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Der Israelit · 1894-08-20 · Heft 66 (20.8.1894) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 66 (20.8.1894)
Date
1894-08-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1231 im Gegentheil uns jeden Augenblick bereit finden ließ, zu vergeffen, zu verzeihen und zu vergeben. Unsere Sache war es ja nicht, die verhöbnt wurde und unsere Sache war es daher nicht Rache zu schnauben und Vergeltung zu üben, wn Das gekränkte Recht ist Gottes Recht und unser Erlöser lebt und wird, wenn erst die Stunde geschlagen hat, schon dem Recht zur Anerkennung verhelfen. Daß Gott jeder Bluttropfen heilia, daß kein unschuldig vergossener unerhört zum Himmel um Sühne schreit, daß Gott auch den Bruch seines Volkes heilen und diejenigen zur Verantwortung ziehen wird, die diesen Bruch zu verantworten haben. das ist uns durch Gottes Wort in einer Weise verbrieft, die jeden Zweifel für uns ausschließt. Es handelt sich hier ja nicht um dasjenige Recht, das sich die Menschen als solches construireu, und das in zahllosen Fällen sich als paragraphirtcs Unrecht erweist, sondern es ist das amavs^v, das von Gott selber niedergefchriebene Recht, das feine Vergeltung fordert, die auch vor Staaten und Völkern, vor Fürsten und Würdenträgern nicht Halt mach', sondern ihres Amtes waltet. Die Chasstdim aller Völker und Zungen, die aus Israels Geschick, die sieghafte Macht der rückhaltlosen Hingebung an Gott erkennen und sie sich angeeignet haben, die drängt ihr Staunen über diese wunderbare Erscheinung zu einem Lied, einem neuen Lied, weil es Dinge besingt, die keiner geahnt, die keiner für möglich gehalten hätte, die sich in der Stille vollzogen und nun in impontrender Weise an die Oeffentlichkeit treten. Für uns aber liegt das ergreifende dieses neuen Liedes darin, daß es uns als alt und alltäglich gilt, daß seine erhebenden Wahrheiten, seine zur allgemeinen Kenntniß geförderten Thatsachen uns eben nicht neu sind, daß sie uns schlicht und plan erscheinen, daß wir sie nicht zum Gegenstand eines Lieds gemacht hätten, wenn nicht der von Gott geweckte Blick des jüdischen Liederhelden, des btn»1 nrpot D’j/j unsere Aufmerksamkeit daraus lenkte. Was wir Jahrhunderte, Jahrtausende als ganz selbstverständlich bewahrt und bewährt haben, wird die Elite der Menschheit einst zum Liede begeistern. Wer will den Antheil ermessen, den dieser Gedanke an der hingebenden Treue hat, welche das jüdische Volk in aller Zeit und Fahrniß seinen Idealen bewahrt hat und bewahren wird, bis sie aufhören Ideale zu sein und reelle Wirklichkeit werden! Weil der von der Unduldsamkeit und dem Uebermuth seiner Umgebung verletzte und niedergctretene Jude weiß, daß zu seinem und seines Volkes Besten von Gott selber diejenigen bestellt sind, die ihn drücken und treten, deßhalb klagt er nicht sein Schicksal, sondern die eigene Unzulänglichkeit an, die noch immer dieser harten Erziehungsmittel nicht entrathen kann. Jedes über ihn verhängte Leid ist ihm neue Bürgschaft der über ihn wachenden, erziehenden, göttlichen Vaterliebe. Diese Anschauung lehrt ihn das tausendjährige nationale Leid, als die kreisenden W?hen seiner von Gott verkündeten und gewährleisteten Wiedergeburt begreifen. Wie mit den Wehen bereits die Geburt, so hat man mit dem Zusammensturz von Smat und Tempel bereits die Erlösung begonnen. Der Erlöser Israels wird am Tischa be Ab geboren, das macht den Trauertag zum Festtag! „Ueberall wo die Zukunft in der Form der Vergangenheit — rrm — zum Ausdruck kommt, weckt sie Freude." — Dieser Ausdruck der Zeitform legt dem denkenden Menschen schon jetzt, bevor noch die Zukunft erreicht ist, die Erwägung nahe, welchen Antheil auch die trübsten Phasen der Vergangenheit und diese zu allermeist — an der heiteren Gestaltung der Zukunft haben. -)mj rvm a»naro — nno» rrm idj oipo ^>2? D'arrv m'2 la» nno» nVn ms N’n dhV ick (yoiteni nnjn '-b) »3ibn ora m Dmo iVu ibtoi nrbv »aiut* pm “ia Vxid» »ai idni ürpnu'j/ by on 3'pdt ttnpön ma a-in» ora n,*mny by . (rs nai mnoa temo) “jrvta^ yov tb }rn na ■piy Mit dieser Anschauung seines Geschickes und Lebens bleibt mitten in Trauer und Weh, heitere Lebensfreude der innere, von keinem äußeren Leid erreichbare Kern der jüdischen Seelenstimmung. — Dieser Geist ist es, der den Juden noch über seinen Fasttag hinaus begleitet und ihn aus dem Silberglanze des Neumonds, der sich ebenfalls wieder aus der Nacht zum Licht gerungen hat, für sich und sein Volk dieselbe Hoffnung schöpfen lehrt nnioa tennnn^ o’Tny on». Dieser Geist ist es, der auf jeden 2*0 ny»n einen -.om na» folgen, der die Trauernden unbeirrt und unverzagt die Umwandlung ihrer Fast- und Trauertrage in Freude und Wonne erwarten und ihr ganzes Dulden und Leiden, ihr Hoffen und Harren als Einleitung zu dem „neuen Lied" begreifen läßt, welches noch einmal die ganze Menschheit zu einem millionenftimmtgen „Hallelujah!" begeistern wird! Zeitnugsuachrichteu und Correspoudeuzeu Deutschland. Breslau, im Juli. Der deutsche Reichsverband jüdischer Religionslehrer versendet folgendes Circular: r>. > - -l

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