Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 65 (16.8.1894)
- Date
- 1894-08-16
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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1206 „Jetzt könnt Ihr reden," rief er, „jetzt hört uns Niemand mehr. Ihr braucht auch nicht zu fürchten, daß wir belauscht werden. Denn alle meine Diener, die mir nicht treu waren, sind entflohen, seitdem so jähes Unglück über mich hereinzubrechen droht. Sprecht also jetzt, was verlangt Ihr von mir, falls Ihr im Stande seid, mir thatsächlich Hilfe zu leistend" „Nun denn, mein König, ich verlange, daß Israel so wett es in Deinen Staaten lebt, so geschützt werde, daß niemals mehr eine Verfolgung und Austreibung des ganzen Stammes eintreten kann. Ich verlange, daß Israel in der Zukunft so leben werde, wie es ein Recht hat zu leben. Frei, vollständig frei jeder einzelne, frei, ganz frei das gesummte Volk, nur Unterthan den göttlichen Vorschriften und Gesetzen. Israel ist zerstreut unter den Völkern; es soll sich sammeln, es soll wieder zu einem Volke werden. Doch nicht nach Palästina geht mein Begehr, das, o König, könntest Du mir nicht gewähren. Und mehr werde ich auch jetzt nicht verkünden. Israel soll sicher und in Frieden wohnen für alle Zukunft, das ist die Bedingung, die ich für meine Hilfe stelle!" „Wie könnt Ihr für die Zukunft Sorge tragen, Mann?" „Ich kann es, König Kasimir, und ich will Euch noch versprechen, daß Ihr nichts zu thun braucht, was mit den Gesetzen des Landes nicht voll und ganz im Einklang steht. Wollt Ihr mir nun mein Verlangen erfüllen?" „Wenn es so ist," entgegnete der König, „wenn ich im Etnverständniß mit meinem Volke und mit den Gesetzen Polens Euer Begehr erfüllen kann, so bin ich bereit dazu, wenn Ihr mir in Wahrheit Hilfe bringt." Sprich, habt Ihr Juden denn ein Heer verborgen im geheimen, das im Stande wäre, den ungeheuren Schaaren zu trotzen, die die Russen an meinen Grenzen gesammelt, und die die Adligen des Landes gegen mich entbieten werden." „Nicht haben wir ein solches Heer," entgegnete Elischa, wohl aber vermögen wir es zu schaffen, und da du nun dein königliches Wort mir verpfändet hast, daß du für meine Stammesgenossen Sorge tragen willst, so höre ( „Die Adligen des Landes zählen kaum nach Hunderten. Jeder aber führt eine große Menge seiner Bauern, seiner Leibeigenen an, die es wohl verstehen Schwert und Spieß zu führen. Die Leibeigenen folgen nur ungern ihren Führern, die sie Haffen bis in den Tod und von denen sie in Friedenszeiten auf das Fürchterlichste gequält und bedrängt werden. Wohlan denn König Kasimir laßt im ganzen Lande verkünden: Jeder Leibeigene, der zu deinem Heere stößt, der mit dir geht in den Krieg und mit dir kämpft gegen die Nassen und Verschwörer, soll frei fein von dem Tage an, da du Lemberg erobert haben wirst. Jeder Bauer aber soll das Land, das er von den Adligen in Pacht hat von da ab und weiter als Eigenthum besitzen. Glaube mir, König Kasimir, alle Einwohner des Landes werden wie ein Mann sich aufraffen in Heller Begeisterung und werden zu deiner Fahne stürmen und die Adligen werden allein und verlassen sein." König Kasimir stand wie erstarrt vor Staunen. (Fortsetzung folgt.) Der „Z«raelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstag-, jedesmal in mindesten» zwei Bogen. Preis de» Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für'8 Ausland IS Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig »der vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Duchhaubri tu besiehe« bet Sk. /. Ktein«rbrr, Leipzig« D»ßptah 16. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Petttzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut CourS. — Direkte Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für'S Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Et»e RLekseudung *»« a« die Redaktion eiuqesandte« Manufcripte« findet nicht statt, man bittet deshalb sich vvujttten Einse»düngen eine Copie zrrrückzubehalte». Inhalt (Hanptblatt) r Leitende Artikel: Index mlivivus von Dr. Ed. Biberfeld in Karlsruhe. — Da8 neue, alte Lied. Von BezirkS-Rabb. Dr. Ehrmann in Baden (Schweiz). — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Breslau. Colberg. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. — Vermischtes. — Feuilleton: Esterka, Königin von Polen. Historische Erzählung von Hugo Freund (Fortsetzung). Inhalt der erste» Beilage: Leitender Artikel: Der XI. Internationale Thierschutz-Kongreß in Bern. — Zeitungsnachrichten und Correspvndenzen: Deutschland: Karlsruhe. — Schweiz: Bern. — Vermischtes. Inhalt der zweite» Beilage: Leitender Artikel: Die Juden in Rom. — Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Deutschland: Berlin. — Vermischtes. feg g Inhalt der Belletr. Beilage: Es schläft und schlummert nicht der Hüter Israels. Von Robert Hänlein. —> Jüb. Allerlei. Inhalt der Extra-Beilage r Leitender Artikel: Der XI. Internationale Thierschutz-Congreß in Bern. Schluß. verantwortliche Redaction: OSear Lehmann in Mainz. — Expedition des »Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck rmd Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckeret-Aetien-Gesellschast in Mainz. Hierzu vier Beilagen.