Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 65 (16.8.1894)
- Date
- 1894-08-16
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1204 in der Hauptstadt des römischen Reiches bis zum Verschwinden des römischen Ghetto unter der Regierung des Königs Humbert I." Colberg, 3. August. Am letzten Sonntag wurde das zwanzigste Stiftungsfest des jüdischen Kurhospitals durch einen feierlichen Gottesdienst im Betlaale der Anstalt begangen. Nach der einleitenden Liturgie und der Absingung des 16. Psalms bestieg Herr Rabbiner Dr. Goldfchmidt die Kanzel zu der Festpredigt, der er das Prophetenwort Jerem. 1, 17 zu Grunde legte. Redner warf zunächst einen kurzen Rückblick auf die Schöpfung und zwanzigjährige Entwickelung des Hauses und führte alsdann aus, daß die Lehre Israels zunächst und zuerst die Liebe zu Gott sowohl als freies Gefühl als auch als gestmmngs- und lebensvolle That, dann aber als Reflex der Gottesliebe die Nächstenliebe gebiete. Als ein Denkmal dieser Lehre der Gottes- und Nächstenliebe sei die Anstalt errichtet worden, die bekanntlich den Zweck verfolge, jenen doppelt Unglücklichen, die im Kampfe ums Dasein mit der schweren Sorge um das tägliche Brod und zugleich mit einem schleichenden Uebel behaftet sind, unentgeltlich als Heilstätte zu dienen. Ganz besonders segensreich aber wirke die Anstalt für die Jugend, indem sie seit bereits zwanzig Jahren mitten in jener mächtigen Bewegung unserer Zeit stehe, die ihre Sorge darauf richte, das zehrende, schleichende Uebel schon im jugendlichen Keime zu ersticken und schwächliche, kränkelnde und abgezehrte Kinder der Armuth zu einem gesunden, lebenskräftigen Geschlecht zu erziehen. Am Schluffe brachte Redner den Dank an alle Mitarbeiter, Wohlthäter und Mithelfer zum Ausdrucke, proklamtrte die seit dem letzten Stiftungsfeste neu gewonnenen immerwährenden Mitgltederund Stiftungen und hielt einen warmen Nachruf auf den am 20. März d. I. zu Berlin verstorbenen Kommerzienrath Jakob Israel, den er als einen der größten Wohlthäter des Hauses feierte. Mit dem Gebet für die Mitglieder des Hauses, für König, Behörden und Vaterland, und endlich mit einer Todtenfeier für die verstorbenen Wohlthäter der Anstalt schloß die Herz und Geist erhebende Feier, welche sichtlich auf sämmtliche Theilnehmer ergreifend wirkte. Oester r.-U n g a r. Monarchie. Wien, 8. August. Der Statthalter Graf Kielmannsegq, der vornehm denkende Cavalier, hat gestern eine krvmotiou 8ud auspiciis Imperatoris zum Anlässe genommen, um die Vorgänge an unserer Hochschule zu krttisiren. Er that dies in würdigen Worten, aber der verhaltene Unmuth kam an mehr als einer Stelle zum Durchbruche. Der Statthalter sagte : „Jene Studirenden der Wiener Universität, welche bedauerlicherweise an dem Gefühl des Patriotismus es haben ermangeln lassen, handeln in jugendlichem Uebermuthe und aus Mangel an Erfahrung. (Mit erhobener Stimme): Das ist nicht eigenes Gefühl, sondern fremdes, in sie künstlich hineingetragenes. Dieser Mangel an Patriotismus ist tief zu beklagen, aber wir dürfen uns nicht dadurch irremachen lassen. Auch mich hat das nicht irre gemacht, der ich in meiner amtlichen Stellung alle Vorgänge an der Universität zu verfolgen in der Lage war. Die durch fremdes Gefühl Verführten haben den Werth ihres Vaterlandes erkannt, sobald sie in's praktische Leben getreten, und haben dann auch ihren patriotischen Gefühlen begeistert Ausdruck gegeben. Lassen Sie mich schließen mit den Worten: „Der Oesterreicher hat ein Vaterland und liebt's und hat auch Ursache, es zu lieben." Diese Worte müssen von jedem Oesterreicher mit Dank begrüßt werden. Der Statthalter hat den Finger auf ein Krebsübel gelegt, das sich leider an der Wiener Universität etngenistet hat und gerade jenen Theil der Heranwachsenden Generation zu vergiften droht, der zu einer führenden Rolle im Staatsleben bestimmt ist. Durch Elemente, die außerhalb der Universität stehen, hat Jahre hindurch eine systematische Verführung der Universitätsjugend stattgefunden, deren Gefühle man dem Vaterlande abwendig zu machen suchte. Man hat lange versucht, den Bestand solcher abnormer und ungesunder Zustände zn vertuschen, und man hat damit die Verbreitung des Uebels gefördert. Die Worte des Statthalters zeigen, daß die Regierung wohl in Folge der Vorgänge, die sich vor einigen Wochen an der Wiener Universität abgespielt haben, ihr Augenmerk auf diese Zustände gelenkt und auch den Willen hat, dieser Verführung der Jugend entgegenzuwirken. Die ebenso wohlwollenden als ernsten Worten des Statthalters verdienen beherzigt zu werden, nicht blos von der akademischen Jugend, sondern auch von den Professoren, welche oft durch übel angebrachte Connivenz der Entwicklung des Uebels Vorschub geleistet haben. > Vermischtes. < Hamburg, 22. Juli. Als i. I. 1885 der verdienstvolle Vorsteher der Talmud-Thora-Realschule Herr Heymann Mathias starb, wurde von mehreren früheren Schülern desselben zum ehrenden Andenken des Verstorbenen, dem es durch seine nie rastende Arbeitskraft gelungen war, die Schule von kleinen'.Anfängen zu ihrer jetzigen Größe emporzubringen, die „Heymann Mathias-Stiftung" begründet, welche den Kindern unbemittelter Eltern den Besuch der Talmud-Thora-Schule durch Gewährung von Beihilfe zum Schulgeld oder durch Freistellen ermöglicht. In dem vom