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Der Israelit · 1894-08-20 · Heft 66 (20.8.1894) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 66 (20.8.1894)
Date
1894-08-20
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1230 sich kühl bis ans Herz hinan, was der laute Beifall der kleinen Majorität dem aufmerksamen Beobachter nicht vertuschen konnte. Sodann ergriff das Wort Herr Gmeiner- Benndorf aus Dresden, um über den Stand der Schächtfrage in Sachsen zu sprechen. Dieser machte keinen Hehl daraus, daß er ein Gegner des dortigen Schächtsverbots sei und bekundete durch die Kürze und Kälte seiner ganzen Darstellung, daß er nur ex officio sein Referat erstatte. Nun platzten die Geister aufeinander. Aus der Mitte der Versammlung erhoben sich Stimmen, welche eine Debatte über die Schächtangelegenheit reip. eine Discusfion über die beiden Referate eröffnet wünschten. Andere traten diesem Verlangen mit aller Entschiedenheit entgegen. Diese erregte Debatte bewegte sich in Wirklichkeit nur um die Frage, wie die unvermeidliche Bloßstellung des Kongresses sich am besten maskiren lasse. Eine Debatte über die Schächtfrage hätte die Zerfahrenheit der einzelnen Mitglieder in ihrer ganzen Größe gezeigt. Eine Unterdrückung jeder freien Meinungsäußerung hätte aber die Uneinigkeit noch mehr verrathen, die nur durch Schweigen über das, worüber man dock berathen sollte, zu verhüllen war. Da bei der Zusammensetzung des Kongresses mit kleiner Majorität die Schächtgegner jedenfalls den Sieg davon getragen hätten, so lag der starken Minorität daran, eine Abstimmung und also auch eine Diskussion zu verhindern. Diesen Standpunkt vertrat mit vieler Verve der bayerische Landtagsab« geordnete Pfarrer Dr. Frank. Es wurde dann auch nach sehr erregter Debatte ohne Abstimmung über beide Berichte zur Tagesordnung geschritten. — Aus diese Weise kam auch Herr Hofrath Dr. Dembo nicht zum Worte. Aber seine bloße Anwesenheit hatte aus die Schächtgegner einen lähmenden Einfluß. Sein Buch, das in den hiesigen Buchläden ausgelegt ist und sich in aller Händen bcsindet, hat ihm den Haß der Thierschützer in hohem Grade eingebracht. Als Herr Dr. Frank Dembos wissenschaftliche Untersuchung und die Stellungnahme der Academie frangaise für das Schächten erwähnte, gaben die heißblütigsten Schächtgegner ihrem Unwillen durch unarticulirte Laute recht charakteristischen Ausdruck. Große Ehren hat der Kongreß durch diese Vorgänge nicht davon getragen. Jeder, der diesen Debatten beigewohnt bat, hat das Gefühl, daß den Schächtgegnern in den Thterschutz-Vereinen der Boden unter den Füßen wankt, und daß ein freies offenes Wort genügt, um das dürftig gezimmerte Kartenhaus umzuwerfen. Auch bei anderen Angelegenheiten, die der Kongreß behandelt hat, lieferte er den Beweis, daß er mit seinen Verhandlungen sich nicht auf der Höhe der Zeit hält und den Anforderungen der Wissenschaft consuquent seinen sentimentalen Thier Cultus entgegen stellt. Eine Schweizerische Zeitung, die mir gerade zu Gesicht kommt, schreibt z. B. über die Verhandlungen die Vivisektionsfrage betreffend: „Am internationalen Thierschutzcongreß wird viel Blech gegen die Vivisektion geschwatzt; — Es ist schade, daß die Thierschutzvereine sich allmälig zum Scherbengericht über die schwierigsten Probleme der Wissenschaft aufzuwerfen beginnen." Der Vertreter der Thierschutz-Vereine von Gera, Herr Eduard Schein, sprach am Dienstag sein Bedauern aus, daß der gegenwärtige Kongreß sich nicht mit der Schächtfrage befaßt, sondern lediglich auf Anhörung zweier Berichte sich beschränkt habe. Der Präsident versprach hierauf die Frage für den nächsten Kongreß in Vorschlag zu bringen. Für Abhaltung des Kongreßes im nächsten Jahr ist Budapest in Aussicht genommen. Zur Veranschaulichung des leidenschaftlichen, herben, sogar persönlichen Characters, welchen die Debatten annahmen, genügt die Thatsache. daß der Präsident sich genörhigt sah, mitten in die Discussion die Bemerkung zu werfen: „Dre Herren Redner möchten nicht vergessen, daß das, was hier gesprochen, auch gedruckt erscheinen werde." 8ic transit gloria mundi. Wenn nicht alle Anzeichen trügen, so wird auf dem nächsten Kongresse in Budapest die begonnene Deroute ihre Fortsetzung erfahren. Es ist nothwendig daran rechtzeitig zu denken. Die Sache des Thierschutzes, welcher wir Juden jederzeit sehr sympathisch gegenüberstanden und stehen, hat viele jüdische Anhänger in den Thierschutz Vereinen verloren, seitdem man den Thierschutz als Flagge für den Antisemitismus mißbraucht hat. Diese Comödie scheint ihrem Ende entgegen zu gehen. Um diese Wendung zum besseren kräftig zu unterstützen, scheint eine lebhafte Beteiligung der Juden an den Thkerschutz - Vereinen wünschenswert. Nro-p woorfc m Das neue, alte Lied. Von Bezirks-Rabbiner Dr. Ehemann in Baden (Schweiz.) (Schluß.) Diese Bitte, um Gottes Rache war es und ist es, welche uns bei allem Hohn und allem Unrecht, das wir seit Jahrtausenden erdulden, niemals verbittern und zu Menschenfeinden werden, sondern

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