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Der Israelit · 1894-08-16 · Heft 65 (16.8.1894) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 65 (16.8.1894)
Date
1894-08-16
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXXV. Jahrgang. Erste Beilage ju M 65 des „Israelit". Leitender Artikel. Der XI. Internationale Thierslhutz-Konzreß in Wern. (Von unserem Correspondenten.) Bern, den 12. August. Heute wird hier der elfte Internationale Thierschutz-Kongreß zusammentreten und auch das Schächtverbot in der Schweiz sowie dasjenige in Sachsen zum Gegenstand der Verhandlung haben. Wer die Naturgeschichte dieser Kongresse kennt, wird auch dem gegenwärtig hier tagenden nur geringe Bedeutung beilegen, vorausgesetzt, daß derselbe sich in den Bahnen seiner Vorgänger bewegt. Da man diese unsere geringe Meinung leicht als tendenziös verdächtigen könnte, so möge hier der Ausspruch eines klassischen Zeugen folgen. Es ist niemand anders als der frühere Redakteur der in Darmstadt erscheinenden „Allgemeinen Thierschutz-Zeitschrift", welcher seinen Bericht über den jüngsten Wiener Kongreß mit folgenden Worten schloß: „Indem ich nun meinen Bericht über den Wiener Kongreß hiermit zum Abschluß gebracht'habe, kann ich dies nicht thun, ohne kurz aus Einiges zurückzukommen. Wie Eingangs erwähnt, war dies der dritte internationale Kongreß, dem ich anwohnte und so feuereifrig ich zu dein ersten Kongreß eilte, um in Gemeinschaft mit gleichgesinnten Männern die Interessen deS Thierschutzes $u berathen, so ab gekühlt für internationale Berathungen bin ich von dem Wiener Kongreß zurückgekehrt. Allerdings ist es als ein Fortschritt zu bezeichnen, daß man für die einzelnen Fragen Referenten und Korreferenten ernannt und dadurch erreicht hatte, daß dieselben von Fachleuten sachgemäß erörtert wurden. Aber bei den Debatten zeigte es sich vielfach, daß Leute, welche nichts oder nur wenig von einem Gegenstände verstanden, die Zeit mit sentimentalen Ausführungen vergeudeten und dadurch bewiesen, daß trotz energischer Anstrengung die alte Gefühlsduselei in gar vielen Vereinen sich noch recht breit macht, gewiß nicht zum Nutzen unserer Bestrebungen. Auch die Wiederkehr immer der gleichen Fragen auf allen internationalen Kongressen und die oft entgegengesetzten Beschlüsse, welche heute hier, morgen dort gefaßt werden, sind ein Beweis dafür, wie nothwendig es ist, ehe wir internationale Verhältnisse bessern wollen, daß in Verbänden und nationalen Kongressen die Thierschutzvereine erst einmal über ihre Aufgabe sich vollkommen klar werden müssen. Es ist traurig, zu sagen, aber leider wahr, daß auch nicht eine einzige Thierschutzsrage existirt, über deren Lösung auch nur bei den deutschen Vereinen eine völlige Einigung erzielt worden ist, geschweige denn bei den Vereinen der ganzen Welt. Zum Schlüsse sage ich den Mitgliedern des Wiener Vereins, welche uns Delegirte so freundlich und liebenswürdig aufnahmen, meinen herzlichsten Dank; den Delegirten aber, soweit sie nicht Deutschland angehörten, rufe ich an dieser Stelle ein herzliches Lebewohl zu, da wir uns auf einem internationalen Congresse wohl schwerlich mehr treffen werden. Dr. Scharfer. Wenden wir diese Darstellung auf den uns hier besonders interessirenden Gegenstand, das Schächten an, so haben wir es mit einer Angelegenheit zu thun, über welche nicht einmal die Schweizerischen Thierschutz-Vereine einig sind. Die Thierschutz-Vereine in Genf und St. Gallen haben die Agitation gegen das Schächten nicht nur nicht mitgemacht, sondern sind ihr sogar demonstrativ entgegen getreten, andere Vereine haben sich auf passiven Widerstand beschränkt. Die für den Stand der Schächtangelegenheit in der Schweiz und in Sachsen vorgesehenen Berichterstatter sind enragirte Schächtgegner, die sich längst als gründefest bewährt haben und für wissenschaftliche und politische Erwägungen sowie für solche religiöser Toleranz vollständig unzugänglich sind. Diese werden also das Schächten wie bisher als Ausbund aller Grausamkeit bezeichnen, die gegentheiltgen Forschungsresultate der Wissenschaft entweder vollständig ignoriren oder als tendenziös verdächtigen und jede etwaige Opposition im Keime zu ersticken suchen. Dies wird ihnen auf dem bevorstehenden Kongreß allerdings nicht so leicht gelingen. Es sind Vertreter diesmal zugegen, die sich mit den ausrangirten Paradecitaten der Thierschützer gegen das Schächten nicht zufrieden geben und den Referenten ihren bequemen Standpunkt doch ein wenig sauer machen werden. Seitdem durch den Fanatismus einiger Thierschützer die Schächtangelegenheit die Legislatur beschäftigt und größere Kreise intereffirt, ist mit der Zahl der Gegner auch die Zahl ihrer Vertheidiger gewachsen. Unter den hier anwesenden fremden Gästen sei zunächst der Bayerische Landtags-Abgeordnete, Herr Pfarrer Dr. Frank genannt. Derselbe hat in Bayern die Sache der Wissenschaft, der Reltgions- und Gewissensfreiheit gerade gelegentlich seiner Vertheidigung des Schächtens so mannhaft und erfolgreich vertreten, daß man sicher sein darf, dieser bewährte Kämpfer für das jüdische Schlachtverfahren wird den Thierschützern vom Schlage des Centralvorstandes der Schweiz. Thierschutzveretne nicht blindlings Heeresfolge leisten. Auch Herr Hofrath Dr. Dembo aus St. Petersburg weilt hier, um an dem Kongreß theilzunehmen. Wenn irgend Jemand competent ist, in dieser Frage ein entscheidendes Wort zu sprechen, so ist es dieser illustre Gelehrte, dessen wissenschaftlichen Forschungsresultate betr. der jüd. Schlachtmethode die Pariser Akademie soeben zu der ihrigen gemacht hat. Nach unseren Informationen fehlt es nun nicht

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