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Der Israelit · 1894-08-16 · Heft 65 (16.8.1894) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 65 (16.8.1894)
Date
1894-08-16
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1203 ZeituugSuachrichteu nttb Correfpoudeuze«. Deutschland. Berlin, 9. Aug. Die „Volkszeitung" schreibt: Eine antisemitische Räubergeschichte macht jetzt die Runde durch die Organe des Ahlwardttsmus. Quelle für die Geschichte sind die sog. „Deutschsozialen Blätter". Da die Mittheilung zugleich einen überaus charakteristischen Beitrag zur Naturgeschichte des Geschäfts-Antisemitismus bildet, so sei sie nachstehend wiedergegeben: „Die königlichen Mineral-Brunnen von Niederselters, F achingen, Gailena» sind seit einigen Wochen in Hä den der Juden." Die königliche Regierung hatte die Absicht, die erwähnten Brunnen zu verpachten. (Sin altangeseheucs, chrenwerthes christliches Geschäft zu Frankfurt a. M, die Firma H. Kölsch Nachfolger, bewarb sich um die Brunnen und bot zunächst 300,000 Mark jährliche Pacht. Zu gleicher Zeit bewarben sich die Juden Siemens u. Co. in Dresden nm die Brunnenpachtung und boten, nachdem sie von Berlin arrs auf irgend eine Weise vom christlichen Gebot Kenntniß erhalten hatten (??). 820,000 M. Pacht. Ohne lange zu zögern, und ohne die respektable Firma H. Kölsch von dem Mehrgebot zu benachrichtigen, wurde den Inden das Recht zngespiochen, die für Tausende unbedingt nothwendigen Quellen und deren Produlie allein auszubeuten. Die Verpachtung geschah an Siemens u. Co. (deren Vertreter in Frankfurt der Jude Moritz Hecht, in Londoir ein gewisser Rosenlhal ist). Die Firma H. Kölsch erhielt erst zu spät Nachricht. Wie wir erfahren, hätte die christliche Firma H. Kölsch Nachfolger gern weit mehr geboten, um die Quellen tu Pacht zu bekommen. (Warum hat sie denn nicht von vornherein mehr geboten? Red. d. Bolksztg.) Der Konsum jener Wasser ist bekauutlich ein ganz bedeutender. Man schätzt den täglichen Bedarf auf über 150,000 Flaschen. Jede Flasche kostet 25 Pf. und bringt nach Abzug der Spesen :c. einen Reirrgewinn von mindestens 10 Pf. per Flasche, das macht per Tag einen Gesammtgewinn von 15,000 Mark oder von 150,000 Mark per Monat, oder von 5,400,000 M. per Jahr. Diese gewaltige Summe fließt ... in die Taschen der Juden und wird gezahlt von den Heilung lechzenden armen Deutschen Cs wird diese gewiß hochinteressante Angelegenheit im Reichstag zur Sprache gebracht, dafür ist Gott fei Dank schon gesorgt und es stellt sich alsdann hoffentlich heran?, wie es kommen konnte, daß ohne weiteres den Juden Siemens, Hecht und Rosenthal die Pachtung zugeschlagen wurde. Bemerkenswerth ist, daß zunächst die Richtigkeit dieser Mittheilung selbst von einem Organ wie der Ahlwardt-Moniteur bezweifelt wird. Aber das thut nichts; dennoch wird sie mit der Spitzmarke versehen: „Wir machen Rtesenfortschrttte in der Verjudung!" Was uns betrifft, so sind wir von vornherein überzeugt, daß das vermeintlich Beste an der Sache nicht wahr ist. Voraussichtlich wird sich zum mindesten das Eine sehr bald Herausstellen, daß die Juden Siemens u. Co. in Dresden gar keine Juden sind. Aber selbst wenn sie es wären — wenn sie mehr bieten als die christliche Firma, so ist es einfach die Pflicht und Schuldigkeit der den Zuschlag ertheilenden Behörde, ihr diesen Zuschlag nicht vorzuenthalten. Das Verlangen, der „christlichen Firma" müsse von jedem Mehrgebot von amtswegen Mttthetlung gemacht werden, ist so naiv, daß man darüber nur lächeln kann. Am scherzhaftesten aber ist die sittliche Entrüstung darüber, daß nunmehr „die nach Heilung lechzenden Deutschen" den „jüdischen" Pächtern nach Abzug von 320,000 Mark Pacht jährlich angeblich 5,080,000 M. in die Tasche schanzen müssen. Hätte die „christliche Firma" bei Zahlung von nur 300,000 Mark Pacht 5,100,000 Mark Reingewinn erzielt auf Kosten der „nach Heilung lechzenden Deutschen", so hätten das die antisemitischen Blätter natürlich sehr in der Ordnung gefunden! Nebenbei gesagt, halten wir die angegebene Reinertragsziffer von mehr als 5 Millionen M. für übertrieben zu Gunsten des alarmirenden Eindrucks der ganzen fragwürdigen Notiz. Wäre auch nur die Hälfte des angegebenen Reingewinns erzielbar, so wäre eS allerdings unbegreiflich, daß der Staat sich eine derartige Einnahme durch Annahme des niedrigen Pachtgebots von 300 bis 320,000 Mark entgehen ließe. Berlin, 9. August. lieber die jüdischen Volksschulen in Preußen berichtet die amtliche Statistik: In ganz Preußen waren am 25. Mat 1891 30,386 jüdische schulpflichtige Kinder. Es waren staatlich angestellt 336 jüdische Lehrer und 58 jüdische Lehrerinnen. Es waren vorhanden 244 öffentliche jüdische Schulen mit 307 Klassen, 305 Lehrern und 9519 Schulkindern. Es entfielen hiervon auf Ostpreußen 0, Westpreußen 21, Berlin 4, Brandenburg 0, Pommern 0, Posen 87, Schlesien 26, Sachsen 0, Schleswig-Holstein 6, Hannover 52, Westfalen 23, Hessen-Nassau 82, Rheinprovinz 32, Hohenzollern 3 Schulen. (Bei der letzten amtlichen Statistik im Jahre 1886 waren vorhanden 318 öffentliche jüdische Schulen mit 421 Klassen, 407 Lehrern und 13,270 Schulkindern). 10,853 Schulkinder besuchten evangelische Schulen, 4327 jüdische Schulkinder besuchten katholische Schulen und 5704 jüdische Schulkinder besuchten paritätische Schulen; an den letzteren waren 31 jüdische Lehrer angestellt. 3491 jüdische Schulkinder wurden in Prtvatschulen von 125 jüdischen Lehrern und 15 Lehrerinnen unterrichtet. Breslau, 3. August. Auf Grund der Anträge des Preisrichterkollegiums der Moriz-Rappaportstistung in Wien hat der Vorstand der dortigen Gemeinde der Arbeit von den Doktoranden Paul Rieger und Hermann Vogestein als „Anerkennung" einen Betrag von 1000 Gulden „im Hinblick auf die großen Vorzüge des Werkes" zugesprochen. Die gleiche Anerkennung ist auch der Arbeit des Herrn Dr. A. Berliner zu Theil geworden. Das Thema des Preisausschreibens lautete: „Geschichte der Juden in Rom seit ihrer ersten Niederlassung

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