneter Bedeutung. Die Thatsache war und blieb, daß alle nach fremdem Eigenthum Begehrlichen, sich nun als Mitglieder einer Partei ansehen konnten, nicht einer Partei von Dieben, Einbrechern und Umstürzlern, sondern von Kommunisten. Würde es nicht für diese Ungeheuerlichkeit eine, wenn auch noch so