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Der Israelit · 1894-08-20 · Heft 66 (20.8.1894) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 66 (20.8.1894)
Date
1894-08-20
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1235 bekannte Persönlichkeit, ist zu Potsdam in seinem 78. Lebensjahre verstorben. Lewy halte ein außerordentliches Verständnitz sür Metallarbeiten: in Bezug auf Eisenarbeiten war er eine unbestrittene Autorität. In seinem Geschäft, das hinter dem Gietzhause lag, wurde er öfter auch von dem Kronprinzen Friedrich Wilhelm ausgesucht. Bekannt ist die Geschichte von dem Tausch, den Lewy mit dem leutseligen Prinzen machre, der sich im Besitz einer Renaissancenadel befand, die Lewy vor langen Jahren entkommen war und auf die -er um so mehr Gewicht legte, als er sie von seinem ersten Verdienst gekauft hatte, einem Dukaten, den ihm König Friedrich Wilhelm III. hatte zukommen lassen. Der Kronprinz wiederum hatte die Nadel von seinem kaiserlichen Vater als Geschenk erhalten; wie sie an Kaiser Wilhelm gekommen war, konnte nicht mehr aufgeklärt werden. Lewy löste sich die Nadel gegen eine Reliquie von der Königin Luise ein. AlS Berather und Vermiitl-r für den Ankauf und Verkauf von Antiquitäten besaß Lewy namentlich auch das Vertrauen hocharistokratischer Kreise. Die Beerdigung fand auf dem israelitischen Friedhof in Weißensee statt. Posen, 9. August. Gestern wurde bei dem Abbruch des Hauses Berlinerstraße Nr. 8 im Fundament ein Grabstein mit hebräischer Aufschrift gefunden. Xanten, 6. August. Wiederholt sind Anfragen nach hier gelangt, aus denen hervorgehi, daß Personen dadurch das Mitleid der Glaubensgenossen zu erregen suchen, daß sie Zeugniffe vom Vorsteher der hiesigen Gemeinde, Herrn Adolf Oster vorzeigen und angeben, aus kanten zu sein. Zuletzt wurden Erkundigungen über einen gewissen Spier eingezogen. Um diesem Individuum das Handwerk zu legen, diene zur Nachricht: Eine Familie Spier giebt es in Xanten nicht, überhaupt keine jüdische Personen, die sich vom Wanderbettel ernähren. Umherziehende Bettler, welche angebeu von hier zu stammen, sind Schwindler und die Zeugnisse, auf welche sie sich stützen, gefälscht. Bietigheim Bhf., 15. August. Ein heimkehrenderSommcrftischlcr möchte sich erlauben in Ihrem gesch. Blatte öffentlich einem Luftkur:Etablissement Anerkennung zu zollen, das in hervorragender Weise nnKO mit herrlichem Aufenthalt in vorzüglichster Waideölufr bei liebevollster Ausnahme vereint. Es ist dies die Villa Riedberg in Güntersthal bei Freiburg i. B., deren Besitzerin e8 sich angelegen sein ließ, im schönsten Theile des SchwarzwaldeS einen Ort herznstellen, wo jüdische Leidende Erholung und Heilung staden können, ohne Hintansetzung ihrer jüdischen Pflichten. Dieses Ziel ist in mustergiltiger Weise erreicht worden und dafür gebührt dieser wackeren Frau der aufrichtige Dank aller Derer denen jüdische Pflichterfüllung am Herzen liegt. Feuilleton. Esterka, Königin von Föten. Historische Erzählung von Hugo Freund. 23.) (Nachdruck verboten.) „Mensch," rief der König, „bist Du ein Engel Gottes, daß Du so ungeheure Gedanken auszusprechen im Stande bist. Beim Allmächtigen, das ist die Rettung. Ja, ja alle, alle Einwohner von Polen werden kommen, ich werde sie führen, ich werde die Feinde bestegen." „Doch eines gibt mir noch zu denken. Groß wird die Schaar des Fußvolks sein, die ich durch deinen Rath erhalte, und es wird mir leicht werden, die Verschwörer und ihren kleinen Anhang zu Paaren zu treiben. Die Russen aber sind im Besitz gewaltiger Reiterei und ob diesem Ansturm die Leibeignen, wenn sie auch mit Todesverachtung kämpfen, gewachsen sind, das vermag ich nicht zu entscheiden." EUscha lächelte hoheitsvoll. „Auch dafür habe ich gesorgt, mein König, stehe hier diesen Brief des Fütsten der Gruster; er ist sofort bereit mit seinem ganzen Heere zu Dir zu stoßen, wenn Du ihm die Landestheile, die er erobert hat zum Eigenthum giebst, unter der Bedingung, daß er Deine Oberhoheit anerkennt. Er hat sie im ehrlichem Kampfe von einigen jener Adeligen erobert, die auch zu Deinen Feinden gehören. Ich weiß Du hattest vor jenen Ereigniffen den Plan, ein Heer zu sammeln, um die Gruster aus Deinem Luide zu vertreiben. Du wolltest die von ihnen angegriffenen Adeligen schützen und schirmen, obgleich sie cs nicht um Dich verdienten. Aber Du hast noch gezögert, weil Du weißt, daß die Menge der Gruster sehr groß und daß sie Alle stark, kühn und tapfer sind. Glaube mir, König Kasimir, Du wiist b.fsire Unterthanen an den Grusiern haben, als Du sie je in den herrschsüchtigen, stolzen und frechen Adeligen besetzen." „Ja, es ist wahr," rief der König, sie waren bisher zu mächtig als daß ich sie mit dem unzuverlässigen Adelsheere angreifen und vertreiben konnte. Schon hatte ich viele Pläne, wie ich sie unterwerfen wollte, ch' jene Empörung ausbrach. Und nun bieten sie selbst sich mir an? Nun wollen sie freiwillig sich mir unterwerfen? Wollen mir Hülfe leisten im Kriege gegen die Ruffen." „Die Gruster!'' rief er nochmals, „dieses große und mächtige Heer." Danach entfaltete er den Brief, den Elischa ihm bot, und überwältigt von Aufregung und Rührung stürzte er dem Juden an den Hals. „Du hast mich gerettet, Du hast Polen vor Untergang bewahrt." „Sage mir nochmals: Wie heißt Du, daß ich Dich als meinen Freund, als meinen Bruder verehren kann." „Elischa ist mein Name, entgegnete der Jude, „aber höre noch eins, mein König: „Du wirst ein großes und gewaltiges Heer um Deine Fahne sammeln. Lasse Dich durch Deinen Muth und Deine Tapferkeit nicht verleiten, sofort zum Angriff gegen die Russen vorzugchen. Wie ich durch meine Kundschafter erfahren habe, hat der Zar der Russen zwar ein ungeheures Heer aufgeboten, nicht aber

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