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Der Israelit · 1894-08-20 · Heft 66 (20.8.1894) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 66 (20.8.1894)
Date
1894-08-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXV. Jahrgang. M 66 Der Israelit. Ein KenLrat-Hrgan für das orthodoLe Zudenthum. Begründet von Dr. Lehman« in Mainz. Montag, den SO. August 8054 (1804). Leitende Artikel. Nachklänge om XI. mtmatUnulti WersAtz - CongtrS in Wern. Bern, 16. August. Obwohl man ohne viel prophetische Begabung von vornhtnetn wissen konnte, daß der Kongreß der Sache des Thlerschutzes nicht viel neue Lorbeeren bringen werde, so muß ich doch gestehen: ein so klägliches Fiasko hätte ich selber nicht erwartet. Zunächst hatte sich kein Mitglied des Bundesraths zur Eröffnung des Congresses und Begrüßung der Gäste bereit gefunden, wie man in den betreffenden Kreisen hoffte. Ein Negierungsrath des Kantons Bern wurde damit betraut. Für die Eingeweihten war dies schon ein Schatten, den der Congreß voraus warf. Doch das ist verschwindend im Vergleich zu dem anderen. Das, womit der Kongreß allein imponiren kann, sein Jnternationalität, damit hat er sich seine Schlappe geholt. Die Zerfahrenheit und Zerrissenheit der Ansichten der etnzelnen Thierschutz Vereine über die verschiedenen Fragen des Thierschutzes trat vielleicht noch nie so eklatant zu Tage als bei dieser Gelegenheit. Und doch hätte es der Thierschutz noch nie so nöthig gehabt nach außen hin als geschlossene Phalanx wenigstens zu scheinen, als gerade jetzt. Denken wir nur an die eine Frage, die uns zunächst interessirt, und die ihrer Bedeutsamkeit halber auch von dem Congreß unter die ersten Verhandlungs-Gegenstände gestellt wurde: die Sch ächtfrage. In Sachsen und in der Schweiz ist es gelungen unter der Etiquette des Thierschutzes ein Schächtverbot zu erwirken. Alles spricht gegen ein solches Verbot. Humanität, Animalität, Wissenschaft, religiöse Toleranz, alles vereinigt sich, um über diese antisemitische Schrulle den Stab zu brechen. Nur die Rücksicht auf den Schutz der Thiere wird mit einem sehr fragwürdigen Schein von Recht von einer Anzahl von Thterschutz-Vereinen dafür geltend gemacht. Der deutsche Reichstag, der Schweizerische Bundesrath, Nationalrath undStänderath, der Areopag der illustersten wissenschaftlichen Koryphäen von ganz Europa weist das Ansinnen eines Schächtverbotes entschieden zurück und nur die Thierschutz-Vereine reden ihm das Wort. Und nun stellt es sich auf dem Congreß der Thierschutz- Vereine heraus, daß es nicht einmal die Thierschutz- Vereine, sondern nur einige derselben sind, welche durch ihren rührigen Eifer bislang wirklich vielfach die Meinung zu verbreiten verstanden haben, als leistete ihnen das Gros der Thierschutz-Vereine Heeressolge. Diese Täuschung hat der elfte Internationale Thierschutz-Congreß beseitigt. Das ging so zu: Am Montag Nachmittag hielt der Präsident des Aarauer Thierschutz-Vereins, Keller, die Seele der ganzen Agitation gegen das Schächten in der Schweiz, seinen Vortrag über das Schweizerische Schächtverbot. Wenn man diesen Herrn sieht und die Weise seines Vortrags hört, schreckt einen der Gedanke, wie wenig Intelligenz und savoir vivre dazu gehört, die Massen selbst für eine verlogene Sache zu gewinnen, wenn sie nur einen antisemitischen Hintergrund hat. Mit der ganzen Heftigkeit, welche den Mangel sachlicher Begründung dem Unkundigen leicht verhüllt, tummelte Herr Keller sein Lieblingssteckenpferd die Schächtfrage. Für den Kundigen war der ganze Sprach ein Sammelsurium von Unrichtigkeiten, Jnvectiven und billigen Thierschutzphrasen, die von den Gesinnungsgenossen sehr beifällig ausgenommen wurden. Wohlgemerkt von den Gesinnungsgenossen, wozu etwa 60 Herren der anwesenden 100 zählten! Die anderen hielten

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