Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 65 (16.8.1894)
- Date
- 1894-08-16
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1205 l. April 1893 bis l. April 1894 gehenden neunten Geschäftsjahre wurden an Mitgliedsbeiträgen vereinnahmt 1214,95 M, das Vermögen beträgt 17,009,63 M., wovon 14,557,39 M. zum Reservefonds gehören. Der Vorstand hofft, datz sich der letztere im laufenden Jahre auf 15,000 Merhöhen und so auch der im Statut vorgesehene dritte Zweck der Stiftung „Gewährung von Stipendien an Studirende" zu verwirklichen sein wird. Bon eingegangenen Gesuchen wurden 24 Freistellen bewilligt und in 8 Fällen eine Beihilfe zum Schulgeld, im Ganzen seit Bestehen der Stiftung 159 Freistellen und in 97 Fällen Schulgeld-Beihilfe, gewährt. Es wäre aufrichtig zu wünschen, datz die Freunde und Verehrer des Verstorbenen sich sowohl bei freudigen Gelegenheiten als auch sonst der „Heymann Mathias-Stiftung" durch einmalige Zuwendung von grötzeren Summen oder durch Erwerbung der Mitgliedschaft (Minimalbeitrag 4 M.) erinnern mögen. Der Präses der Stiftung ist Herr M. Fränkel, Hopfenmarkt. Feuilleton. Estrrlra, Königin von Föten. Historische Erzählung von Hugo Frenud. 22.) (Nachdruck verboten.) Der König lächelte über die Worte des Mädchens. „Was soll ein Jude mir helfen können?" sagte er. Plötzlich fühlte er eine Hand auf seinen Schultern. Ein Mann stand hinter ihm; der König hatte ihn nicht kommen hören und er wußte nicht, wie er in dem Zimmer erschienen war. „Der Jude kann Euch helfen, König Kasimir," rief der Mann. „Wer seid Ihr?" frug der König erschrocken auffahrend. Ich bin es, der Euch gerettet vor dem Mordanschlage des Pan Johann von Wola, ich bin eS, der Euch die drohende Gefahr des Russeneinfalls vorherverkündet, damit Ihr Euch retten könntet, ich bin es, der Führer der Juden, der Euch auch nun erretten wird. Ich bin Euer Schutzgeist, König Kasimir! Ich bin Elischa!" Der König starrte den Sprecher an. Noch vermochte er den Sinn der Worte nicht völlig zu erfassen. Elischa aber fuhr fort: „Mein König, ich weiß Ihr leid verloren, wenn Ihr meinen Worten nicht folgt. Glaubt mir, ich trage es in der Hand, Euch die Krone, das Reich zu retten; doch eines müßt Ihr mir zuvor versprechen." „Und das ist?" frug Kasimir, der sich von seinem Erstaunen noch nicht zu erholen wußte. „Wenn Ihr die Russen geschlagen habt, wenn Ihr Lemberg erobert habt, und Lemberg als eine Provinz einsügt Eurem Reiche, wenn Ihr die Adligen niedergeworfen habt durch meine Hülfe, dann will ich kommen und will etwas von Euch fordern, und dieses müßt Ihr mir gewähren." „Wie könnte ich Euch gewähren, wenn ich nicht weiß, was Ihr fordert? Nennt mir den Preis der Rettung und ich will darüber entscheiden." Die Augen des Juden schienen zu blitzen, es arbeitete mächtig in seinen Zügen. „König Kasimir, ich werde nicht von Euch fordern, was Ihr nicht gewähren könnt, doch noch vermag ich es Euch nicht zu sagen. „Wollt Ihr meine Hilfe unter der gegebenen Bedingung annehmen, oder wollt Ihr es nicht?" Der König, der sich selbst in diesem Augenblicke unendlicher Gefahr der Tragweite seiner Worte voll bewußt war. entgegnete mit Ruhe: „Ich werde niemals etwas versprechen, von dem ich nicht genau weiß, daß ich im Stande bin, es zu halten. Sagt mir, was Ihr verlangt, und ich werde darüber entscheiden. „Aber Ihr werdet nicht vor diesem Mädchen Euer Geheimniß mir mittheilen wollen." fuhr er fort, indem er auf Ester blickte. „Ihr könnt indessen ruhig auch vor ihr Vorbringen, was Ihr zu sagen habt, denn Ester ist verschwiegen und hat keinen anderen Wunsch, als mein Glück und da8 Glück Polens." Jetzt erst bemerkte Kasimir, in welcher Aufregung sich Ester befand. Sie hatte sofort, als Elischa von einer Bitte und einer Bedingung gesprochen, vermuthet, daß er, ihr Bräutigam, ihre Freiheit, ihre Hand von dem König ausbitten werde. Als nun Kasimir in das vor Erregung glühende Antlitz Ester's sah, da erschrack er. „Welche Thorheit beging ich," rief er, „wie Du erregt bist und erschreckt. Ja, fürwahr, Krtegsgespräche taugen nicht für junge Mädchen. Und was ich selber kaum ertrage, wie sollte es ein schwaches Weib ertragen können? Gehe, Ester, ziehe Dich in Deine anderen Gemächer zurück, ich werde baldigst wieder zu Dir kommen." „£>, laßt mich bleiben," bat Ester, die kaum im Stande war, zu sprechen. Aber der König erwiederte mit Festigkeit: „Geh, mein Kind, geh, ich will es, ich befehle es." Da stand Ester auf, verneigte sich vor dem König und vor Elischa und zog sich zurück, das Herz erfüllt von Glück und von Hoffnung. Der König begleitete sie bis zum Ausgang des Saales, dann kehrte er zu Elischa zurück.