Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 66 (20.8.1894)
- Date
- 1894-08-20
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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VW? V 1234 bcr dortige jüd. Kantor Bader ein vortrefflicher Sänger sei. Der Erzherzog ließ run den Eantor holen, mit dem er dann of: Gesangsübungen abhielt. Herr Bader machte auch den erlauchten Herrn auf unsere schönen synagogalen Gesänge besonders ans die erhebenden mythischen Gesänge unserer hohen Feiertage (owi D'ty) aufmerksam, die er nun demselben auch vonragen mußte. So wurde ein österreichischer Erzherzog mit dem herrlichen: rtoiN vh mip in* f&nrwo mv ,nu bz ,nnyi p'S ’Vn ,vx u. s. w. bekannt, die er dann selbst sang. Zweifelsohne wird dann der erlauchte Erzherzog auch die Mitglieder seiner hohen Familie auf unsere schönen synagogalen Gesänge aufmerksam gemacht haben. Wurden doch auch vor einigen Jahren bei einer Soiree der Königin von England mehrere synagogale Gesänge von Mitgliedern der Londoner Oper vorgetragen. Budapest, 9. August. Beim Minister des Innern, Herrn v. Hieronymi, erschien gestern eine Deputation der Judenschaft des Neograder Comitats, um ihn zu ersuchen, er solle dahin wirken, daß der Kaiser wahrend seines Aufenthalts bei den Manövern in Balassa Gyarmat die israelitische Cultusgemeinde unter den Confessionen empfange. Der Führer der Deputation führte aus, es sei eine Anomalie, daß, wahrend die Juden als gleichberechtigte Bürger betrachtet werden und die Gesetze keinen Unterschied unter den Confessionen machen, trotzdem von einer inferioren Konfession gesprochen werde, welche keinen Platz unter den übrigen finden könne. Es sei dies eine ungerechtfertigte Zurücksetzung der Juden, welche die Regierung nicht du-den solle, umsoweniger, als ja das Abgeordnetenhaus die Reception der Juden angenommen habe. Minister v. Hieronymi, der die Deputation auf das freundlichste empfing, antwortete, daß er zwar nicht die Macht besitze, in dieser Frage zu disponiren, daß er jedoch das Ansuchen der Deputation an competenter Stelle unterbreiten und auf das wärmste befürworten werde. England. London. In ihrem vorwöchentl. Sonntagsblatte veröffentlichte die „R. F. P." einen Bericht über eine wahrhaft großartige Stiftung, welche Herr- Mond für England ins Leben gerufen uud die sogar die Schenkung einer halben Million Reichsmark übertrifft, welche der verstorbene Berliner Siemens zum Zwecke der Errichtung einer physikalisch-technischen Reichsanstalt der deutschen Retchsregierung zur Verfügung stellte. Herr Mond, geboren zu Kassel, kam als armer junger Mann nach England und verlegte sich auf die Fabrikation von Soda. Er wurde ein reicher Mann und hat in dankbarer Würdigung der Quelle seines Vermögens ein großartig geplantes physikalisch-chemisches Laboratoriuut in London gegründet, das nicht nur zu Unterrichts-, sondern hauptsächlich Forschungszwecken dienen und für die chemische Industrie die wissenscbaftliche Führerrolle zu übernehmen bestimmt ist. Mr. Mond kaufte das Palais des Earl of Albemarle. das in der Straße gleichen Namens nächst der Royal Institution gelegen ist, richtete es auf das Munificenteste als chemisch physikalisches Institut ein, unterstellte es einem von der Royal Institution gebildeten Eomitö, dessen Obmann als unmittelbarer Leiter des „vav^-V'araäa^-U.tzStzs.red-I^Ldorut.or^^ zu sungiren haben wird, und widmete eine sehr beträchtliche Summe, hinreichend, um von den Zinsen die Gehalte und gesummte Verwaltung deö neuen Institutes zu bestreiten. Er verzichtete sogar darauf, wie man sieht, der Stiftung seinen eigenen Namen als Bezeichnung zu geben, wie dies in England vielfach geschieht, sondern wählte die Namen jener großen englischen Naturforscher, deren Manen gleichsam die neue Pflegestätte der Wissenschaft geweiht ist. Das königliche Institut hat durch diese wahrhaft fürstliche Widmung eines Bürgers die seit Decennien ersehnte Ergänzung erfahren. Wenn solche Beispiele nur. wie Mr. Mond selbst gelegentlich äußerte, ansteckend wirken würden! So weit die Notiz der „N. Fr. Pr.", die wir aber von unserem Standpunkte dahin ergänzen müssen, daß Herr Mond, was nicht allgemein bekannt sein dürfte, Jude ist. Herr Mond, der einen großen Theil des Jahres in seinem prächtigen Palazzo in Rom wohnt, nimmt in der römischen Gesellschaft eine hervorragende Stelle ein und sein gastfreies Haus ist der Sammelpunkt der geistigen Elite Roms. Politiker, Diplomaten, Schriftsteller, Maler und Bildhauer sind hier gern gesehene und willkommene Gäste und sie Alle sind entzückt von der wahrhaft bestrickenden Liebenswürdigkeit, mit der Herr Mond, im Vereine mit seiner Gemahlin, eine durch Geist und Herzlichkeit ausgezeichnete Dame, die Honneurs macht. An der Schwelle des Palazzo Mond machen Confession und Nationalität Halt, und wahre Bildung, weitausbltckendes Wellbürgerthum und edle Humanität sind hier verkörpert. Eine Sehenswürdigkeit, einzig in ihrer Art, ist die Mond'sche Kunstsammlung, welche herrliche, äußerst seltene Schätze, die das Entzücken und die Bewunderung des Beschauers Hervorrufen, birgt. Wer jemals in den Salons des Herrn Mond verkehrt hat, wird wohl niemals der dort verbrachten, genußreichen Stunden vergessen. > Vermischtes. < Berlin, 3. August. Der Hofantiquar I. A. Lewy, eine in den Kreisen der Kunstkenner und Liebhaber wohl-