Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 67 (23.8.1894)
- Date
- 1894-08-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXXV. Jahrgang. M 67. Der Israelit. Ein Eentrat-Hrgan für das orthodoxe Zudenthum. Begründet von Vr. Lehmann in Mainz. Donnerstag, de« 23. August 5654 (1894). Seitenber Artikel. Sprüche der Mater. Fünftes Buch. XXV. Mainz, den 21. August, mo n -pv *^ten >bw 'bw nown mxi rvnn jmx □y 'bv "pv 'bw ,dhd mo n Dnoix am rpJiJ'3 ytn'bw ~pv' ybv 'bw ,Ton ipv "pvn "pvrbv ,pwi „Vier Sinnesarten finden sich bei den Menschen: Sagt Jemand: Was mein ist bleibt mein und was dein ist dein, dies ist eine mittlere Sinnesart. Einige sagen.- Das sei dieSinnesart vonSedom. Sagt Jemand: Das Meine ist dein und das Deine ist mein, das ist ein Unwissender; das Meinige ist dein und das Deinige dein, dasist einFrommer; das Deinige ist mein und das Meinige mein, das ist ein Schlechter." Der Mensch — nix — ist mit seinem irdischen Theil der Erde, der Menschenerde — nmx — entnommen. An den Erzeugnissen, den Schätzen und Gütern dieser Erde hängt der Mensch mit tausenden von Fäden. Nichts charakterisier daher den Menschen so rasch und so scharf, als sein Besitz und die Art und Weise wie er thu beherrscht oder von ihm beherrscht wird. Das will der Zusatz n-inn sagen, wenn hier die Gesinnung, welche sich dem Besitz gegenüber bekundet, in ihrer vierfachen Abstufung als Charakterisirung „der Menschen" bezeichnet wird. — „Bei drei und nach einigen bet vier Gelegenheiten gibt sich der Mensch zu erkennen: Beim Wein, beim Geld, beim Zorn und nach einigen auch beim Lachen." (Talmud Erubin sol. 65h). Unter diesen Gelegenheiten ist die Art und Weise das Geld festzuhalten oder wegzugeben, die normale, im täglichen Verkehr am häufigsten vorkommende. Die drei anderen bieten sich gerade dadurch als Maßstab zur Beurtheilung des Charakters, daß bei ihnen das gewöhnliche Geleise verlassen und der normale Zustand überschritten wird. Wer es somit weiß, daß sich bei diesen Anlässen der Charakter verräth, kann, wenn er diesen Berrath fürchten zu sollen glaubt, sich von übermäßigen Weingenuß, vor Zorn und Lachen hüten. Aber der Geldverkehr, der Austausch irdischer Güter ist von dem Verkehr mit Menschen so unzertrennlich, daß unser ganzer Handel und Wandel nach diesem wechselseitigen Austausch geradezu zr>vi genannt wird. Wenn nun hier uns zuerst die Gesinnung entgegentritt, welche spricht: „das Meine ist mein und das Deine sei dein" und diese als der Mittelschlag einer Anschauung bezeichnet, welche nicht jenseits von gut und bös, sondern zwischen diesen Gegensätzen rangirt wird, so ist uns damit von selbst gesagt: Es handelt sich hier nicht um etwas was durch das Gesetz der Thora geregelt ist, also nicht etwa um einen Menschen, der nicht i&yn und npis dem Aermeren gibt, weil er sein Geld als sein Geld ansteht, an welchem kein anderer ein Anrecht hat. Ein solcher würde nicht einen Mittelsall mo repräsentiren, sondern einen Menschen der sich über das Gesetz hinwegsetzt, also ein jJttn ist. Durch das, was Jemand laut religionsgesetzlicher Vorschrift den Armen an Zedoko und Maaser gibt, bekundet sich die Sinnesart des Gebers so wenig wie durch das Bezahlen von Steuern. Charakter und Gesinnung offenbaren sich erst bei Leistungen, zu welchen man durch kein Gesetz verpflichtet ist, und die man eben aus freiem Antrieb leistet oder nicht. Es handelt sich also hier nicht um das Abscheiden der Hundert, jener Pflicht, die ja für einen Besitz von Tausend Vorschrift ist, sondern um die Art der Verwendung jener 960, die nach der Weggabe von 10o/o nunmehr dem Besitzer allein zustehen. Es handelt sich überhaupt nicht einmal in erster Reihe um Geld und Gut, sondern um die zahllosen Leistungen thätiger Menschenliebe, die 'fr'. 1 •v r -5 / V.;